{"id":3334,"date":"2012-08-15T07:46:27","date_gmt":"2012-08-15T05:46:27","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=3334"},"modified":"2012-08-15T09:12:31","modified_gmt":"2012-08-15T07:12:31","slug":"tag-13-spontane-reisen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=3334","title":{"rendered":"Tag 13 &#8211; Spontane Reisen"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Menschen, die bekommen einen Nervenzusammenbruch, wenn nicht alles genau durchgeplant ist. Andere k\u00f6nnen sich tierisch \u00fcber Menschen aufregen, die alles kurzfristig entscheiden. Dennis und ich dagegen geh\u00f6ren im Urlaub wohl zur dritten Sorte. Wir lassen alles auf uns zukommen und entscheiden operativ. Im Laufe der letzten Tage hatten wir beschlossen, noch einmal eine echte Ryokan, also ein japanisches Hotel, aufzusuchen.  Kurzerhand suchten wir eine Ryokan in Sapporo auf und bekamen auch ein sehr g\u00fcnstiges Angebot, welches wir annahmen. Heute fr\u00fch war es dann soweit und der Umzug konnte beginnen. Das Hotel wird von einer Familie betrieben, welche sich wirklich sehr um uns bem\u00fchte und schon beim Check In zeigte, dass man uns willkommen hei\u00dft. <\/p>\n<p>Nach diesen Formalit\u00e4ten ging es sofort zum Bahnhof. Ziel der heutigen Reise sollte Furano werden. Furano ist eine kleine Stadt in der Mitte der Insel Hokkaido, die durch den Wintersport und im Sommer durch die Lavendelfelder bekannt ist. Die Tickets waren besorgt und die Reisef\u00fchrer berichteten von strahlend blauen Feldern auf den Weg in die Stadt. Zum Gl\u00fcck hatten wir noch etwas Zeit und besuchten die Touristeninformation, um noch einige Tipps zu Furano zu bekommen. Dort erfuhren wir, dass das Internet und die F\u00fchrer gelogen hatten. Entgegen anderslautender Aussagen bl\u00fchen die Lavendelfelder nur bis etwa zur ersten Augustwoche, wir w\u00e4ren also umsonst gefahren. <\/p>\n<p>Kein Problem f\u00fcr uns, kurzerhand lie\u00dfen wir die Tickets, wie nicht zum ersten Mal auf dieser Reise, verfallen und besorgten uns einen Alternativplan. Per Shinkansen ging es nach Toya, einer kleinen Onsenstadt im s\u00fcdlichen Hokkaido, welche zu einem Nationalpark mit dem gleichen Namen geh\u00f6rt. Toya ist eine kleine Stadt mit einem gro\u00dfen See und hei\u00dfen Quellen. Der Tourismus erh\u00e4lt die Stadt am Leben, gleichzeitig muss sie aber auch ein gro\u00dfes Opfer f\u00fcr diesen bringen. Onsen entstehen zumeist in vulkanischen Gebieten. Die hei\u00dfe Quelle, die die Stadt mit Wasser versorgt, stammt aus einem Vulkanausbruch Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. In den Siebzigern und im Jahr 2000 erfolgten erneute Vulkanausbr\u00fcche mit Magmastr\u00f6men, welche die Stadt in Teilen zerst\u00f6rten. Die Menschen in diesem Gebiet m\u00fcssen also immer in Angst vor einer neuen Katastrophe leben und haben gleichzeitig eine Vielzahl an Gegenma\u00dfnahmen getroffen. Diese Gegenma\u00dfnamen und die Sch\u00e4den der letzten beiden Erdbeben besichtigten wir heute.<\/p>\n<p>In dem Gebiet der heutigen Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen hat die Stadt Toya drei Geb\u00e4ude stehen lassen, welche von der Zerst\u00f6rungskraft der Natur zeugen. Auf den ersten Blick erscheinen diese Geb\u00e4ude, wie sie in Gro\u00dfst\u00e4dten h\u00e4ufig aufzufinden sind, verlassen und durch Vandalismus zerst\u00f6rt. Schaut man n\u00e4her hin sieht man, dass teilweise ganze Etagen durch die Str\u00f6me begraben und bis heute nicht freigelegt wurden. Eine ganze Br\u00fccke ist deshalb auch genau \u00fcber dem Erdboden zu sehen. Folgt man dem Gebiet weiter, f\u00fchlt man sich in einen Endzeitfilm versetzt. Zerst\u00f6rte \u00dcberreste der