{"id":60,"date":"2010-04-07T21:29:48","date_gmt":"2010-04-07T19:29:48","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=60"},"modified":"2011-02-21T07:59:04","modified_gmt":"2011-02-21T05:59:04","slug":"07042010-die-polizei-dein-freund-und-helfer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=60","title":{"rendered":"Die Polizei, dein Freund und Helfer?"},"content":{"rendered":"<p>Heute war ein seltsamer Tag. Nichts hat wirklich geklappt, lustig war er trotzdem irgendwie. Dabei fing alles so gut an. 9 Uhr war unser Treffpunkt beim kostenlosen Shuttlebus zur Uni angesetzt (ja Daniel, nachdem du weg bist, wurde aufger\u00fcstet). Bl\u00f6d nur, dass von 4-5 geplanten Personen ganze 2 erschienen. Also ging es f\u00fcr Orsolya und mich ab in Richtung Uni. Im Bus fielen mir gleich die langen Typen neben mir auf. Sie versuchten doch glatt, in einer hier unbekannten Sprache Informationen auszutauschen, die die Englisch sprechende Welt nicht verstehen sollte. Also hab ich erst mal mitgemischt. Es handelte sich um zwei Deutsche aus Frankfurt und Berlin, die im selben Haus wie ich wohnen. Eigentlich wollten wir alle an dem Sprachtest teilnehmen. Aufgrund des gr\u00f6\u00dferen Andranges entschieden wir dann aber doch lieber, n\u00e4chste Woche unser Gl\u00fcck zu versuchen.<\/p>\n<p>Deshalb wurde dann festgelegt, dass wir die eigentlich angesetzte Suche nach Fahrr\u00e4dern in die Tat umsetzen. Kein Problem, nach einst\u00fcndigem Fu\u00dfmarsch befanden wir uns an der Touristeninfo, wo wir ja mittlerweile Stammg\u00e4ste sind. Wir lie\u00dfen uns die L\u00e4den, in denen es gebrauchte Fahrr\u00e4der gibt, in einen Stadtplan einzeichnen. Dann ging die Fahrradsuche los. Zwischenzeitlich habe ich die Hoffnung fast aufgegeben, dass ich ein Fahrrad finde, das auch nur ansatzweise auf die K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe eines Deutschen geeicht ist. Dementsprechend wird sich die Suche wohl noch weiter hinziehen. Irgendwie sind eh 90 Prozent der R\u00e4der so gebaut, dass selbst unsere zierliche Amerikanerin arge Probleme mit ihnen hat. Die anwesende japanische Verk\u00e4uferin h\u00e4tte sich auch laut eigener Aussage geweigert, eines der vorhandenen R\u00e4der an mich zu verkaufen, da dies zu unsicher geworden w\u00e4re.<br \/>\nDann ging ich doch lieber schnell in die Bank, um meine Wohnung zu bezahlen. In Deutschland hie\u00dfe dies: Geld aufs Konto einzahlen, \u00dcberweisung ausf\u00fcllen und Thema zu Ende. In Japan hie\u00df es das anfangs auch, in der Umsetzung scheiterte es aber. Nachdem ich das Geld eingezahlt hatte, musste ich ein St\u00fcck Papier unterschreiben und bekam das Geld f\u00fcr die Wohnung in bar auf die Hand. Dann musste ich zum Automaten gehen, um es wieder einzuzahlen, aber auf das Konto des Wohnheims. Ich hab mich dann extra erkundigt, wozu der erste Schritt notwendig war, aber auf den bestehen sie. Na gut, diese Prozedur hat ja nur 30 Minuten und die Nerven zweier Angestellter gekostet. Wenn das so weitergeht, werden die Japaner in einem Jahr ein riesiges Fest geben, wenn ich weg muss. Man sieht ihren Gesichtern immer wieder den Schreck an, wenn ein Gaijin auf sie zukommt und ihnen Fragen stellt. Sie k\u00f6nnten ja bei einer falschen Antwort ihr Gesicht verlieren.<br \/>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-60 gallery-columns-2 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/center.jpg'><img width=\"150\" height=\"112\" src=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/center-150x112.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" aria-describedby=\"gallery-1-68\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/center-150x112.jpg 150w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/center-200x150.jpg 200w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/center.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-68'>\n\t\t\t\tEinkaufscenter in Sendai\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/center2.jpg'><img width=\"150\" height=\"112\" src=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/center2-150x112.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" aria-describedby=\"gallery-1-69\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/center2-150x112.jpg 150w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/center2-200x150.jpg 200w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/center2.