{"id":3247,"date":"2012-08-05T19:39:19","date_gmt":"2012-08-05T17:39:19","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=3247"},"modified":"2012-08-11T19:57:43","modified_gmt":"2012-08-11T17:57:43","slug":"tag-6-und-jetzt-bitte-die-hose-ausziehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=3247","title":{"rendered":"Tag 6 &#8211; Und jetzt bitte die Hose ausziehen"},"content":{"rendered":"<p>Eins habe ich bei all den Reisen mit Dennis gelernt: Egal was wir anfassen, planbar ist nichts davon. Diese Weisheit verfolgt uns \u00fcber Pl\u00f6tzky, London und erst recht in Japan. Kein Wunder also, dass es heute nicht anders war. Wieso sind wir eigentlich in meine alte Heimat gefahren? Dennis kennt sie schlie\u00dflich und ich sehe Orsolya und Sendai eh in ein paar Tagen. Ganz einfach, Sendai hat ein riesiges Festival, welches zwischen dem f\u00fcnften und sechsten August in der Stadt stattfindet. Dieses Fest ist Tanabata und wird durch ein eineinhalbst\u00fcndiges Feuerwerk eingeleitet Die gesamte Stadt wird mit Papierkugeln geschm\u00fcckt und jeder Mensch ist in Feierlaune. Trotz zwei Besuchen in Japan, hat Dennis noch nie ein Festival mitgemacht und das musste sich dringend \u00e4ndern. Umso passender war, dass es in einem Heimspiel m\u00f6glich ist und Orsolya uns bei sich aufgenommen hat.<\/p>\n<p>Der heutige Tag begann wie ein typischer Urlaubstag. Der arme Historiker wacht als erstes auf und darf den Herrschaften Fr\u00fchst\u00fcck bereiten, nur um im Anschluss Klagen \u00fcber die gro\u00dfe Menge von Dennis zu h\u00f6ren. Soweit war es unspektakul\u00e4r. Orsolya musste  arbeiten, weshalb Dennis und ich den Beschluss fassten, Shinkansentickets zu besorgen und in das neue Weltkulturerbe Hiraizumi zu fahren. Es kam wie es kommen musste und wir verpassten unseren Shinkansen um zwei Minuten. Was sollte man nun bis zum n\u00e4chsten Zug, eine Stunde sp\u00e4ter, machen? Orsolya hatte am Morgen ihren Yukata vorgef\u00fchrt und sich durch die Bedienungsanleitung des G\u00fcrtels, welcher auf eine spezielle Art geknotet wird, gek\u00e4mpft. Ich pers\u00f6nlich besitze zwar schon einen Yukata. Sie besteht aber aus einem schweren und warmen Stoff und ist eigentlich f\u00fcr den Sommer eher ungeeignet, au\u00dferdem befindet sie sich in Sicherheit in der Heimat. Kurzerhand beschlossen wir, nach einer neuen zu schauen und die 20 Prozent Rabattangebote zu Ehren von Tanabata wahrzunehmen. Mit dieser Entscheidung sollte das Unheil seinen Lauf nehmen.<\/p>\n<p>10 Uhr morgens in Sendai und zwei gro\u00dfe Ausl\u00e4nder st\u00fcrmen den Kleidungsladen. Als Erstes galt es, die Gr\u00f6\u00dfen herauszubekommen, aber gr\u00f6\u00dfer als LL (bis 185 cm) war nicht vorhanden. Japaner sind halt doch relativ klein geraten. Trotz dieses R\u00fcckschlages probierte ich einen Yukata an und stellte mit Hilfe von zwei Verk\u00e4uferinnen fest, dass der Saum zwar leicht zu kurz war, aber es tragbar ist. Die Farben wollten aber irgendwie so gar nicht zu mir passen. Kurzerhand wurde der letzte andere Yukata in meiner Gr\u00f6\u00dfe und in schwarz geholt. W\u00e4hrend wir warten mussten, probierte Dennis den abgelegten Yukata an und er stand ihm ziemlich gut. Mein neuer Yukata stand mir auch und kurzerhand beschlossen wir, uns beide den Spa\u00df zu leisten und stilecht am Festival teilzunehmen. Die Frage war nun nur, wie gehen wir mit den Knoten vor? Schon Orsolya hatte trotz der Videobeschreibung aus dem Internet genug Probleme, den Knoten fertig zu bekommen. Wie sollten dann erst Dennis und meine linken H\u00e4nde das schaffen? Kurzerhand wurde das Personal eingespannt. Einen Yukata kann man auch nach Hiraizumi tragen, entschieden wir und fragten nach, ob man uns schon im Laden beim Anlegen helfen kann. So wurde bezahlt und unsere Verk\u00e4uferin, eine \u00e4ltere kleinere Frau welche selber einen Kimono trug, stand bereit, um uns zu helfen. Mit dieser Forderung brachten wir die Arbeit im Gesch\u00e4ft zum Stehen. Drei Mitarbeiter k\u00fcmmerten sich um uns und \u00fcberforderten uns leicht. Aus allen Richtungen kamen Anweisungen. Besonders die Anweisung, unsere Hosen auszuziehen, wollten wir ignorieren. Als man aber schon an unseren Hosen zog, \u00f6ffneten wir sie gerade, als den Mitarbeitern auffiel, dass wir uns zwar in der Ecke des Raumes, aber noch im Raum befinden und lie\u00df uns endlich doch in die Kabinen. Dennis erhielt nun einen Knoten durch den Profi und war nach 5 Minuten fertig und stand in der Ecke. Wie w\u00fcnschte ich, bei mir ginge das auch! Die K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe von 194 bereitete den Japanern doch mehr Kopfzerbrechen, als erwartet. Der Obi, also der G\u00fcrtel, ist f\u00fcr solche L\u00e4ngen nicht ausgelegt und zudem war es f\u00fcr die kurzgewachsene Angestellte nicht m\u00f6glich, das Anlegen alleine durchzuf\u00fchren. Pl\u00f6tzlich wurde ich in geschlagenen 15 Minuten von zwei Damen gedreht, geschn\u00fcrt und zurechtgezupft, ehe der Obi sa\u00df, wie man sich das vorstellte. Anders gesagt, waren alle Angestellten dieser Abteilung damit besch\u00e4ftigt, sich um Dennis und mich zu k\u00fcmmern. Nett, dass sie es trotzdem gemacht haben!