{"id":3243,"date":"2012-08-04T20:26:30","date_gmt":"2012-08-04T18:26:30","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=3243"},"modified":"2012-08-11T23:47:16","modified_gmt":"2012-08-11T21:47:16","slug":"tag-5-tadaima","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=3243","title":{"rendered":"Tag 5 &#8211; Tadaima"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin zuhause! Diesen Schrei musste Dennis am heutigen Tag mehrmals ertragen. Es stimmt aber auch, nach \u00fcber einem Jahr betrat ich erstmals wieder den Boden meiner zweiten Heimat Sendai. Bis es dazu kommen konnte, floss aber noch viel Wasser die Elbe herunter. Nach dem morgendlichen Auschecken ging es f\u00fcr Dennis und mich zum Shinkansen. Da kann ja nicht viel schiefgehen, sollte man meinen, doch weit gefehlt. Unser Zug sollte erst in \u00fcber einer Stunde fahren, ein Umstand der uns wahrlich nicht zusagte. Kurzerhand nahmen wir die Dinge selber in die Hand, lie\u00dfen unsere Reservierung verfallen und fragten in Ueno nach einer anderen Verbindung. Uns wurde gesagt, ein Zug w\u00e4re gleich nach Sendai unterwegs. Wegen \u00dcberf\u00fcllung sei dieser aber nicht reservierbar, wir sollen es doch so versuchen. Was die gute Frau verga\u00df zu erw\u00e4hnen war, dass ganze drei Z\u00fcge innerhalb von 5 Minuten das gleiche Gleis verlassen wollten. Welcher war nun unserer? Unser Vordermann konnte es auch nicht genau sagen und deshalb ging es kurzerhand in den erstbesten. Was sollte schon schief gehen? Viel, wie sich herausstellte. Der Zug fuhr zwar in die richtige Richtung, aber nur die halbe Strecke. Es hie\u00df, irgendwo in der Pampa ausharren, bis ein Zug uns mitnehmen konnte. Dies h\u00e4tte wirklich nervt\u00f6tend sein k\u00f6nnen, h\u00e4tte sich nicht Momoko vorgestellt. Momoko ist eine junge Beamtin aus Yamagata, welche gerade mit dem Zug Richtung Yamagata und damit nach Sendai unterwegs war. Sie sprach uns an und es entwickelte sich ein witziges Gespr\u00e4ch mit der jungen Dame. Ihr Englisch war bei weitem nicht das Beste, aber sie versuchte verzweifelt, uns zu verstehen und sich etwas mit uns zu unterhalten, ohne Japanisch zu verwenden.<\/p>\n<p>Zu unserem Leid oder auch Gl\u00fcck hatte sie nach dem Umsteigen, welches viel zu schnell verging, reservierte Pl\u00e4tze, so dass wir uns trennen mussten. Zwar tat es uns etwas leid, dass wir nicht mehr mit ihr sprechen konnten. Aber so hatten wir aber wenigstens etwas Zeit, Plan B in Kraft treten zu lassen ? wir machten den obligatorischen Zwischenstopp. Einfach nur nach Sendai zu fahren, war uns zu langweilig. Au\u00dferdem lagen uns ja einige unserer Freunde in den Ohren, was wir eigentlich in Japan wollen beziehungsweise es gab Spr\u00fcche der Art ?Aber ihr fahrt doch nicht nach Fukushima?? Wer mich kennt wei\u00df, dass derartige Spr\u00fcche immer als Herausforderung gewertet werden. Kurzerhand stiegen wir in Fukushima aus, um uns die Stadt anzuschauen. Bevor bei den geneigten Lesern die grauen Haare  \u00fcberhand nehmen und man uns nicht mehr in die Heimat zur\u00fccklassen m\u00f6chte &#8211; wir sind keine Gefahren eingegangen! Die ganze Aktion war mehr eine Gegenma\u00dfnahme gegen die Propaganda der deutschen Presse. Wenn man vom letztj\u00e4hrigen Ungl\u00fcck liest oder h\u00f6rt, hei\u00dft es immer: das Ungl\u00fcck in Fukushima. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/5772531.de.strato-hosting.eu\/cgi-data\/weblog_basic\/uploads\/2012\/08\/imgp3343klein.jpg\" alt=\"imgp3343klein\" title=\"imgp3343klein\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3317\" \/><br \/>\nDamit wird eine, zugegeben nicht wundersch\u00f6ne, aber doch nette und mal ganz anders erscheinende Gro\u00dfstadt diskreditiert. Die Stadt Fukushima liegt weit entfernt von besagten Atomkraftwerken und die unabh\u00e4ngigen Messungen verschiedener Institute konnte keine h\u00f6here Strahlenbelastung als vergleichsweise in Berlin und M\u00fcnchen feststellen. Trotzdem ist die Stadt f\u00fcr das Ausland ein rotes Tuch. Der Aufenthalt selber gestaltete sich sehr entspannt und wir bemerkten, wie f\u00fcr japanische Verh\u00e4ltnisse die Bewohner der Stadt noch freundlicher und zuvorkommender zu Ausl\u00e4ndern sind. W\u00e4hrend unserer Zeit in der Stadt haben wir auch nur genau einen weiteren Ausl\u00e4nder gesehen und dieser musste die Stadt zum Umsteigen nutzen. Selbst einfache Dinge wie das R\u00fcckgeld im Combini, wurde f\u00f6rmlich zelebriert. Der eigentliche Plan war es, besagten Freunden Postkarten direkt aus der Stadt zu schicken. Leider gibt es kaum welche in Japan. Unsere Suche besch\u00e4ftigte zwar einen ganzen sieben Etagen gro\u00dfen Einkaufsmarkt, der wie wild rumtelefonierte, um welche zu entdecken, aber die Suche sollte erfolgslos bleiben. Im Endeffekt zeigte sich die Touristeninformation aber g\u00fctig und fand noch welche, die mir auch gleich geschenkt wurden. Abschicken werden wir sie aber wohl erst die n\u00e4chsten Tage.