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-69'>\n\t\t\t\tEinkaufscenter in Sendai\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n<br \/>\nAber gut, da das mit den Fahrr\u00e4dern dann doch irgendwie nichts geworden ist, hie\u00df es Abschied von Orsolya zu nehmen und auf zum Campus. Das erste Gespr\u00e4ch mit meinen betreuenden Professor stand auf dem Programm. Wir erinnern uns: Ich befinde mich aus ungekl\u00e4rter Ursache bei den Germanisten Sendais und mein betreuender Prof ist nebenbei noch als \u00dcbersetzer von deutschen B\u00fcchern t\u00e4tig. Wie kam ich da nur auf die Idee, jemand k\u00f6nnte mich verstehen? Dieser Trugschluss wurde auch ziemlich schnell gekl\u00e4rt. Der Prof kann ein wenig Deutsch und wenn man richtig langsam spricht, versteht er sogar etwas. Der Rest der Truppe kann \u00fcberhaupt kein Deutsch, bis auf guten Tag. W\u00e4re ja auch zu sch\u00f6n und zu einfach gewesen! Also ran an den Feind und dem Prof \u00fcber eine halbe Stunde meine Studienziele f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr erkl\u00e4rt. Das Ergebnis war, dass er entsetzt die Augen verdrehte und mich gleich an die Sozialwissenschaftler weiterleiten wollte. Nicht nur, dass die japanische Geschichtsschreibung laut seiner Aussage nur bis maximal 1950 geht und die ausl\u00e4ndische Geschichte maximal in den Sprachkursen vermittelt wird. Auch meine geplante Untersuchung der japanischen Generationsgeschichte war nicht mal dort zeitlich richtig eingeordnet. Nach einiger  \u00dcberzeugungsarbeit bekomme ich jetzt einen Tutor, der mir helfen und auch als \u00dcbersetzer\/Tandempartner fungieren soll und bleibe auch sonst bei dieser Abteilung der Philosophischen Fakult\u00e4t. Gut, der Tutor wird gezwungen, bisher haben die Befragten nicht gerade mit Begeisterung reagiert, aber das ist ja nicht mein Problem. Mein Prof hat auf jeden Fall Pluspunkte bei mir gesammelt. Er kennt Magdeburg und die dazugeh\u00f6rigen Ereignisse im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg &#8211; damit war er der Erste mit solchen Kenntnissen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig fand heute noch die Orientierungswoche f\u00fcr japanische Studenten statt. Das muss man sich wie in Deutschland vorstellen. Die Betroffenen laufen durch die Seminare und befragen ihre m\u00f6glichen Dozenten. Unterschied ist nur, dass drau\u00dfen vor der T\u00fcr die einzelnen Clubs lautstark Werbung machen. Wozu hat man schon mal einen Deutschen im Raum? Sofort wurde ich von meinem Prof eingesetzt, um denen gleich die Vorteile des Deutschstudiums, der deutschen Kultur, meiner Heimat, des deutschen Sports und des deutschen Biers n\u00e4her zu bringen. Erst hatten die meist jungen Damen eine Heidenangst davor, mit mir zu erz\u00e4hlen. Da ich aber erkl\u00e4rt habe, dass ich nur unter bestimmten Umst\u00e4nden bei\u00dfe, entwickelte sich doch noch ein Gespr\u00e4ch. Nachdem sie dann meine Gr\u00f6\u00dfe heraus bekommen hatten, kamen sie gar nicht mehr zur Ruhe und l\u00f6cherten mich mit Fragen \u00fcber Deutschland und die Menschen dort. Aber egal, solange in n\u00e4chster Zeit mehr Touristen aus Japan nach Magdeburg kommen, habe ich mein Ziel erreicht. Meine Kollegen selber sind schwer einzusch\u00e4tzen. Einer hat selbst beim Englisch reden nach wenigen Sekunden aufgegeben, einem war es peinlich, mir kurz vorher bei der Frage nach dem Weg nicht geholfen zu haben und der dritte hat nur nach Fu\u00dfball gefragt. Mal schauen, ob ich die nicht noch n\u00e4her kennenlernen kann.<\/p>\n<p>Nach dem ern\u00fcchternden Ergebnis, wollte ich etwas Ruhe haben und dachte, ich laufe zur\u00fcck ins Wohnheim. Nebenbei gesagt: bl\u00f6de Idee, ohne Karte und Navi. Also, wie erwartet bin ich am Arsch der Welt raus gekommen. Jedes Buch \u00fcber Japan, das etwas auf sich h\u00e4lt, verweist in diesem Fall auf die Polizeistation nebenan. Die netten Polizisten werden dann den Weg zeigen. Gesagt, getan und nachgefragt. Und schon wurde ich wieder in die Richtung zur\u00fcck geschickt, aus der ich gerade gekommen war. Das konnte nicht richtig sein. Also ist die Polizei in Sendai auch nicht viel kompetenter als die in Deutschland. Aber ihre vorgedruckten Karten mit Bildern, die den Ausl\u00e4ndern zeigen k\u00f6nnen was das Problem ist, finde ich cool. Also habe ich doch lieber weiterhin Passanten gefragt und schon wurde mir ein Bus zur Rettung gezeigt. Der \u00e4ltere Herr hatte sogar schon f\u00fcr den Notfall das Kleingeld gez\u00fcckt, falls ich nichts habe, um fahren zu k\u00f6nnen. Das konnte ich dann doch dankend ablehnen. Gut, das &#8222;dankend ablehnen&#8220; beinhaltete, dass er 10 Minuten mit mir auf den Bus wartete und das Geld erst weg steckte, als ich selber bezahlt hatte. Er hatte es zwar verstanden, wollte aber auf Nummer sicher gehen. F\u00fcnf Verbeugungen sp\u00e4ter war ich dann im Bus und konnte endlich gepflegt auf Umwegen nach Hause fahren. Dort habe ich dann noch die Niederlage Japans gegen Serbien gesehen, \u00fcber das TV-Programm den Kopf gesch\u00fcttelt (das ist aber ein extra Kapitel f\u00fcr sich) und Missionierungsarbeit gegen Schweinsteiger und f\u00fcr Bauer gemacht. Also alles in allem ein sehr erfolgreicher Tag, au\u00dfer dass ich leicht fu\u00dflahm bin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute war ein seltsamer Tag. Nichts hat wirklich geklappt, lustig war er trotzdem irgendwie. Dabei fing alles so gut an. 9 Uhr war unser Treffpunkt beim kostenlosen Shuttlebus zur Uni angesetzt (ja Daniel, nachdem du weg bist, wurde aufger\u00fcstet). Bl\u00f6d nur, dass von 4-5 geplanten Personen ganze 2 erschienen. 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