Zivilisation sind an vielen Ecken zu sehen, wurden aber durch das rapide Wiedererbl\u00fchen der Natur nach einem Erdbeben von dieser eingenommen. Ein seltsames Gef\u00fchl beschleicht einen, wenn man die Bilder sieht und sich vorstellt, dass der Weg vor nicht ganz 12 Jahren noch von Magma bedeckt war. Die  Schutzma\u00dfnahmen, welche man auf dem Weg zu den Kratern der Ausbr\u00fcche erklimmen muss, sind in ihren Ausma\u00dfen imposant und erschweren neben der aufbl\u00fchenden Natur f\u00fcr den Wanderer den Weg. Um die Ma\u00dfnahmen nicht zu besch\u00e4digen ist der Wanderer gezwungen, die beschwerlichsten und teilweise abstrusesten Wege zu nehmen, um weiter voran zu kommen. Bei den Temperaturen und unseren Sandaletten war das nicht immer das leichteste Unterfangen. Im Endeffekt hat es sich aber vollkommen gelohnt. Neben spektakul\u00e4ren Naturbildern, denen Fotos nie gerecht werden k\u00f6nnen, sahen wir auch mehrere Krater, denen man die Gewalt des Ausbruches ansah. Man wundert sich aber trotzdem, welche Zerst\u00f6rung so ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleines Loch, was nicht gr\u00f6\u00dfer als manch ein Dorfteich ist, anrichten kann.<\/p>\n<p>Nach der langen Wanderung durch den ersten Rundkurs um die neuen Ausbruchstellen, entschieden wir uns nach einer kurzen Erholung, noch dem zweiten Weg zu folgen. Nach etwas mehr als 2 Kilometern, in denen es in scheinbar fast unber\u00fchrter Natur nur den Berg hinauf ging, mussten wir diesen Weg aber aufgeben, da man von den angek\u00fcndigten Kratern des Erdbebens Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts rein gar nichts mehr sah. Die Krater machten eher den Anschein von Urw\u00e4ldern als von Kratern, wie man sie sich eigentlich vorstellt. In diesem Zusammenhang ist die Natur wirklich imposant. Nach der R\u00fcckkehr von dieser Strecke mussten wir erst einmal unserem neuen Lieblingshobby fr\u00f6nen und ein Fu\u00dfbad in einer hei\u00dfen Quelle nehmen, wie es vielerorts in Toya bereitsteht. Wieder war es entspannend, mit dem Vulkansee vor einigen Tagen konnte es aber nicht mithalten. Wir fragten uns aber die ganze Zeit, ob wir mittlerweile so alt geworden sind, dass wir schon Fu\u00dfb\u00e4der guthei\u00dfen. So etwas w\u00e4re uns fr\u00fcher nicht passiert, aber wir sind ja auch nicht mehr die J\u00fcngsten. Nach der R\u00fcckkehr ging es nur noch kurz zum Essen und dann in unser Hotel. <\/p>\n<p>Trotz unserer sp\u00e4ten R\u00fcckkehr standen 3 Leute bereit, um sich um uns zu k\u00fcmmern. Uns wurde Tee mit einer S\u00fc\u00dfigkeit als Willkommensgru\u00df geschickt, die Yukatas wurden gereicht und der Weg zum \u00f6ffentlichen Bad gezeigt, welches wir auch gleich ausnutzten. Das Bad ist zwar klein und ich stie\u00df sogar oben an die Decke, aber wer in Japan ist, sollte dies auf jeden Fall nutzen. Das kann dann aber auch zum Kulturschock der Japaner werden, wie in unserem Fall. Ein Jugendlicher erwartete, dass er dort seinen Vater antreffen w\u00fcrde. Sein Blick war g\u00f6ttlich, als auf einmal zwei Ausl\u00e4nder in Yukata vor ihm standen. Der junge Mann hat auf jeden Fall seinen Freunden einiges zu berichten. <\/p>\n<p>Morgen gibt es dann japanisches Fr\u00fchst\u00fcck und dann geht es zu Orsolya nach Sendai. Dennis m\u00f6chte ja unbedingt wieder arbeiten, wobei von m\u00f6chten kann keine Rede sein. Dem Vernehmen nach gef\u00e4llt es ihm sehr gut hier und er w\u00fcrde es bestimmt noch eine Weile hier aushalten. Aber der Ernst des Lebens ruft bekanntlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Menschen, die bekommen einen Nervenzusammenbruch, wenn nicht alles genau durchgeplant ist. 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