{"id":2845,"date":"2011-02-16T22:30:06","date_gmt":"2011-02-16T20:30:06","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2845"},"modified":"2011-02-16T22:30:06","modified_gmt":"2011-02-16T20:30:06","slug":"ich-hebe-den-altersschnitt-an-der-uni","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2845","title":{"rendered":"Ich hebe den Altersschnitt an der Uni"},"content":{"rendered":"<p>Welcher anst\u00e4ndige Student kennt nicht das grausamste aller Gef\u00fchle im September eines jeden Jahres? Die Uni f\u00fcllt sich wieder, die Ruhe ist dahin, die frei verteilbare Zeit wird wieder durch Vorlesungen blockiert und das Schlimmste von allem, die Erstsemester zerst\u00f6ren die Ruhe und die nat\u00fcrliche Uniordnung. Besonders die Erstsemester sind dabei ein konstantes Thema unter den h\u00f6heren Studenten. Von Jahr zu Jahr werden sie j\u00fcnger und als notwendige Folge wird der Abstand zwischen einem selber und den Neulingen immer gr\u00f6\u00dfer. Auf gut Deutsch, man f\u00fchlt sich alt. Stellt dieser Zustand in Europa kein gr\u00f6\u00dferes Problem dar, schlie\u00dflich gibt es genug Studienwechsler, Sp\u00e4tstarter und andere Gr\u00fcnde, wodurch die Leute im h\u00f6heren Alter an die Uni kommen. In Japan sieht das Ganze aber extremer aus. Japanische Studenten fangen auf jeden Fall mit 18 ihre Uni an und nach dem Bachelor ist meistens Schluss. Endergebnis ist dementsprechend ein noch viel extremerer Altersunterschied zwischen dem normalen Studenten und mir. Heute hatte ich die Gelegenheit, das Alter meiner Mitstudenten herauszubekommen und kaum einer ist \u00e4lter als maximal zweiundzwanzig. Es ist schon ein wirklich komisches Gef\u00fchl festzustellen, dass selbst Studenten im gleichen Studienjahr wie ich einige Jahre j\u00fcnger sind als ich. Wenigstens erkl\u00e4rt sich f\u00fcr mich dank des Alters ein Thema, dass mich schon seit einer Weile wurmte. Immer wenn ich mich mit Japanern unterhielt, kam die Frage nach meinem Alter. Stellte ich dann 24 fest, so kam sofort die Frage auf, wieso ich so langsam bin und ob ich etwas wiederholt h\u00e4tte. Die einfache Feststellung, dass ich einfach in Deutschland nicht schneller fertig werden kann, gilt in den meisten F\u00e4llen bei den Japanern nicht.<\/p>\n<p>Nachdem ich den Schock mit dem Alter endlich \u00fcberwunden hatte galt es heute, Shimizu so langsam auf seinem Deutschlandaufenthalt vorzubereiten. Shimizu konnte sich bis heute nicht wirklich f\u00fcr eine Stadt entscheiden. Bisher hat er mit G\u00f6ttingen und Berlin zwei St\u00e4dte auf der Liste, die beide ihre Vor- und Nachteile haben. Nach meiner Vorbereitung f\u00fcr ihn liegt es jetzt an ihm, f\u00fcr welchen Ort er sich entscheidet. Um seine Entscheidung zu beschleunigen, entschieden wir uns f\u00fcr das MafuMafu und schleppten Shimizu gleich mit. Der Abend sollte ziemlich gut werden, wie eigentlich fast jeden Tag im Cafe. Die wichtigste Entwicklung betraf wohl Orsolya. Nachdem ich leider viel zu fr\u00fch wieder nach Deutschland gehe, sucht das Cafe mittlerweile h\u00e4nderingend einen ?Kellner?. Da ich wegfalle, wurde nun kurzerhand Orsolya befragt und ich bin sehr gespannt, ob sie den Posten bekommt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Shimizu war der Abend aber genau das Richtige. Ein Gesch\u00e4ftsmann betrat ohne Vorbereitung das Cafe und war von der gro\u00dfen Anzahl von Ausl\u00e4ndern total \u00fcberrumpelt. Einige Nachbartische wollten sich unbedingt mit uns unterhalten und uns mit Essen versorgen, so dass es sehr gespr\u00e4chig wurde und Shimizu komplett auf seine Kosten gekommen ist. Deutsches Essen konnte er auch probieren und nach Leberk\u00e4se will er nun noch dringender nach Deutschland, als er es sowieso schon wollte. Das Cafe ist halt wirklich der perfekte Anlaufpunkt f\u00fcr gepflegte Gespr\u00e4che. Erschreckend waren aber die weiblichen G\u00e4ste. O.k., ich verstehe Minir\u00f6cke im Sommer, kein Problem. Aber jetzt in Sendai, bei schmelzendem Schnee strumpfhosenfreie R\u00f6cke zu tragen, das widerspricht all meinen Temperaturvorstellungen. Das Schlimme war, dass dieser Fall nicht nur einmal auftrat, sondern gleich f\u00fcnf Frauen so rumliefen, w\u00e4hrend Shimizu zum Beispiel mit der Zwiebelvariante versuchte, sich warmzuhalten. Japanische Frauen sind offensichtlich h\u00e4rter als ihre europ\u00e4ischen Gegenst\u00fccke. Besonders auff\u00e4llig ist dies bei Gymnasiastinnen. Die Winterschuluniformen Japans sind nicht wirklich auf Schneefall eingestellt und zeichnen sich durch besonders kurze R\u00f6cke aus. In zehn Monaten in Japan habe ich heute wirklich das erste Mal eine Sch\u00fclerin mit Hose gesehen. Normalerweise tragen alle die R\u00f6cke, selbst bei extremstem Schnee. Man stelle sich das Bild mal in Deutschland vor. Schon alleine die Tatsache, Schuluniformen tragen zu m\u00fcssen, w\u00fcrde einen Aufschrei geben. Bei der freiwilligen Auswahl, ob man Rock oder Hose tragen m\u00f6chte, w\u00fcrde sich fast jede Deutsche f\u00fcr die Hose entscheiden. Nicht so in Japan, einem der pr\u00fcdesten L\u00e4nder der Welt. Die R\u00f6cke m\u00fcssen so kurz wie m\u00f6glich sein, schlie\u00dflich wollen die Herren ja ebenfalls etwas sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welcher anst\u00e4ndige Student kennt nicht das grausamste aller Gef\u00fchle im September eines jeden Jahres? 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