{"id":2624,"date":"2011-01-19T21:50:02","date_gmt":"2011-01-19T19:50:02","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2624"},"modified":"2011-01-19T21:50:02","modified_gmt":"2011-01-19T19:50:02","slug":"japanische-kulanz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2624","title":{"rendered":"Japanische Kulanz"},"content":{"rendered":"<p>Wer kennt die Situation nicht? Man hat einen Gro\u00dfeinkauf vollzogen und nach ein paar Stunden oder noch besser Tagen hat man den Kassenzettel in der Hand und irgend etwas stimmt da nicht. Der Kassierer hat einen Fehler gemacht. Egal, ob doppelt \u00fcber den Scanner gezogen oder eine falsche Zahl eingetippt, so etwas ist \u00e4rgerlich und kostet in den meisten F\u00e4llen extra Geld. Nat\u00fcrlich hat man keine Chance, das Geld jemals wieder zu sehen und schon kann man sich nur noch \u00e4rgern und sich zum wiederholten Male vornehmen, es beim n\u00e4chsten Mal besser zu machen. Es geht aber auch anders, schlie\u00dflich sind wir hier in Japan, dem Land, wo der Kunde auch noch wirklich K\u00f6nig ist. Vor zwei Wochen waren Rieko und ich einkaufen. Dabei hat sie sich Nudeln geholt. Nudeln sind hierzulande kein 50 Cent-Objekt, wie in Deutschland, sondern kosten bei normal gro\u00dfen Packungen schon mal 3 Euro. An der Kasse dann das erste Problem: Der Verk\u00e4ufer weigerte sich, die Nudeln zu verkaufen, da sie schon leicht zerbrochen waren. Rieko wurde noch einmal losgeschickt, um neue zu holen. Ein freundlicher Zug des Verk\u00e4ufers, der aber zu dem angesprochenen Problem f\u00fchren sollte. Rieko kam also wieder, \u00fcberreichte die Nudeln und der Verk\u00e4ufer zog sie wieder \u00fcber den Scanner. Die Nudeln wurden also noch einmal abgezogen. Gemerkt haben wir diesen Umstand aber nicht gleich, sondern Rieko sah nach einer Woche den Zettel und wunderte sich, wo die zweite Packung herkam. Nachdem sie sich an den Vorfall erinnerte, schrieb sie nicht etwa die drei Euro ab, sondern rief erst einmal im Supermarkt an. Die Mitarbeiter versprachen, sich zu k\u00fcmmern und Rieko sollte bei Zeiten vorbeikommen. Diese Zeiten waren nun heute, genau zwei Wochen nach dem Einkauf gekommen. Endlich schaffte sie es zu den \u00d6ffnungszeiten der Information in den Laden und sie bekam tats\u00e4chlich ohne die kleinste Diskussion ihr Geld zur\u00fcck. Mehr noch, weil sie ja nun Auslagen f\u00fcr das Telefonat hatte, wurde ihr sogar noch das Telefongeld erstattet. Man stelle sich so etwas Mal in Deutschland vor! Dort h\u00e4tte man schon nach drei Minuten angenommen, man wolle den Laden betr\u00fcgen und hierzulande bekommt man nach zwei Wochen sogar noch sein Telefongeld zur\u00fcck. In Japan wei\u00df man auf jeden Fall noch, was das Wort Kundenservice bedeutet und man entschuldigte sich sogar noch tausend Mal bei ihr.<\/p>\n<p>Kurioser ging es dagegen heute im B\u00fcro zu, als ich es betrat. Ich wei\u00df ja nicht, was ich davon halten soll, aber meine Mitstudenten sind offensichtlich ziemlich jung geblieben. Als ich die T\u00fcr \u00f6ffnete ,tanzte der 26j\u00e4hrige Okada gerade zu einigen Fernsehturn\u00fcbungen. Das war ein Bild f\u00fcr die G\u00f6tter, kann ich nur sagen. Einige Damen hatten auf Youtube einen recht kuriosen, vermutlich weil er so Japanisch war, Fitnesskurs aufgemacht. In jedem anderen Land der Welt h\u00e4tte man ihn vermutlich wegen Zuckungen auf irgend welche Krankheiten untersucht, hier in Japan ist es m\u00f6glich, so etwas mit ernstem Gesicht im Aufenthaltsraum (nein, eher sogar in der Bibliothek) zu vollziehen, ohne dass einer der anderen anwesenden Studenten lacht. Das Gute an solchen Aktionen ist aber eindeutig, dass die Studenten im B\u00fcro immer gelassen bleiben. Noch nie habe ich bei uns einen der Japaner erlebt, die nur gestresst sind und 23.5 Stunden im B\u00fcro sitzen, \u00fcber Poblemen br\u00fcten und in der verbleibenden halben Stunde im B\u00fcro d\u00f6sen. Diese Beschreibung ist dabei noch nicht einmal weit hergeholt, da ich derartige Studenten hier auch kenne. Auf der anderen Seite habe ich Kazaoka, der mir den Schal geschenkt hat, heute getroffen. Als Dank f\u00fcr das Geschenk \u00fcberreichte ich ihm feierlich deutsche Schokolade und einen Wimpel von Deutschlands bestem, wenn auch nicht bestplaziertem Team. Er bekam gleichzeitig den Hinweis, dass  er mit mir ins Stadion gehen muss, wenn er wirklich in Berlin studiert. <\/p>\n<p>Wenigstens bin ich bald wieder in der Lage, diesem Hobby zu fr\u00f6nen, auch wenn ich bis dahin noch \u00fcber den japanischen Spielplan der n\u00e4chsten Saison trauere. Vegalta hat doch wirklich an dem Spieltag, wo ich noch hier bin, ein Ausw\u00e4rtsspiel in Hiroshima und das erste Heimspiel ist zwei Tage nach meiner Abreise. Ich hatte so gehofft, dass es anders herum ist. Da der Spielplan aber erst gestern ver\u00f6ffentlicht wurde, war es zu sp\u00e4t, dies in meine Abreisepl\u00e4ne einflie\u00dfen zu lassen. Das Spiel gegen den amtierenden japanischen Meister h\u00e4tte ich aber zu gerne gesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer kennt die Situation nicht? Man hat einen Gro\u00dfeinkauf vollzogen und nach ein paar Stunden oder noch besser Tagen hat man den Kassenzettel in der Hand und irgend etwas stimmt da nicht. Der Kassierer hat einen Fehler gemacht. 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