<\/p>\n<p>Mit diesem Umziehen hatten wir nat\u00fcrlich den Zug nach Hiraizumi wieder verpasst. Kurzerhand verlie\u00dfen wir das Gesch\u00e4ft und entschieden, nach Matsushima zu fahren, um eine Rundfahrt zu machen. Durch den Knoten gebunden, blieb uns nichts anderes \u00fcbrig, als die Yukatas anzulassen. Nie h\u00e4tten wir damit gerechnet, durch die Teile das Stadtgespr\u00e4ch zu werden! Viele Japaner starrten uns an, einige machten Bilder und oftmals konnte man Kommentare wie ?s\u00fc\u00df?, ?h\u00fcbsch? und ?der ist ja riesig? h\u00f6ren. So extrem ist mir das noch nie passiert. Wir entschieden, diese Situation einfach zu ignorieren und notfalls einfach mit zu starren. Wenigstens wei\u00df Dennis jetzt, wie es mir sonst hier in Japan manchmal geht.<br \/>\nMatsushima, unser Ersatzziel, gilt als einer der drei sch\u00f6nsten Orte Japans. Es handelt sich um ein Inselgebiet mit zweihundert Inseln, wovon einige betretbar sind. Die restlichen Inseln erkundet man per Schiff. Schon bei unserer Ankunft erwies sich der Yukata als interessant. Als einzige \u00fcberhaupt in einem Yukata, wurden wir endg\u00fcltig das Gespr\u00e4chsthema Nummer eins. Die Touristeninformation redete auf uns ein, ob wir nicht ins Teehaus gehen wollen, wir w\u00e4ren doch richtig gekleidet. Und alte Leute wollten uns Ratschl\u00e4ge geben, wie man den Yukata noch richtiger anziehen kann. Da Dennis die Hauptinseln von Matsushima schon kannte, gab es dieses Mal die Bootstour. Die Tour war sehr witzig, auch wenn die Sicherheitsbestimmungen in den Booten gegen\u00fcber fr\u00fcheren Zeiten extrem verst\u00e4rkt wurden. Die h\u00f6her gelegene Stadt hatte im letzten Jahr unter einem 4 Meter hohen Wasserstand zu leiden. Dank dieser Ereignisse existiert heutzutage zum Beispiel ein festes Sitzgebot, w\u00e4hrend fr\u00fcher die Fahrt auf dem R\u00fcckdeck verbracht werden konnte. Die Fahrt bewies aber wieder mal viel besser die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Behauptung, Matsushima sei einer der sch\u00f6nsten Orte Japans, als es alle Fu\u00dfwanderungen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/5772531.de.strato-hosting.eu\/cgi-data\/weblog_basic\/uploads\/2012\/08\/imgp3403-klein.jpg\" alt=\"imgp3403-klein\" title=\"imgp3403-klein\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3306\" \/><\/p>\n<p>Nach der R\u00fcckkehr aus Matsushima ging es zum Tanabatafestival, wo wir Orsolya in ihrem Yukata trafen. Auf dem Weg dorthin erlebten wir aber noch einmal die Japaner in ihrer unvergleichbaren Art. In einem Supermarkt gingen Dennis und ich gerade durch die G\u00e4nge, als eine kleine und sehr alte Japanerin unsere Yukatas erblickte und uns ansprach. Nach dem kurzen Gespr\u00e4ch war die Sache f\u00fcr uns erledigt und wir wollten weiter, als auf einmal jemand ohne Erlaubnis an meinem Yukata zerrte Es war die alte Dame, die meinen durch das Sitzen leicht unordentlichen Yukata wieder in die richtige Richtung zog und uns dann noch viel Spa\u00df f\u00fcr das Festival w\u00fcnschte. Nicht nur f\u00fcr das sehr schick aussehende Feuerwerk, auch ansonsten f\u00fcr die Erlebnisse des heutigen Tages, hat sich der Kauf der Yukatas gelohnt und Dennis und ich \u00fcberlegen schon, wie wir sie in Deutschland anziehen k\u00f6nnen. Wenn also dem geneigten Leser zwei Gestalten entgegen kommen, die aus ?Last Samurai? entsprungen sein k\u00f6nnten &#8211; nicht erschrecken, Dennis und ich k\u00f6nnten gerade auf Wanderung sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eins habe ich bei all den Reisen mit Dennis gelernt: Egal was wir anfassen, planbar ist nichts davon. Diese Weisheit verfolgt uns \u00fcber Pl\u00f6tzky, London und erst recht in Japan. Kein Wunder also, dass es heute nicht anders war. Wieso sind wir eigentlich in meine alte Heimat gefahren? Dennis kennt sie schlie\u00dflich und ich sehe &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=3247\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3247"}],"collection":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3247"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3247\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3307,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3247\/revisions\/3307"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3247"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3247"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3247"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}