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend an Fukushima erreichten wir Sendai. Kaum war ich in meiner Millionenstadt angekommen, f\u00fchlte ich mich schon zuhause. Erste Amtshandlung sollte sein, Orsolya zu suchen. Die versuchte irgendwo in der Stadt, Salami an den Mann zu bringen. Zu diesem Zweck ging es in die Touristeninformation, welche mir den Weg aufzeichnete. Sie verwiesen auch gleich darauf, bei mir ja Japanisch sprechen zu k\u00f6nnen, denn ich h\u00e4tte sie ja bisher angeblich immer verstanden. Das erste Mal wurde ich also nach f\u00fcnf Minuten wiedererkannt. Darf ich bitte feststellen, dass ich in einer Millionenstadt lebte und dass eigentlich schon \u00fcber ein Jahr her ist!  Nach der Wiedersehensfreude mit Orsolya stand die Frage im Raum, wie man den Tag verbringt. Entweder, wir gehen mit Orsolya nach ihrem Job gleich essen oder wir schauen zum  Spiel von Vegalta Sendai. Orsolya war gleich klar, wie meine Antwort sein w\u00fcrde und obwohl ich mir Bedenkzeit erbat, war es doch klar. Dennis und ich machten uns auf zum Fu\u00dfball. Was wir nicht bedachten, war die Frage nach den Karten. Dennis und ich waren so sp\u00e4t in Sendai und konnten wegen Orsolya und unseren Koffern das Spiel auch nicht wirklich planen, deshalb waren kurz vor unserer Ankunft alle billigen Karten ausverkauft. Bei aller Liebe zum Spiel und auch dem riesigen Herzschmerz, f\u00fcr 45 Euro pro Karte gehe selbst ich nicht mehr ins Stadion. Als Ausgleich kaufte ich mir daf\u00fcr gleich Karten f\u00fcr das n\u00e4chste Heimspiel, denn sowas passiert mir ja nicht noch einmal! Und mein Maulen w\u00fcrde wohl dann auch keiner mehr ertragen. <\/p>\n<p>Wir konnten also Orsolya treffen. Da uns keine coolen Geschenke eingefallen waren, luden wir sie kurzerhand zum Essen ein. Das war der Dank  daf\u00fcr, dass sie uns mehrere Tage beheimatet, mich sogar \u00fcber eine Woche. Ziel war ein Fleischrestaurant, welches mich schon mit meinen Eltern und mit Olga als Gast gesehen hat. Das Personal war zum Gl\u00fcck auch noch das Gleiche und das Essen wurde zu einem Festschmaus. Viel schockierender f\u00fcr meine Begleiter war aber die Verabschiedung. Die Kellnerin hatte mich wiedererkannt. Du warst hier doch schon h\u00e4ufiger, war die Meldung ihrerseits. Als wir gehen wollten, dr\u00fcckte sie uns kurzerhand drei riese Kaugummipackungen f\u00fcr den Weg in die Hand, verabschiedete uns minutenlang und gab noch Tipps f\u00fcr die Feste morgen und \u00fcbermorgen. Wenn ich ein Restaurant in Sendai empfehlen m\u00fcsste &#8211; Leute geht in das rein!  Zum Abschluss war der Plan, noch eine Runde die alten Zeiten aufleben zu lassen und an der Videokonsole den beiden anderen zu zeigen, dass sie mich nicht schlagen k\u00f6nnen. So weit kam es aber gar nicht, pl\u00f6tzlich gab es ein lautes REIK-san!!!! und ein Japaner sch\u00fcttelte meine Hand. Erst langsam erkannte ich Kuma, Vater der s\u00fc\u00dfen K\u00fcnstlerin vom Fu\u00dfball, welcher hocherfreut war, mich zu sehen. Kurzerhand schoss er mehrere Fotos, die jetzt an meine Fu\u00dfballfreunde verschickt wurden. Jetzt wei\u00df jeder, dass ich wieder da bin. Und ich bleibe dabei: die Welt ist klein. Das Autorennen unternahmen wir nat\u00fcrlich trotzdem und meine Quote blieb erhalten &#8211; als ob Dennis und Orsolya eine Chance gegen mich h\u00e4tten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin zuhause! Diesen Schrei musste Dennis am heutigen Tag mehrmals ertragen. Es stimmt aber auch, nach \u00fcber einem Jahr betrat ich erstmals wieder den Boden meiner zweiten Heimat Sendai. Bis es dazu kommen konnte, floss aber noch viel Wasser die Elbe herunter. 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