Wo war bitte nochmal das Bett?

Konban wa,

endlich befinde ich mich auf dem richtigen Breitengrad. Gestern dachte ich ja direkt nach meinem Blogeintrag noch kurzzeitig, dass ich noch eine Weile aus Abu Dhabi berichten kann. Ich wollte nur das Ergebnis des HSV im Internet recherchieren, da schaute mich plötzlich ein Stoppschild an. Ja, die Sportseite einer großen deutschen Zeitung mit 4 Buchstaben (und auch nur die) wird von den Emiraten blockiert. Also sind die schon etwas weiter als wir. Nachdem man aber, um ins Internet zu gelangen, öfter bestätigen musste, nichts Unrechtes zu tun, kann es einem dabei schon mal mulmig werden. Jetzt werde ich in den geheimen Unterlagen der Welt nicht nur als Hooligan geführt, sondern auch noch als potentieller Gegenspion.

Falls einer der geneigten Lesen mal über diesen Ort fliegen sollte, lasst euch nicht abschrecken und besorgt euch einen Nachtflug. Die Beleuchtung des Wüstenreichs ist wirklich beeindruckend und die gesamte Jugend im Flugzeug hing am Fenster, um Bilder von einem Schauspiel zu machen, dem Bilder nicht gerecht werden. Auf jeden Fall war uns dann allen klar, wo das Benzingeld der Deutschen landet. Eine weitere Überraschung hielt der Anschlussflug aus Abu Dhabi noch für uns bereit. Neben dem Pascha, der seine 3 Frauen nichts alleine machen ließ (sie durften noch nicht mal den eigenen Pass vorzeigen) stiegen nicht mehr wirklich viele Menschen ein. Inklusive Economy bestand der Flug immerhin aus 37 zahlenden Gästen und 7 Flugbegleitern. Leider hatte der Herr am Ticket Counter in Frankfurt es tatsächlich geschafft, mir einen Nachbarn zu besorgen. Aber o.k., davon lasse ich mich nun nicht aufhalten und einige nette Worte sowie mehrmalige Sitzproben später, saß ich wieder in der Reihe 23 der Maschine. Mir ist zwar nicht klar, warum der Platz kaum mal vergeben wird, aber ich kann ihn echt weiterempfehlen. Beim Start sitzt gegenüber eine Stewardess und aufgrund dessen hat man die dreifache Beinfreiheit. Der Service war auch wieder klasse und nach einigen interessanten Filmen befanden wir uns endlich in Japan, genauer gesagt in Tokyo.

Die Stadt ließ nichts Gutes vermuten. Trotz strömendem Regen legte sich eine Hitze über den Flughafen, die mich für das restliche Jahr schon Böses ahnen ließ. Dazu galt es noch, nicht zuletzt dank unseres Paschas, eine Stunde bei der Einwanderungsbehörde zu verbringen. Man muss schon sagen, dass man sich nicht gerade willkommen fühlt, wenn die gegenüber alle nur mit Mundschutz auflaufen, wobei der Tipp mal an deutsche Beamte weitergegeben werden sollte. Dafür hat Japan jetzt meine Fingerabdrücke und das gefühlte tausendste Bild von mir, diesmal aber mit formschönen Händen im Bild, weil ich, als er abgedrückt hat, gerade meine Haare gerichtet habe.
Nach einem relativ ereignislosen Anschlussflug, erreichte ich endlich meine neue Heimat, Sendai. Nach der Zeit im Flieger wurde das auch Zeit.

„Mhh, was meinte mein Abholservice nochmal? Mit dem Taxi zum Wohnheim fahren? Die spinnen doch, als guter Reik mache ich das selber, kostet bestimmt nur die Hälfte.“ So in etwa hat mein innerer Monolog sich nach der Ankunft angehört. Opa wäre stolz auf mich gewesen!
Also ging es los. Erst mal Touriinfo I unsicher machen. Nachdem der 1. Mitarbeiter bei meinem Anblick schlagartig ein wichtiges Telefonat führen musste, bekam ich nach 15 Minuten doch echt mal einen Hinweis, wie ich weiterkomme. Das Gerücht, dass selbst Japaner nicht mit ihrer Straßenbenennung zurecht kommen, stimmt auf alle Fälle.

