{"id":2571,"date":"2011-01-11T22:06:14","date_gmt":"2011-01-11T20:06:14","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2571"},"modified":"2011-01-11T22:06:14","modified_gmt":"2011-01-11T20:06:14","slug":"hier-spielt-die-musik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2571","title":{"rendered":"Hier spielt die Musik"},"content":{"rendered":"<p>Jede Handlung f\u00fchrt zu einer Gegenreaktion. In den meisten F\u00e4llen trifft dies eigentlich auf schlechte Handlungen zu, heute gab es aber mal den entgegengesetzten Fall. Shimizu ist ein gro\u00dfer Musikfan. Seine Sammlung an Musikst\u00fccken ist dabei fast unschlagbar. Eine ganze Schrankwand voll mit Musik aus aller Welt fand ich vor einer Weile bei ihm vor. Aus der gesamten Welt? Nein, ein kleines und unbedeutendes Land in der Mitte Europas fehlte ganz eindeutig. Shimizu hatte als Germanist doch wirklich keine Musik aus Deutschland bei sich zuhause. Ein unhaltbarer Zustand, auch wenn einige Professoren an der Fakult\u00e4t die Meinung vertreten, deutschsprachige Musik w\u00e4re es nicht wert, geh\u00f6rt zu werden. Kurzerhand orderte ich bei meinen Eltern eine CD einer meiner Lieblingsbands. In meinem Weihnachtspaket erreichte sie mich dann endlich, eine Best of CD von Silly, inklusive eines meiner Favoriten ?Halloween in Ostberlin?. ?Halloween in Ostberlin? kannte Shimizu sogar schon, da ich es ihm einmal vorgespielt hatte. Kurzerhand bekam er von mir ein Weihnachtsgeschenk in Form dieser CD. Endlich war eine seiner schw\u00e4rzesten L\u00fccken im CD-Regal geschlossen. Als Shimizu heute das B\u00fcro betrat, konnte man ihm schon von weitem ansehen, dass er etwas im Schilde f\u00fchrte. Ich hatte nat\u00fcrlich auch recht mit meiner Annahme und keine Minute sp\u00e4ter hatte ich ein Neujahrsgeschenk, wie er es nannte, vor meiner Nase liegen. Da ich eine deutsche Band geschenkt hatte, bekam ich japanischen Rock. Es handelt sich um die japanische Rock- und Folkband &#8222;Happy End&#8220;, die Anfang der siebziger den Rock in Japan salonf\u00e4hig machte und dabei im Gegensatz zu ihren zeitgleichen Konkurrenten auf japanische Texte setzte.<\/p>\n<p>Ich muss es Shimizu lassen, seine Auswahl war nicht schlecht. Er hat wirklich einen guten Geschmack und dabei auch noch meine Interessen gut mit eingebaut. Die Musik ist auf jeden Fall sehr h\u00f6rbar. F\u00fcr japanische Musikverh\u00e4ltnisse in den letzten Jahren ist das aber ein besonderes Kompliment. Nat\u00fcrlich, die klassische japanische Musik ist absolut h\u00f6rbar und besonders der Teiko Einsatz, riesige Trommeln, immer wieder ein Ohrengenuss. Auch der Rock hat seine guten Seiten, in Clubs und auch im Radio und Gesch\u00e4ften hat aber Anfang der neunziger der J-Pop Einzug gefunden und damit der Untergang der Musikkultur Japans. Nein, so schlimm ist es eigentlich nicht und auch nicht gro\u00df anders zu L\u00e4ndern wie Deutschland, gut finden muss man den J-Pop aber trotzdem nicht 100prozentig. J-Pop umfasst eigentlich alle Arten von moderner japanischer Musik, also auch zum Beispiel Rock und bildet den zweitgr\u00f6\u00dften Musikmarkt hinter den USA. Das Problem des J-Pop ist aber der Trend von immer st\u00e4rker werdender Kommerzialisierung. In den Neunzigern wurden  junge, gut aussehende Damen Idole, die sich mehr durch ihr Aussehen verkauften, als durch ihre Gesangsk\u00fcnste. Mehr noch, nach einem Run auf Idole als Einzelk\u00fcnstler entstand daraus eine Welle an Castingbands aus Sch\u00f6nlingen und gut aussehenden Damen, deren Gesang aber gerne mal auf der Strecke bleibt. Aktuellstes Beispiel d\u00fcrfte die Band AKB48 sein, eine Band bestehend aus 48 jungen Damen, die gerade das 18. Lebensjahr \u00fcberschritten haben und sich in ihren Videos in die k\u00fcrzesten und s\u00fc\u00dfesten m\u00f6glichen R\u00f6cke werfen und dementsprechend eine riesige Anh\u00e4ngerschaft haben. Gleichzeitig treten die 48 nat\u00fcrlich nicht auf, sondern es gibt