{"id":2670,"date":"2011-01-26T18:52:46","date_gmt":"2011-01-26T16:52:46","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2670"},"modified":"2011-01-26T18:52:46","modified_gmt":"2011-01-26T16:52:46","slug":"wohnen-in-japan","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2670","title":{"rendered":"Wohnen in Japan"},"content":{"rendered":"<p>Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Dieser Spruch ist wohl jedem meiner geneigten Leser hier bekannt. Was ich bis heute noch nicht wu\u00dfte ist die Tatsache, dass dieser Spruch wohl aus Japan stammen muss. Aber der Reihe nach: Wie in jedem Land gibt es in diesem Wohnheim Studenten, die f\u00fcr ihre Wohneinheit Verantwortung \u00fcbernehmen. Als Ausgleich bekommen sie daf\u00fcr eine l\u00e4ngere Wohnzeit zur Verf\u00fcgung gestellt und m\u00fcssen sich nur etwas um die neuen Studenten k\u00fcmmern und bei der Ausrichtung der Wohnheimspartys mit zur Hand gehen. Kein Wunder also, dass dieser Posten sehr beliebt ist, da das Wohnheim im Vergleich zu richtigen Wohnungen um einiges billiger ist. Dieser Fakt ist aber auch in G\u00f6ttingen zum Beispiel nicht anders, egal ob der Verantwortliche Haussprecher oder Advisor hei\u00dft. In Deutschland stellen sich Studenten zur Wahl und dann wird demokratisch abgestimmt, hier in Japan l\u00e4uft das etwas anders ab. Es darf sich jeder Japaner und mit gro\u00dfen Ausnahmen auch noch ein Koreaner mit perfekten Japanischkenntnissen bewerben. Die alten Advisor machen daraufhin ein Casting und die besten Studenten werden genommen. So kann es aber auch zu dem Fall kommen, dass zwei Studenten aus einer Wohneinheit gew\u00e4hlt werden. Wie geht man in solchen F\u00e4llen nun vor? Eigentlich sollte man meinen, einer zieht den K\u00fcrzeren und wird in eine andere Wohneinheit gesteckt und der andere bleibt in seiner originalen Wohneinheit, da er alle Probleme innerhalb dieser schon kennt. Dieses Vorgehen w\u00e4re in Japan aber viel zu leicht, wie meine Mitbewohner Abe und Kim feststellen mussten. Es w\u00e4re ja ungerecht, wenn einer der Bewerber benachteiligt werden w\u00fcrde, kurzerhand werden beide aus der Wohneinheit entfernt. Dieses Vorgehen ist nur dann schlecht, wenn keine Wohneinheiten f\u00fcr Graduiertenstudenten, also mit eigener Dusche und Toilette, mehr zur Verf\u00fcgung stehen. Kurzerhand m\u00fcssen beide jetzt in Wohneinheiten des anderen Typus umziehen und sind nat\u00fcrlich dementsprechend unzufrieden. Riekos Antwort auf die Frage, wieso solch eine Entscheidung gef\u00e4llt wurde und nicht wenigstens einer verbleiben durfte, war kurz und b\u00fcndig: So ist es halt gerecht. Da kann man wirklich nur sagen: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.<\/p>\n<p>Aber auch wer sich eine eigene Wohnung leisten will, hat es nicht viel einfacher, wenn ich meinen Bekannten glauben darf. Nicht nur, dass Vermieter- und Maklergeb\u00fchren f\u00e4llig werden, Ausl\u00e4nder werden im Allgemeinen verd\u00e4chtigt, potentielle Mietnomaden zu sein, die bei ihrer Abreise verbrannte Erde hinterlassen. Kein Wunder also, dass kein Japaner gerne an Ausl\u00e4nder vermietet und vor der Vermietung sicherheitshalber Interviews mit den Bewerbern und vor allem mit deren B\u00fcrgen f\u00fchrt. B\u00fcrgen? Ja, in Japan bekommt nicht einfach irgendwer eine Wohnung, man braucht einen B\u00fcrgen, der im Notfall f\u00fcr Reparaturen oder Mietzahlungen einspringen kann. Bei Studenten sind das zumeist die Betreuer, aber sobald man nicht mehr studiert, kann das richtig problematisch sein. Ich kenne F\u00e4lle, wo Ausl\u00e4nder seit ewigen Zeiten in Japan leben und viele sehr enge Freunde haben, aber keiner bereit ist, zu b\u00fcrgen. So kann ein Zusammenziehen mit der Freundin schon manchmal sehr beschleunigt werden. WGs darf ein Ausl\u00e4nder so zum Beispiel auch nicht f\u00fchren. Ein Kumpel wollte eine Dreier-WG mit zwei anderen Ausl\u00e4ndern aufmachen. Das gestattete der Vermieter nicht, nur im Anschluss eine WG mit zwei Japanern und einem Kanadier zu gestatten. Man merkt, die Wohnungssuche hat es hier manchmal in sich.<\/p>\n<p>Ich selber wollte heute in der Uni einiges mit meinen werten Kommilitonen abkl\u00e4ren, aber wider Erwarten tauchte in der gesamten Zeit meiner Anwesenheit kein einziger von ihnen auf. Solch einen Fall hatte ich auch noch nicht. Als Ausgleich kam es auf einmal zu einer Invasion von fremden Studenten, die offensichtlich bei einer Vortragsreihe von Professor Morimoto waren und nun im B\u00fcro eine Party organisieren wollten. Kurzerhand hatte ich auch eine Scheibe Brot und etwas Aufstrich in der Hand. Deutsches Brot nebenbei, also sehr lecker. Trotzdem reichte es mir nach ewiger Vorstellungsorgie und einigen Verst\u00e4ndnisproblemen dann doch, so dass ich lieber ging und bei Rieko im B\u00fcro um Asyl bat, was mir auch g\u00f6nnerhafter Weise gewehrt wurde. So konnten die Studien weiter vorangehen, wenn auch in ungewohnter Umgebung. Aber immerhin, selbst da fanden mich meine Kommilitonen, so dass ich auch gleichzeitig wieder in die Res\u00fcmeegeschichte eingebunden werden konnte. Wenn ich irgendwann nicht mehr da bin, werden die schon was vermissen, da bin ich mir sicher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Dieser Spruch ist wohl jedem meiner geneigten Leser hier bekannt. Was ich bis heute noch nicht wu\u00dfte ist die Tatsache, dass dieser Spruch wohl aus Japan stammen muss. 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