{"id":621,"date":"2010-05-22T21:52:29","date_gmt":"2010-05-22T19:52:29","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=621"},"modified":"2010-05-22T21:52:29","modified_gmt":"2010-05-22T19:52:29","slug":"der-japaner-das-unnahbare-wesen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=621","title":{"rendered":"Der Japaner, das unnahbare Wesen?"},"content":{"rendered":"<p>In letzter Zeit h\u00e4uft sich eine Beschwerde unter den Ausl\u00e4ndern, mit denen ich hier spreche. Immer mehr berichten, wie schwer es ist, mit Japanern zu reden. Es wird gesagt, dass diese nicht reagieren, im B\u00fcro die Ausl\u00e4nder ignorieren und dass den Ausl\u00e4ndern die Worte fehlen, um sich mit ihnen zu unterhalten. Ich muss ehrlich sagen, irgend etwas mache ich falsch (oder auch nicht). Ich kann keine dieser Behauptungen best\u00e4tigen. Irgendwie scheinen die anderen Ausl\u00e4nder zu viel Angst zu haben, etwas falsch zu machen oder ich muss ein ungeheures Gl\u00fcck haben. <\/p>\n<p>Dass keiner meiner Leute im Department mit mir redet, kann man, wie der geneigte Leser wissen sollte, nun ganz und gar nicht behaupten. Wir haben zwar das Problem mit der Kommunikation und einige sind etwas sch\u00fcchterner, aber im Endeffekt muss man nur auf sie zugehen und erreicht meistens etwas. Nachdem man das ein- bis zweimal gemacht hat, sieht die Welt da auch schon ganz anders aus. So redet zum Beispiel eine Dame, die meist eine Pollenmaske auf hat, mittlerweile regelm\u00e4\u00dfiger mit mir, nachdem sie in den ersten Wochen komplett auf Abstand geblieben war. Es hat gereicht, einmal den gleichen Heimweg gehabt zu haben und dabei sich kurz mit ihr zu unterhalten. Auch auf der Stra\u00dfe sehe ich das Problem nicht. Nat\u00fcrlich hat man \u00f6fter das Problem, dass als Antort &#8222;keine Ahnung&#8220; kommt oder dass ein paar W\u00f6rter fehlen und man sich dann nicht versteht. Aber dann wird sich halt h\u00f6flich bedankt und der N\u00e4chste gefragt. Im Allgemeinen bem\u00fchen sich aber alle, einem m\u00f6glichst weiterzuhelfen, auch wenn es manchmal unter Gewaltanwendung erzwungen wird. Viele vergessen hier wirklich den Ausl\u00e4nderbonus. Wir sind nun mal Ausl\u00e4nder und niemand erwartet hier, dass man die Sprache perfekt beherrscht. Meistens reden die Leute sogar extra langsam und tun alles, dass man sie versteht. Schon alleine die Handzeichen sind meistens sehr einfach zu verstehen.<\/p>\n<p>Es stellt sich jetzt die Frage, wieso ich gerade heute auf dieses Thema komme. Dies ist sehr einfach zu beantworten. Gerade habe ich es ausgiebig ausprobiert. Orsolya war heute beim Yachtclub, Laura wollte lernen und von den anderen hatte auch keiner so wirklich Zeit. So bin ich nach dem l\u00e4ngeren Schlafen heute halt alleine losgezogen. Erstes Ziel war das historische Museum. Schon der Einlass stellte sich schwierig dar. Da ich auf den Studentenrabatt aus war, habe ich unter dem Hinweis &#8222;Tohoku Universit\u00e4t&#8220; meinen Studentenausweis  vorgelegt. Auf einmal wollte die junge Dame irgend etwas anderes von mir haben und das gro\u00dfe Raten stand an. Also wurde schnell eine Kollegin befragt und die kam auf dem Namen Aliencard. Nach dem L\u00f6sungswort war das Problem schnell aus der Welt geschafft und ich bekam, bis auf die Sonderausstellung, sogar freien Eintritt. Gleichzeitig war das Gespr\u00e4ch der Beweis, nicht so schnell den Kopf in den Sand zu stecken, sondern einfach weiter zu philosophieren. Im Notfall findet sich immer jemand, der das richtige Wort kennt. Die Ausstellung war dazu noch ziemlich gut gemacht. Zu kritisieren war allemal die gro\u00dfe Anzahl an Zeitstreifen mit zu vielen Zahlen, trotzdem vermittelte die Ausstellung die Geschichte der Stadt und in der Sonderausstellung der Sch\u00e4tze Tibets sehr anschaulich. Besonders interessant waren die Forschungsmeinungen zu steinzeitlichen Gegenst\u00e4nden, die sich teilweise von deutschen Interpretationen entfernten.<\/p>\n<p>Den Abschluss der Ausstellung stellte dann eine Fotowand mit Bildern aus den Sechzigern und Siebzigern der Stadt dar. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rte ich eine Stimme, eine alte Frau erz\u00e4hlte mit jemandem. Vorsichtig umgedreht, da war wirklich keiner, die meinte also mich. Und schon legte sie richtig los und berichtete mir die Geschichten hinter jedem einzelnen Bild, was dort vertreten war. Ich verstand zwar nur ca. 30 Prozent, interessant war es aber auf alle F\u00e4lle. Wieso sie der Meinung war, dass es f\u00fcr mich interessant war und mich deshalb ansprach, wei\u00df ich zwar nicht, aber immerhin habe ich so etwas gelernt. Anschlie\u00dfend an das Museum ging ich dann noch durch zwei angrenzende Tempel. Bis auf ein Duell, wer gr\u00f6\u00dfer ist, mit einem ca. zehnj\u00e4hrigen Jungen (ich hab nat\u00fcrlich um Haaresbreite gewonnen und durfte dann noch ein Gespr\u00e4ch mit der Mutter f\u00fchren, wo ich denn herkomme und so weiter) und einer jungen Dame im Ausgehkimono, gibt es aber dar\u00fcber nicht allzu viel zu berichten.<\/p>\n<p>Insgesamt hat der Tag heute auf jeden Fall bewiesen, dass es nicht so schwer ist, mit Japanern ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Und entgegen anderslautender Meinungen bin ich \u00fcberzeugt, es liegt nicht nur an meinen 1.94 Meter, dass die Leute mit mir reden. Teilweise vermute ich einfach, dass die Ausl\u00e4nder zu unnahbar wirken und dann noch zu viele Angst haben, Fehler zu machen.<br \/>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-621 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4263.jpg'><img width=\"150\" height=\"112\" src=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4263-150x112.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" aria-describedby=\"gallery-1-623\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4263-150x112.jpg 150w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4263-200x150.jpg 200w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4263-300x225.jpg 300w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4263.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-623'>\n\t\t\t\tZeittafel\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4266.jpg'><img width=\"150\" height=\"112\" src=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4266-150x112.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" aria-describedby=\"gallery-1-624\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4266-150x112.jpg 150w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4266-200x150.jpg 200w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4266-300x225.jpg 300w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4266.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-624'>\n\t\t\t\tTempel\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4270.jpg'><img width=\"84\" height=\"113\" src=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4270-84x113.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" aria-describedby=\"gallery-1-625\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4270-84x113.jpg 84w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4270-112x150.jpg 112w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4270-168x225.jpg 168w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/dscf4270.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 84px) 100vw, 84px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-625'>\n\t\t\t\tKimono\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In letzter Zeit h\u00e4uft sich eine Beschwerde unter den Ausl\u00e4ndern, mit denen ich hier spreche. 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