{"id":2577,"date":"2011-01-13T22:25:45","date_gmt":"2011-01-13T20:25:45","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2577"},"modified":"2011-01-13T22:25:45","modified_gmt":"2011-01-13T20:25:45","slug":"fahrstuhlgeschichten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2577","title":{"rendered":"Fahrstuhlgeschichten"},"content":{"rendered":"<p>Was ist das eigentlich mit den Japanern und ihren Fahrst\u00fchlen? Bekanntlich sind Fahrst\u00fchle das einzige m\u00f6gliche Fortbewegungsmittel, um in eine h\u00f6here Etage zu gelangen und sei es nur, um eine einzige Etage zu \u00fcberwinden. Zwar verf\u00fcgt jedes Haus \u00fcber Treppen, aber in Sanjo und auch in der Universit\u00e4t habe ich noch nie jemanden gesehen, der sie freiwillig nutzt. Dieser Punkt mag aber noch keine wirkliche Besonderheit sein. Das Verhalten von Japanern in Fahrst\u00fchlen dagegen ist schon besonders. Es beginnt schon damit, den Fahrstuhl zu rufen. Kein Japaner wird freiwillig den normalen Fahrstuhlknopf nutzen, der Behindertenknopf ist schlie\u00dflich auf einer f\u00fcr Japaner angenehmeren H\u00f6he. Schon vor der Ankunft des gerade gerufenem Fahrstuhls steht der normale Japaner genau zwei Zentimeter vor der Fahrstuhlt\u00fcr und ist bereit loszuspringen. In der Theorie geht dieses Verhalten auch gut und er springt in den Fahrstuhl, um sofort den Knopf f\u00fcr das &#8222;T\u00fcr aufhalten&#8220; zu dr\u00fccken. Dann kommen alle weiteren wartenden Japaner geordnet mit einem &#8222;danke&#8220; und einer Verbeugung in den Fahrstuhl, bis die T\u00fcr mit Hilfe des &#8222;T\u00fcr schlie\u00dfen&#8220; Knopfes m\u00f6glichst schnell geschlossen wird, nicht dass noch jemand angerannt kommt. Leider leben wir nicht in einer idealen Welt und sehr zur \u00dcberraschung der Japaner befinden sich auch andere Fahrg\u00e4ste im Fahrstuhl. Diese haben genau die selben Pl\u00e4ne. Mindestens ein Fahrgast, meistens eine Frau, steht am &#8222;T\u00fcr offen halten&#8220; Knopf, um ihn bei der Ankunft sofort zu dr\u00fccken, w\u00e4hrend der zweite Fahrgast schon sprungbereit an der T\u00fcr steht, um endlich wieder den wichtigeren Dingen des Lebens nachgehen zu k\u00f6nnen. Es kommt dann, wie es kommen muss und beide Parteien springen auf einander zu und k\u00f6nnen gerade noch 2 Millimeter voreinander die Bremsen reinhauen und kommen irgendwie zum stehen. Ein kurzes &#8222;Entschuldigung&#8220; mit Verbeugung sp\u00e4ter geht man getrennte Wege und das normale Ritual kann anfangen.<\/p>\n<p>Das Problem bei der Situation kommt aber zu dem Zeitpunkt, wo ein Ausl\u00e4nder in dieses Spiel eingreift. Wohl wissend \u00fcber die japanische Eigenheit, aus dem Fahrstuhl zu st\u00fcrmen, stehe ich extra schon immer etwas seitlich. Aber irgendwie schaffen sie es doch immer wieder, genau in mich rein zu rennen. Kein Problem, der den Japanern angeborene Verbeugungsreflex springt ein und die Sache ist erledigt &#8211; sollte man meinen. Wie sich der Japaner nun verbeugt, nat\u00fcrlich Augenkontakt vermeidend, denn das ist bekanntlich etwas schlechtes, merkt er nun, dass irgend etwas verkehrt ist. Richtig, da wo sonst der Bauch des Gegen\u00fcbers ist, ist auf einmal eine Jeans zu sehen. Und genau in diesem Moment kommt, egal bei welchem Japaner, ein \u00fcberraschtes Aufst\u00f6hnen und manchmal auch ein Ausspruch, den man wohl am ehesten mit &#8222;heilige Schei\u00dfe&#8220; \u00fcbersetzen kann. Man k\u00f6nnte also sagen, sie agieren, als ob