verschiedene Untergruppen, die auftreten k\u00f6nnen. Die  Marketingmaschine hat nat\u00fcrlich auch die Absatzm\u00f6glichkeiten solcher Damen gefunden und es gibt alles, was nur m\u00f6glich ist, von den Damen und ich meine wirklich alles. Die Musik h\u00f6rt sich dagegen maximal so lala an und liegt maximal auf einem Level mit dem deutscher Castingbands, au\u00dfer dass es hierzulande fast w\u00f6chentlich neue gibt. Viel Schlimmer als die Bands, die sich nur dank Sex Sells promoten und sonst kaum etwas bieten, sind dann aber die Vertreter des Schreipops, wo man kaum noch irgend etwas versteht, da anstelle des Gesangs der Schrei eingesetzt wird. Dazu sind die schrillsten Kost\u00fcme und Outfits, die nur denkbar sind, nat\u00fcrlich Pflicht. Wer bei dieser Beschreibung an eine gewisse deutsche Kinderband denken muss, deren Musik auch in dieser Richtung liegt und die sogar Japans Hauptstadt im Namen hat, liegt absolut richtig. Die Band stellt nur eine Mischung aus Schrei-Pop und Visual Kai, dem extravaganten Auftritt, dar. Wirklich eigenst\u00e4ndig ist von denen nichts, sondern alles ist mehr oder wenig eine Kopie aus Japan. Und ich zitiere einen Gro\u00dfteil meiner Freunde aus dem B\u00fcro: bei einer schlechten Kopie kann nat\u00fcrlich nur absolut schlechte Musik entstehen.<\/p>\n<p>Ansonsten, wenn ich mich nicht gerade mit Musik ablenkte, verbrachte ich den Tag, indem ich Shimizu bei einigen Aufgaben geholfen habe und dann kam endlich auch eines der wichtigsten Mitglieder meines B\u00fcros wieder zur\u00fcck. Rieko ist wieder da! Es wurde auch Zeit und nach ihrem Einschneien auf dem Weg nach Hause zu Silvester, war es gut zu sehen, dass sie nicht krank geworden ist. Vier Monate bevor sie f\u00fcr immer nach Deutschland ziehen will, hatte sie jetzt endlich auch mal die Idee, sich um ihre Zukunft zu k\u00fcmmern. Das war aber leider nur ziemlich oberfl\u00e4chlich, so dass ich eingreifen musste. Zusammen gingen wir alle ihre zuk\u00fcnftigen Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten durch. Da sie ein Journalismusstudium zur Vertiefung ihres Masters in Germanistik interessieren w\u00fcrde, suchten wir so zum Beispiel M\u00f6glichkeiten dies umzusetzen und ich fand wirklich eine, die ihr aber leider noch nicht so zusagte, da sie lieber in M\u00fcnchen bleiben will. Der einzige Ort, wo der Studiengang ohne einen sehr schweren Deutschtest zu besuchen w\u00e4re, liegt doch tats\u00e4chlich in einer der wichtigsten St\u00e4dte Deutschlands, in Magdeburg. Die FH bietet hier einen Journalismuskurs an, der genau ihren W\u00fcnschen entsprechen w\u00fcrde und sogar der DAAD gab den Vorschlag, aufgrund der schwierigen Zulassungssituation doch eventuell an eine FH zu gehen. Wirklich \u00fcberzeugt ist Rieko aber noch nicht von der Idee. Mal schauen, was f\u00fcr Alternativen wir noch finden, aber ich verstehe sie schon zwischen Magdeburg und M\u00fcnchen g\u00e4be es eventuell schon einige kleine Unterschiede, sei es auch nur, dass wir den besseren Fu\u00dfballverein haben. \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jede Handlung f\u00fchrt zu einer Gegenreaktion. In den meisten F\u00e4llen trifft dies eigentlich auf schlechte Handlungen zu, heute gab es aber mal den entgegengesetzten Fall. Shimizu ist ein gro\u00dfer Musikfan. Seine Sammlung an Musikst\u00fccken ist dabei fast unschlagbar. Eine ganze Schrankwand voll mit Musik aus aller Welt fand ich vor einer Weile bei ihm vor. &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2571\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2571"}],"collection":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2571"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2571\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2573,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2571\/revisions\/2573"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2571"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}