{"id":2715,"date":"2011-02-03T22:44:37","date_gmt":"2011-02-03T20:44:37","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2715"},"modified":"2011-02-03T22:44:37","modified_gmt":"2011-02-03T20:44:37","slug":"teufelsanbeter-und-schriftsteller","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2715","title":{"rendered":"Teufelsanbeter und Schriftsteller"},"content":{"rendered":"<p>Die Japaner haben offensichtlich immer noch Angst vor mir, anders kann ich mir nicht erkl\u00e4ren, warum man mir nichts von dem heutigen Fest berichtet hat. Als ich heute die Superm\u00e4rkte betrat, wurde mir ziemlich schnell klar, dass hier irgend etwas nicht stimmt. An den Sushi-Verkaufsst\u00e4nden bildeten sich lange Schlangen und \u00fcberall waren Teufelsmasken angebracht. Was konnte das nur bedeuten? Nachdem Shimizu mich nicht aufgekl\u00e4rt hatte, blieb die Frage an meiner zweiten Vertrauensperson h\u00e4ngen, Rieko. Aus ihr bekam ich es auch heraus. Heute fand in Japan ein Teufelsfestival statt. Zu Ehren dieses Anlasses werden Bohnen gekauft und gegessen sowie Teufelsbilder und im Falle von Kindern die als Teufel verkleideten Eltern mit diesen Bohnen beworfen. Immerhin, hier zeigen Eltern ihren Kindern, was diese in bestimmten Ausnahmef\u00e4llen eh von ihren Eltern vermuten &#8211; ihr wirkliches Gesicht. Nein, Spa\u00df bei Seite, dieses Vorgehen wird einzig und alleine durchgef\u00fchrt, um die D\u00e4monen zu verdr\u00e4ngen und ein erfolgreiches Jahr zu sichern. Die zweite Tradition beinhaltet das Sushi. Es werden besondere und extrem dicke Sushirollen zum Verkauf angeboten. Diese m\u00fcssen beim Essen in eine bestimmte Himmelsrichtung gehalten werden, um die Gesundheit des Essenden f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr zu sichern. Dieses Essen kann extrem kuriose Ausma\u00dfe annehmen, wie zum Beispiel bei Okada, der sich von allen abwendete und zum Fernseher im B\u00fcro a\u00df, bis wir heraus bekamen, dass dies wegen des Festivals geschah. Das mit den Bohnen h\u00e4tte ich auch gerne gemacht, aber leider wurde mir das zu sp\u00e4t gesagt. Ein paar D\u00e4monen w\u00e4ren mir garantiert zum bewerfen auch noch eingefallen. Vermutlich war das aber der Grund, warum man es mir erst gar nicht gesagt hat. Egal, es gibt ja immer noch n\u00e4chstes Jahr. Falls ich also mit Bohnen bewaffnet durch die Uni G\u00f6ttingen renne und Leute bewerfe, nichts dabei denken, ich versuche mir dann nur ein erfolgreiches Jahr zu verschaffen und ein paar D\u00e4monen zu beseitigen.<\/p>\n<p>\u00dcberrascht hat mich dagegen noch eine ganz andere Sache. In Sachen Kreativit\u00e4t sind uns die Japaner um Welten voraus, was nicht zuletzt an dem B\u00fcro liegt, \u00fcber das wir verf\u00fcgen. In den letzten Wochen hatte ich schon immer gesehen, wie Shimizu irgendwelche Texte auf Japanisch in den Pc tippt, hatte es aber immer auf irgendwelche Hausarbeiten geschoben. Weit gefehlt, Shimizu hat einen Roman geschrieben. Abe-San eine deutschlanderfahrene Japanerin, hat ihn bei dieser T\u00e4tigkeit noch stark unterst\u00fctzt, indem sie f\u00fcr die zeichnerische Untermalung gesorgt hat. F\u00fcr die wichtigsten Kapitel hat sie Zeichnungen angefertigt, die das Geschehene wiederspiegeln. F\u00fcr das Korrekturlesen waren Hori-San und Okada zust\u00e4ndig, die den ganzen Text x-Mal kontrollieren mussten. Der letzte Schritt kam dann durch meinen zweiten Betreuer. Mit Professor Morimotos Unterst\u00fctzung hat er Buchpapier besorgt und das Ganze in ein handliches A5 Format geschnitten. Heute war es dann so weit und er druckte nach einigen  Feinjustierungen an unserem besten Drucker Shimizus Werk aus und mit Leim wurde das Ganze geklebt. Jetzt wird noch ein Cover entworfen und fertig ist Shimizus erster Roman. So ganz selbstverst\u00e4ndlich ist solche Unterst\u00fctzung durch die Professoren f\u00fcr ein derartiges Projekt ja nicht, von daher ist die gesamte Ausf\u00fchrung schon sehr beeindruckend. Jetzt gibt es nur noch ein kleines Problem. Bisher gibt es nur drei Ausf\u00fchrungen. Zwei f\u00fcr den Schreiber und die Illustratorin und eines f\u00fcr das B\u00fcro. Woran dabei das Problem liegt? Ich will nat\u00fcrlich auch meine handsignierte Version des gro\u00dfen Schriftstellers! Da kann er noch so viel behaupten, die Geschichte ist schlecht, ich will sie haben und sie in an einen Ehrenplatz neben meine Arbeiten stellen. Irgendwann schaffe ich es dann auch, die Geschichte durchzulesen, auch wenn ich mein Leben lang f\u00fcr die \u00dcbersetzung der Kanjis per Hand ben\u00f6tige, aber das ist es mir wert. Aus diesem Grund Shimizu, ran an die Druckerpresse und fertige meine Version an!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Japaner haben offensichtlich immer noch Angst vor mir, anders kann ich mir nicht erkl\u00e4ren, warum man mir nichts von dem heutigen Fest berichtet hat. Als ich heute die Superm\u00e4rkte betrat, wurde mir ziemlich schnell klar, dass hier irgend etwas nicht stimmt. An den Sushi-Verkaufsst\u00e4nden bildeten sich lange Schlangen und \u00fcberall waren Teufelsmasken angebracht. 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