sie gerade einen Alien gesehen haben, Der Verbeugereflex wird noch einmal verbessert und die Verbeugung wird unter schnellem Abwenden und Suche f\u00fcr die englischen Worte weitergef\u00fchrt. Wenn ich die gesammelten Aufschreie so h\u00f6re, muss ich wirklich schrecklich aussehen. Besonders heute war es aber schlimm und dieselbe Geschichte passierte ganze viermal. <\/p>\n<p>Wenn ich nicht gerade Japaner schockiere, verbringe ich die meiste Zeit aber in meinem B\u00fcro. Da ich aber nicht nur selbst forsche, sondern den anderen auch gerne mal ein wenig helfe, kam es heute zu einem interessanten Fall. Nachdem ich mich ein wenig mit meinem zweiten Betreuer \u00fcber einige \u00c4nderungen an einem Text von Rieko unterhalten habe, bekam ich noch einmal gesagt, wie dankbar er f\u00fcr meine T\u00e4tigkeiten im B\u00fcro ist. Egal, ob ich den anderen Studenten Texte schreibe oder vor anderen Professoren versuche, die Taten und Texte einiger Studenten aus deutscher Sicht zu verteidigen, das sind alles Sachen, die er nicht tun muss und deshalb ist er so froh, dass ich gerade da bin. Na immerhin, es kommt nicht oft vor, dass sich Japaner \u00fcber die Anwesenheit von Austauschstudenten freuen. Normalerweise werden sie eher als arbeitsaufwendiges \u00dcbel angesehen, da ist das schon mal eine positive Ausnahme. Ein Beispiel ist der Fall von Carmen, wo ich heute auf den neuesten Stand gesetzt wurde. Man erinnert sich eventuell noch an die Interviewgeschichte, wo ich ein wenig mitgeholfen habe. Wie es aussieht, hat es die Uni in Japan bis heute nicht geschafft, die Unterlagen \u00fcbersetzen zu lassen und nach Deutschland zu schicken. Praktisch, wenn man eine Masterarbeit ins Haus stehen hat. So wenig Unterst\u00fctzung, wie sie bekommen hat oder auch die F\u00e4lle von zum Beispiel Laura oder David, wo das ganze B\u00fcro kaum mal mit ihnen spricht, da habe ich es wirklich besser erwischt. Viel surrealer war aber die Einreichung meiner Auszugsunterlagen. So langsam muss ich an diesen Trauertag ja auch mal denken und so ging es heute in die Wohnheimverwaltung. Alle vor mir wurden mit einem &#8222;hier ist der Termin &#8211; auf Wiedersehen&#8220; abgespeist. Kaum gab ich die Unterlagen ab, wurde mein Auszug bedauert und ich erst mal ausgequetscht, wo ich denn hinziehe und was ich jetzt mache. Daf\u00fcr, dass ich mit denen kaum mal was zu tun hatte, habe ich wohl keinen ganz schlechten Eindruck hinterlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist das eigentlich mit den Japanern und ihren Fahrst\u00fchlen? Bekanntlich sind Fahrst\u00fchle das einzige m\u00f6gliche Fortbewegungsmittel, um in eine h\u00f6here Etage zu gelangen und sei es nur, um eine einzige Etage zu \u00fcberwinden. Zwar verf\u00fcgt jedes Haus \u00fcber Treppen, aber in Sanjo und auch in der Universit\u00e4t habe ich noch nie jemanden gesehen, der &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2577\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2577"}],"collection":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2577"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2577\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2581,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2577\/revisions\/2581"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2577"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2577"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2577"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}