Tag 25 – Beim nächsten Book Off links?.

Endlich, es ist vollbracht! Der Fitnesskurs Japan hat sich bezahlt gemacht. Kilometer um Kilometer bin ich gelaufen und Dennis musste die meiste Zeit mit laufen, doch es hat sich gelohnt und ich bin fit. Woran ich das bemerkt habe? Ganz einfach, heute früh ging es mit dem Rad zum Flughafen von Sendai. Nachdem ich in der Früh den Anruf von Mohamed nicht einmal gehört hatte und deshalb nicht das Fußballspiel sah, ging es nach dem Aufstehen aufs Rad. Ziel war der etwas mehr als dreißig Kilometer entfernte Flughafen von Sendai. Mit diesem Flughafen verbinde ich viele Erinnerungen, die wichtigste dürfte meine Ankunft 2010 in Sendai sein, bei der ich mit schwerem Koffer und fehlenden Kenntnissen ob der Lage des Wohnheimes, durch die Stadt irren durfte. Die zweite Erinnerung ist das Schwimmen mit Melanie im Meer am Flughafen. Beim Erdbeben im letzten Jahr wurde der gesamte Flughafen überschwemmt und die Bilder gingen um die Welt, aus diesem Grund wollte ich mir selber ein Bild von der Lage machen.

Ich hatte schon bessere Ideen. In Anbetracht der Fahrradsituation hätte ich doch lieber auf den Zug umsteigen sollen, denn ein Gang und ein eierndes Vorderrad sind nicht unbedingt die besten Wegbegleiter. Trotz allem versuchte ich es und erreichte nach vier Stunden auch den Flughafen. Die Strecke ist aber auch schwieriger geworden. Viele der Freiflächen sind heutzutage mit Behelfshäusern bebaut und einige neue Auffangbecken für die Flut säumen den Weg. In Anbetracht der Tatsache, dass japanische Häuser nur aus Holz bestehen und deshalb für derartige Katastrophen besonders anfällig sind, ist das eine folgerichtige Entscheidung. Das wirkliche Ausmaß konnte man aber erst am Flughafen erahnen. Am Flughafen selber nicht, denn dieser sieht wie immer aus. Aber die Siedlung, welche sich rechts vom Flughafen zum Meer hin befand, ist vollkommen ausgelöscht. Nur einige vereinzelte Fundamentreste und ein verhältnismäßig großer Friedhof an der Stelle zeugen noch von der Katastrophe. Das wirkliche Ausmaß dieser Tragödie kann man erst erahnen, wenn man derartige Bilder live sieht. Mir stellt sich bis heute die Frage, wie die Medien so schnell auf den Fukushima-Zug aufspringen konnten und dabei die Katastrophe in der Tohoku-Region vergessen konnten.

Der Rückweg musste dann aber etwas schneller geschehen, da ich befürchtete, das Postamt und damit meine Geldquelle, könnte schließen. In 2 Stunden und 45 Minuten absolvierte ich die dreißig Kilometer und besonders interessant war, wie ich mich sicher durch die Gegend orientierte. Ich bin wohl der einzige Mensch, welcher auf Book Offs, also Antiquariate, geeicht ist und bei jedem Book Off genau weiß, wo er ist und wie er weiter fahren muss, um zum nächsten zu kommen. Da ich verhältnismäßig schnell zu Hause war, ging es nach einer dringend nötigen Dusche zu Frau Omori. Ich traf sie im Coop direkt gegenüber und wurde kurzerhand zum Kaffee eingeladen. Zum Glück hatte ich geistesgegenwärtig gestern noch eine Flasche Rotwein besorgt, so dass ich ein gutes Geschenk hatte. Es wurde ein langes Gespräch, mit einem Japanisch-Englisch-Mix, in dem festgestellt wurde, wie sehr sie mich doch angeblich vermisst hat. Highlight wurde aber die Telefon-Session, in der halb Group Mori informiert wurde, dass ich wieder da bin. Ich hatte auf einmal fremde Japaner am Telefon und musste mit diesen sprechen. Nach den Infos ?riesig und Pferdeschwanz? wusste aber jeder sofort, von wem die Rede ist. Besonders eine Dame freute sich, von mir zu hören. Diese muss wohl regelmäßig erklärt haben, wie freundlich und toll ich doch sei und dass sie mich dafür liebe. Ich war halt schon immer ein guter Schauspieler. So habe ich endlich auch diesen Programmpunkt abgefrühstückt und dank Mohameds Anruf, ob wir uns zum Abendessen treffen wollen, kam ich auch noch verhältnismäßig früh weg.

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