{"id":2684,"date":"2011-01-29T22:25:55","date_gmt":"2011-01-29T20:25:55","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2684"},"modified":"2011-01-29T22:25:55","modified_gmt":"2011-01-29T20:25:55","slug":"die-fruchte-des-geizes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2684","title":{"rendered":"Die Fr\u00fcchte des Geizes"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal ist es schlecht, wenn man der Meinung ist, dass man Abschiedsgeschenke an andere Leute verteilen muss. So geschah es, dass ich vor zwei Monaten, als Carmen Japan nach ihren drei Monaten Aufenthalt verlie\u00df, ihr zum Abschied eine DVD \u00fcberlie\u00df. An sich kein Problem, die meisten DVDs, die ich mir hierzulande gekauft habe, waren eh nur dazu gedacht, um langweilige Abende zu \u00fcberbr\u00fccken. Aber in diesem Fall handelte es sich um einen Film, den ich wirklich gut fand und der unbedingt mit nach Deutschland soll. Da ich ihn aber f\u00fcr 2 Euro gekauft hatte, dachte ich nicht, dass eine Neubeschaffung mich auch nur vor die geringsten Probleme stellt, aber da hatte ich wohl falsch gedacht. Im Durchschnitt f\u00fcnfzehn bis zwanzig Euro wollten die L\u00e4den f\u00fcr eine gebrauchte Version des Films haben, keine Frage, dass ich bei dieser Preisgestaltung nicht mit spiele. Doch woher den Film dann nehmen, wenn nicht stehlen? Kurzerhand meldete sich mein Geiz zu Wort und erkl\u00e4rte mir, dass dort, wo es einen gab, bestimmt noch mehr Versionen vorhanden sind. Kurzerhand \u00fcberlegte ich mir, wo ich den Film gekauft hatte und die Erinnerung an die Fahrt zum schwimmen am Flughafen keimte in mir auf. Genau, irgendwo auf der Strecke hatte ich mir zur Belohnung die DVD geleistet, der Laden sollte doch zu finden sein. Kurzerhand wurde das Fahrrad bestiegen und die Stadt unsicher gemacht.  <\/p>\n<p>Was soll ich sagen? Ich sollte wirklich aufh\u00f6ren, mich von meinem Geiz umstimmen zu lassen, denn die Strecke wurde l\u00e4nger und l\u00e4nger. Der besagte Laden war doch tats\u00e4chlich fast am Flughafen, obwohl ich ihn gar nicht mehr als so weit entfernt in Erinnerung hatte. Na, wenigstens wurde es eine interessante Fahrt und der Laden hatte den Film wirklich noch einmal und rund 35 Kilometer f\u00fcr eine 10 Euro Ersparnis zur\u00fcck zu legen, ist ja wohl vertretbar. Viel \u00fcberraschender war aber die Reaktion des Personals des Ladens. Japaner haben eine Angewohnheit, die dem gemeinen Ausl\u00e4nder wirklich zu Gute kommt, sie gehen standardm\u00e4\u00dfig davon aus, dass der Ausl\u00e4nder kein Japanisch kann. Egal wie b\u00f6se die Aussage ist, sie sprechen es im Beisein des Ausl\u00e4nders aus. Dieses Verhalten konnte ich schon oft genug feststellen. Egal, ob Rieko und der Hankoladenbesitzer gegenseitig die Details meines Hankos aushandeln, als ob ich gar nicht im Raum bin, oder Shimizu und Professor Morimoto in meiner Gegenwart \u00fcber meine Freundschaft mit Kaori philosophieren, hier in Japan glaubt keiner, dass ich ihn verstehen kann. Genau so war es auch in diesem Book Off. Kaum hatte ich den Laden betreten, wurde ich auch ausgiebig vom Personal in Form von zwei jungen Damen gemustert. Pl\u00f6tzlich ging aber die Diskussion los, die wohl eigentlich nicht f\u00fcr meine Ohren bestimmt war. Die j\u00fcngere der beiden verfluchte, dass ihr Englisch doch so schlecht ist und gegenseitig \u00fcberlegte man, wie man sich mit mir verst\u00e4ndigen k\u00f6nnte. Der Grund war dann auch relativ klar. W\u00e4hrend ich noch die DVDs begutachtete wurde meine Gr\u00f6\u00dfe ausgewertet und dass ich blondes Haar habe &#8211; zwei Dinge, die hierzulande sehr viel Eindruck hinterlassen. Quintessenz der Diskussion der beiden Damen war, wie man mich am besten von einem Treffen \u00fcberzeugen k\u00f6nnte. Als ich am bezahlen war, ging die Operation Gajin dann auch in vollen Z\u00fcgen los. Da die \u00e4ltere der beiden Mitarbeiterinnen gerade am Tresen stand, wurde schnell die j\u00fcngere geholt, die mich bedienen musste. In total atypischen Handlungen, besonders da der Einkauf in Book Off nach einem genau festgelegtem Schema abl\u00e4uft, wurde mir meine Ware vorbereitet und auch ein Flirtversuch auf Japanisch gestartet. Aber alleine aufgrund meiner immer n\u00e4heren Abreise, w\u00e4re ich eh nicht auf die Versuche eingegangen. Solch offensichtliches Verhalten habe ich bei Japanern aber noch nie erlebt, besonders da wenn ich es bemerke, sowieso schon die Welt untergeht. Normalerweise bemerke ich Flirtversuche immer sofort? drei Jahre sp\u00e4ter. Dass unsere S\u00fcdamerikaner und Skandinavier jedes Wochenende mit einer anderen Dame auf der Piste sind, \u00fcberrascht mich auf jeden Fall nicht mehr.<\/p>\n<p>Die gesamte Reise war trotz des Erfolgs eines Einkaufs und des interessanten Erlebnisses, die sonst so verschlossenen Japaner bei Flirtversuchen zu erleben, trotzdem eine Schapsidee. Kaum hatte ich mich wieder auf den Sattel geschwungen, wandelte das bis dato relativ warme und leicht bedeckte Wetter sich in einen ausartenden Schneesturm. Teilweise konnte ich kaum noch mehrere Meter vor mir den Weg sehen. Auf diese Weise die 35 km zur\u00fcck zu fahren, war nicht gerade angenehm. Kurzerhand, da sich eigentlich Orsolya und Victoria im MafuMafu angemeldet hatten, machte ich einem Abstecher in mein Stammcafe. Die Reaktionen sind schon lustig. Der Gro\u00dfteil der Kundschaft kennt mich und gr\u00fc\u00dfte schon von drau\u00dfen. Ein \u00e4lterer Japaner nahm sich auch gleich erst mal die Zeit, mir meine Jacke vom Schnee zu befreien. Eine kurze Gespr\u00e4chsrunde sp\u00e4ter bevorzugte ich aber die Heimfahrt, da der Schneesturm immer schlimmer wurde und ich doch irgendwann auch mal meine Beine hochlegen wollte. Trotzdem bleiben Erkundungsfahrten durch Sendai weiterhin eine sehr sinnvolle Sache, besonders da die meisten Ausl\u00e4nder leider nur die Innenstadt und sonst nichts kennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal ist es schlecht, wenn man der Meinung ist, dass man Abschiedsgeschenke an andere Leute verteilen muss. So geschah es, dass ich vor zwei Monaten, als Carmen Japan nach ihren drei Monaten Aufenthalt verlie\u00df, ihr zum Abschied eine DVD \u00fcberlie\u00df. 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