{"id":2374,"date":"2010-12-16T21:58:48","date_gmt":"2010-12-16T19:58:48","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2374"},"modified":"2010-12-16T21:58:48","modified_gmt":"2010-12-16T19:58:48","slug":"nachtschicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2374","title":{"rendered":"Nachtschicht"},"content":{"rendered":"<p>Morgens um 2 in Sendai. Ganz Sendai schl\u00e4ft? Nein, eine Gruppe wackererer Studenten und wahrscheinlich eine riesige Gruppe besoffener Ausl\u00e4nder in Kokubuncho, h\u00e4lt sich wacker mit Kaffee im B\u00fcro der Deutschen Literatur bei Bewusstsein. Die Frage, die sich in dieser Situation stellt, ist: Wie konnte es dazu kommen? Fr\u00fch ging es heute ins B\u00fcro f\u00fcr mich. Wichtige Dinge standen an und man m\u00f6chte ja einiges schaffen. Sehr zu meiner Freude waren die wichtigsten Leute schon da und so konnte Shimizu mir helfen, meine japanischen Texte zu beenden. Auch den Adventskalender von heute konnten wir gemeinsam schnell l\u00f6sen. Gut, die anderen f\u00fcrchten uns jetzt ein wenig, aber was will man machen. Das heutige R\u00e4tsel beinhaltete Noten und da Shimizu und einer seiner Freunde meiner L\u00f6sung nicht trauten, wurde kurzerhand ein Midirekorder auf einem Rechner installiert und das St\u00fcck nachgespielt. Bl\u00f6d nur, dass die Reihe eigentlich dem Urschrei von Tarzan nachempfunden war und sich der Ton dementsprechend schrecklich anh\u00f6rte. Die verwirrten Gesichter hatten wir auf jeden Fall auf unserer Seite.<\/p>\n<p>Nachdem der ganze Kram erledigt war, konnte ich mich endlich den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmen. Die Abgabe von Riekos Magisterarbeit findet morgen statt und es gab noch viel zu tun. Kurzerhand wurde von uns beiden ein Kriesenstab gegr\u00fcndet und die Arbeiten an der Arbeit beschleunigt. Dass ich trotz des Abgabetermins Rieko noch zwang, wenigstens eine Kleinigkeit zu essen, fand ein Professor \u00fcbrigens verwerflich. Auf meine Erkl\u00e4rung, dass man ja auch mal essen muss, bekam ich nur die Antwort &#8222;aber der Abgabetermin&#8220;. Kein Problem, nur weil es ein Professor ist, muss er ja nicht recht haben und ich konterte, dass ein umfallender Student dem B\u00fcro auch nicht weiterhilft. Erst nach einigen Kontern hatte ich meine Ansicht durchgesetzt und uns wurde eine Abendbrotpause zugestanden. Japaner haben wirklich eine seltsame Einstellung zur Arbeit.<\/p>\n<p>Ansonsten gingen die Arbeiten ziemlich gut voran. Er Vorteil von Arbeiten in Japan ist, dass sie nicht gebunden werden m\u00fcssen. Vielmehr l\u00e4uft es so ab, dass die Texte am oberen Rand gelocht werden und einfach zwischen einen Papphefter gebunden werden. Nat\u00fcrlich sieht das dann nicht so elegant aus, wie eine dick gebundene Arbeit in Deutschland, daf\u00fcr kann man auch wirklich bis zur letzten Sekunde daran arbeiten. Genau so entwickelte sich aber auch der Tag f\u00fcr uns. Immer wieder gingen wir die Texte durch und fanden immer noch Fehler. Besonders an den Leerzeichen hatte Rieko bei der Arbeit sehr gespart. Aber auch ansonsten gab es Fl\u00fcchtigkeitsfehler, die wir allesamt noch beheben mussten. Einer war zum Beispiel der Wechsel von deutschen und japanischen Worten in der Quellenangabe. Viele meiner Einw\u00e4nde wurden aber auch gekonnt als unwichtig von ihr verworfen. Ich meine, was ist so besonderes dabei zu fragen, ob es vorgeschriebene Schriftgr\u00f6\u00dfen gibt oder Zitierregeln. Es ist nicht gerade praktisch, einfach die deutschen Regeln, die ich ihr gezeigt habe, eins zu eins ins Japanische zu \u00fcbersetzen. Trotzdem gelang es uns irgendwie und um 2 Uhr stand die Arbeit. Man sollte aber nicht meinen, dass wir die einzigen Studenten im B\u00fcro waren. Bei weitem nicht und so sa\u00dfen um 2 Uhr immer noch zwei Studenten dort herum, die so aussahen, als ob sie nicht so schnell Feierabend machen w\u00fcrden. Die Einstellung stimmt offensichtlich also wirklich. Was Japaner nicht am Tag schaffen, machen sie am Abend noch fertig. Daf\u00fcr lenken sie sich am Tag aber auch viel mehr ab.<\/p>\n<p>Interessanterweise habe ich auch das erste Mal heute eine lang erwartete Frage bekommen. Welche Blutgruppe habe ich? Tja, gute Frage, bis heute habe ich das nicht heraus bekommen. Hier in Japan erkl\u00e4rt man mit Blutgruppen den Charakter der Personen und O steht zum Beispiel f\u00fcr sehr chaotische und ungenaue Menschen. Da ich immer wieder auf gewisse Standards bestand, die doch in einer derartigen Arbeit einzuhalten sind, wurde deswegen halt \u00fcber meine Blutgruppe diskutiert. Nebenbei ist ein anderes beliebtes Motiv f\u00fcr Blutgruppenfragen, heraus zu bekommen, ob man mit dem Gegen\u00fcber kompatibel ist. Zum Gl\u00fcck passte der Kontext f\u00fcr diese Frage aber nicht gut genug. Ich sollte es aber wirklich mal rausfinden, vielleicht habe ich dann ja eine gute Ausrede f\u00fcr meine schlechten Charaktereigenschaften. K\u00e4me mal auf einen Versuch an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgens um 2 in Sendai. Ganz Sendai schl\u00e4ft? Nein, eine Gruppe wackererer Studenten und wahrscheinlich eine riesige Gruppe besoffener Ausl\u00e4nder in Kokubuncho, h\u00e4lt sich wacker mit Kaffee im B\u00fcro der Deutschen Literatur bei Bewusstsein. Die Frage, die sich in dieser Situation stellt, ist: Wie konnte es dazu kommen? Fr\u00fch ging es heute ins B\u00fcro f\u00fcr &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2374\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2374"}],"collection":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2374"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2376,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2374\/revisions\/2376"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}