{"id":2567,"date":"2011-01-10T23:53:33","date_gmt":"2011-01-10T21:53:33","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2567"},"modified":"2011-01-10T23:53:33","modified_gmt":"2011-01-10T21:53:33","slug":"seijin-no-hi","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2567","title":{"rendered":"Seijin no Hi"},"content":{"rendered":"<p>Jugendweihe oder Konfirmation, diese Frage stellt sich jedem Jugendlichen im Alter von etwa 14 Jahren. Nat\u00fcrlich ist diese Entscheidung stark vom Wohnort der Jugendlichen abh\u00e4ngig, trotzdem stellt es einen wichtigen Feierpunkt im Leben der Jugendlichen dar. In Japan sieht das Fest etwas anders aus, was in Anbetracht des Fehlens des christlichen Glaubens auch nicht stark verwundert. Heute war es deshalb f\u00fcr viele Japaner soweit, dass der sogenannte Seijin no Hi stattfand. Seijin no Hi kann grob als &#8222;das Alter erreichen&#8220; \u00fcbersetzt werden und stellt den Tag dar, an dem Japaner, die ihr zwanzigstes Lebensjahr zwischen dem letzten April und dem n\u00e4chsten erreichen, ihre Vollj\u00e4hrigkeit feiern. In Japan ist nicht wie bei uns in Deutschland die Vollj\u00e4hrigkeit mit 18 erreicht, sondern erst mit 20. Aus diesem Grund sollte auch jeder Europ\u00e4er, der auf der Suche nach einer japanischen Freundin ist aufpassen, welches Alter sie hat. Es gab schon F\u00e4lle, wo ein falsch eingesch\u00e4tztes Alter f\u00fcr gro\u00dfe Probleme gesorgt hat. Das Seijin no Hi wird auf alle F\u00e4lle eigentlich schon seit dem 8. Jahrhundert in einer sehr einfachen Weise gefeiert. Damals wurde dem Japanischen Prinzen eine andere Frisur und Garderobe gegeben, um seiner neuen Rolle im Reich Ausdruck zu geben. Seit 1948 wird das Fest hier in Japan als Feiertag begangen und mittlerweile findet es am 2. Montag des neuen Jahres statt. Wirklich bewusst, um welches Fest es sich heute handelt, das uns eigentlich Unifrei erm\u00f6glichte, war es mir nicht. Als ich aber heute abend die Innenstadt rund um die Am\u00fcsiermeile Kukobuncho betrat, war mir alles klar. Viele Japaner in Anz\u00fcgen beziehungsweise Japanerinnen mit Winterkimonos s\u00e4umten die Stra\u00dfen und wollten sich f\u00fcr die Nachfeierlichkeiten dementsprechend am\u00fcsieren. Kein guter Tag also, um dort vorbei zu fahren. Wobei man sagen muss, die Bedeutung des Festes ist f\u00fcr Japaner um einiges gr\u00f6\u00dfer als zum Beispiel die Jugendweihe f\u00fcr die meisten Deutschen. Meine Extutorin Kaori h\u00e4lt zwei Jahre sp\u00e4ter noch die Bilder von sich im Kimono in gr\u00f6\u00dften Ehren.<\/p>\n<p>Eigentlich war das Fest f\u00fcr mich aber mehr \u00e4rgerlich, als alles andere. Zu gerne h\u00e4tte ich mir das Schauspiel an irgend einem Schrein angeschaut, aber leider hatte ich meine Zeit anders verplant. Im B\u00fcro hatten sich drei Japaner eines ortsans\u00e4ssigen Gymnasiums angemeldet. Nach ersten Meldungen sollte mein zweiter Betreuer sich alleine mit ihnen besch\u00e4ftigen. Da es um Deutschland ging und wir nat\u00fcrlich auch einen ?echten? Deutschen vorweisen k\u00f6nnen wurde ich kurzerhand gefragt, ob ich (wenn ich zu viel Langeweile habe) vorbei kommen k\u00f6nnte, um etwas auszuhelfen. Um Hilfe muss man mich meistens nicht zweimal bitten und kurzerhand fuhr ich am Feiertag ins B\u00fcro. Fast vier Stunden sollte das gesamte Interview mit uns dauern. Dabei war es aber eigentlich viel anstrengender f\u00fcr uns, als f\u00fcr unsere G\u00e4ste, die das Material f\u00fcr irgend eine Arbeit ben\u00f6tigten. Wir standen vor dem Problem, dass unsere G\u00e4ste ab der Sekunde meines Erscheinens noch verunsicherter waren, als sie es auch sonst schon waren. Eine Dame sagten in den dreieinhalb Stunden maximal 3 S\u00e4tze und die verstand au\u00dfer ihrer besten Freundin wohl \u00fcberhaupt niemand. Die Freundin taute erst zum Schluss ein wenig auf und schaute das ganze Interview nur in der Weltgeschichte herum und der Junge der Runde stellte zwar ein paar Fragen, stotterte sich dabei aber einiges zurecht. Trotzdem wurde es interessant, besonders da eine der Hauptfragen einen Geschichtshintergrund hatte, wo ich mich auch anst\u00e4ndig einbauen konnte. Eines war aber insbesondere zu sehen. Vor ein paar Tagen habe ich die Mimik, Gestik und Lautsprache der Japaner angesprochen, eine andere Sache zeichnet sie aber noch aus, sie sehen den Gegen\u00fcber beim Sprechen nicht an. Was in Deutschland absolut unh\u00f6flich ist, mir aber auch manchmal passiert, ist hierzulande genau anders herum anzusehen. Das Anschauen des Gegen\u00fcbers setzt ihn zu sehr unter Druck beziehungsweise sendet auch die falschen Signale. Aus diesem Grund wird man kaum einmal jemanden finden, der dir in die Augen schaut und wenn, dann nur bei sehr guten Freunden. Auf der anderen Seite kann man aber auch Japaner und japanisierte Ausl\u00e4nder damit zur Verzweiflung bringen, wenn man es macht. Alle 2 Minuten kommt in dem Fall dann die Nachfrage, ob irgend etwas ist. Von daher sei mir keiner b\u00f6se, wenn ich ihn bei einem Gespr\u00e4ch nicht die ganze Zeit anschaue. In dem Fall arbeite ich noch an der R\u00fcckumstellung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jugendweihe oder Konfirmation, diese Frage stellt sich jedem Jugendlichen im Alter von etwa 14 Jahren. Nat\u00fcrlich ist diese Entscheidung stark vom Wohnort der Jugendlichen abh\u00e4ngig, trotzdem stellt es einen wichtigen Feierpunkt im Leben der Jugendlichen dar. 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