{"id":3440,"date":"2012-12-16T13:15:31","date_gmt":"2012-12-16T11:15:31","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=3440"},"modified":"2012-12-16T13:15:31","modified_gmt":"2012-12-16T11:15:31","slug":"die-verlorene-seele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=3440","title":{"rendered":"Die verlorene Seele"},"content":{"rendered":"<p>Endlich ist es da, mein Treffen mit zwei Profs. Zuerst galt es, Masami, meine alte G\u00f6ttinger Bekannte, zu treffen. Die junge Dame hat sich nicht ver\u00e4ndert und spricht immer noch perfekt Deutsch. Dankbarerweise, auch wenn ich sie nicht danach gefragt hatte, hat sie mir ein Treffen mit einem potentiellen Betreuer besorgt. Leider hat sie dabei einen wichtigen Punkt vergessen, warum ich ihn \u00fcberhaupt treffen wollte. So wurde es ein sehr \u00fcberraschendes Gespr\u00e4ch, weil er nicht wusste, was ich von ihm will. In Japan, in dem nichts \u00fcber Hierarchien geht, war er nun sehr \u00fcberrascht, dass ich gerade zu ihm wollte. Er scheint aber nicht abgeneigt zu sein. Zu meinem Gl\u00fcck hatte er auch ein perfektes Buch bereitliegen, welches im Prinzip meine Forschungspl\u00e4ne (nur f\u00fcr den Amazonas) beschrieb. Sein Deutsch ist schon einmal perfekt, was in Anbetracht der Tatsache, dass er seinen Doktor in M\u00fcnchen gemacht hat, kaum \u00fcberrascht. Bei jemandem, der bei der Sieboldsammlung aushilft, einem der Vorg\u00e4nger meiner Forschungsobjekte, f\u00fchle ich mich auf jeden Fall in guten H\u00e4nden. Und auch wenn er sich eine Bedenkzeit erbeten hat, schien es doch so, als ob er mich vermutlich betreuen wird. Hinzu kommt, dass er Herrn Habermas, den Vater meiner Professorin, verehrt, was bei ihm nochmals Eindruck gemacht hat. Und meine Masterarbeit hat ihm auch sehr zugesagt.<\/p>\n<p>Im Anschluss an dieses Gespr\u00e4ch ging es zur\u00fcck ins Lab. Als altes Inventar werde ich zum Gl\u00fcck immer noch erkannt und durfte sofort Platz nehmen und dort warten. Umso gr\u00f6\u00dfer dann der Schock bei Leuten, die mich kannten. Meine Haare waren doch tats\u00e4chlich anders! In Erwartung, dass ich sie auf Japanisch nicht verstehe, wurde auch gleich hinter meinem R\u00fccken dar\u00fcber geredet und das Wort Ikeman, was so viel wie ?gutaussehender Mann? und ?gute Partie? bedeutet, fiel dabei. Eine Bekannte bot mir auf meine Beschwerde \u00fcber kalte Ohren sogar an, einen Schal zu stricken. Brauchte ich aber nicht und die Damen des Labs w\u00e4ren mir eh zu jung, aber wenigstens kam kurze Zeit einer, der mich verstand: Shimizu erschien und seine Reaktion war die Erste seit dem Haarschnitt, die mich verstand. Er meinte nur, dass ich meine Seele verloren habe und er war entsetzt. Ich wusste es schon immer, nur Shimizu versteht mich :-P.<\/p>\n<p>Endlich erschien auch Professor Morimoto. Es dauerte \u00fcber eine Stunde, aber letztendlich erkl\u00e4rte er sich bereit, meine Idee, ein japanisches Stipendium zu beantragen, zu unterst\u00fctzen. Wenn alles klappt, bin ich also bald wieder Teil seines B\u00fcros. Zu diesem Zweck musste ich aber erst einmal in das internationale B\u00fcro. Eigentlich sollte man erwarten, die k\u00f6nnten dort Englisch, schlie\u00dflich k\u00fcmmert man sich um Ausl\u00e4nder. Aber nat\u00fcrlich gab es nur Eine, die es beherrschte. Diese \u00fcbersetzte flei\u00dfig, doch nach langem Herumfragen, erhielt ich die falsche Auskunft. Kurzerhand versuchte ich unter meinen Freunden jemanden zu finden, der fl\u00fcssig Japanisch sprechen kann und mein Problem schildern k\u00f6nnte, leider waren aber alle im Stress. So wartete ich eine Weile auf einen R\u00fcckruf. Als ich es schon aufgeben wollte und endlich von dannen zog, tauchte die letzte Ansprechpartnerin aus dem internationalen B\u00fcro auf. Sie sprach mich an und bat mich, ihr den Fall noch einmal zu erkl\u00e4ren. Halb Japanisch und Englisch versuchten wir uns zu verst\u00e4ndigen. Besonders, was ich in Sendai mache, wo ich doch gar kein Student mehr hier bin, wollte ihr so gar nicht klar werden. Nach langem hin und her und einer Meisterleistung im ?mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen? sprechen gelang es mir, ihr den Fall klar zu machen. Und am Dienstag kann sie mir wohl mehr \u00fcber das weitere Vorgehen berichten. Hoffen wir mal, dass alles klappt.<\/p>\n<p>Nach einem weiteren l\u00e4ngeren Aufenthalt im B\u00fcro, ging es dann in die Innenstadt. Das Mafumafu ist wieder offen. Yusuke, mein alter Kumpel, erwartete mich schon vor der T\u00fcr und nach langen Umarmungen ging es rein. Was f\u00fcr ein Lacher, als einer der neuen Angestellten mich als Neukunde erkannt haben wollte! Stark mussten wir das Lachen unterdr\u00fccken. Das Mafumafu ist aber nicht mehr das Alte. Ohne Thomas hat es seine Seele verloren. Das Angebot ist kleiner, das Bier schlechter und es fehlt das Verbindungsglied zwischen den Besuchern. Kurzerhand machten wir eine Stammkundenrunde auf, auch wenn mich von denen keiner erkannte. Erst als ich ein paar Bilder von fr\u00fcher zeigte, erkannten sie einen Typen mit langen Haaren, den sie auch sehr gut kannten. Tja, dreimal darf der geneigte Leser raten, wer dieser langhaarige Herr war. Aber es bleibt dabei, ein schlechtes Mafumafu ist besser als gar keins und falls ich wirklich wiederkomme, wird mir Yusuke einen Platz im Mafumafu als Nebenjob besorgen. Vielleicht werde ich ja der neue Thomas?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich ist es da, mein Treffen mit zwei Profs. Zuerst galt es, Masami, meine alte G\u00f6ttinger Bekannte, zu treffen. Die junge Dame hat sich nicht ver\u00e4ndert und spricht immer noch perfekt Deutsch. Dankbarerweise, auch wenn ich sie nicht danach gefragt hatte, hat sie mir ein Treffen mit einem potentiellen Betreuer besorgt. 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