19-1 Sanjo-machi, Aoba-ku, Sendai 981-0935

Gut bei einer derartigen Nummerierung, wo noch nicht mal die Postleitzahl dabei ist, würde die Post in Deutschland vermutlich schon aufgeben. Nun ging es also ab in den Zug und Richtung Sendai Innenstadt. Tja, was soll ich sagen? Gestern habe ich ja noch über das gute alte Lost in Translation gefachsimpelt und heute ging es mir ähnlich. Ich hasse es, ohne anständige Sprachkenntnisse ein Land bereisen zu müssen. Mit meinen Schriftzeichenkenntnissen bekomme ich hier aber dummerweise immer nur die Hälfte zusammen, da der wichtige Teil in mir unbekannten Kanjis geschrieben ist. Gleichzeitig werden bei Gesprächen in einer Geschwindigkeit Vokabeln auf mich losgeschossen, dass ich kaum hinterher komme. Da bleibt wirklich nur, auf den Sprachkurs zu hoffen.

Na ja, in der Innenstadt habe ich dann erst mal Touriinfo II aufgesucht und anschließend noch 7 Japaner mit der dort erhaltenen Wegbeschreibung verrückt gemacht. Kann doch nicht so schwer sein, dass man zugibt, den Weg selber nicht zu kennen. Nein, da hat man mich lieber ewig im Kreis geschickt und suchen lassen. Egal, nach einigem Hin und Her und mit Hilfe eines Studenten aus Frankreich habe ich dann doch alles gefunden.
45 Minuten DVD mit Regeln anschauen später, stand ich dann endlich in meiner Wohnung. Bei der habe ich auf jeden Fall Glück gehabt. Gut, ich darf nichts wirklich mit ihr machen, da das Wohnheim richtig strenge Regeln hat. Theoretisch darf ich noch nicht mal ein Meeting auf dem Zimmer veranstalten, aber ansonsten hat das Zimmer was. Unter anderem ein eigenes Bad mit Dusche. Und das Bad hat dazu noch eine der von mir so geliebten Supertoiletten, mit x Einstellmöglichkeiten. Ein herrliches Spielzeug, wer braucht schon Zeitschriften auf dem Klo, wenn er da alles verstellen kann? Einen kleinen Balkon habe ich auch und ansonsten 7 Mitbewohner. Die meisten sind Chinesen und Japaner, die etwas ruhiger sind und ein Ecuadorianer. Zwei Mitbewohner fehlen aber noch, ich hoffe ja auf einige Ausländer. Wobei mir mein Nachbar gleich von seinem deutschen Kumpel erzählen musste, der aus so einer tollen Stadt kommt – ein Dresdner. Nicht mal hier in Japan ist man vor dem sächsischen Dialekt sicher. Man kann auf jeden Fall mit allen gut umgehen und ich bin mal gespannt, was sich da noch alles entwickelt. Aber über das Problem mache ich mir morgen einen Kopf. Ich bin aufgrund der vielen Stunden ohne Schlaf richtig fertig und werde gleich auf mein hoffentlich richtig zusammengefaltetes Futon fallen. Mehr Bilder gibt es auch bald, wenn ich mir eine günstige Methode zum Hochladen ausgedacht habe.

Bis dahin viele Grüße nach Deutschland und lasst es euch gut gehen.

Mata ne!
Reik

Blick auf Abu Dhabi

Blick auf Abu Dhabi


Das Wichtigste hängt schon...

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high tech

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2 Kommentare

    • Daniel auf 5. April 2010 bei 19:33

    schön das du gut angekommen bist und die fcm fahne hängt auch schon :>

    • Nia auf 6. April 2010 bei 18:04

    hey,
    hast du““s endlich geschafft?! Dann leb dich mal gut ein, wobei 45 Min Regel-DVD klingen als gäbe es da einiges zu beachten 😉

    Gruß Han

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