{"id":2366,"date":"2010-12-14T21:55:36","date_gmt":"2010-12-14T19:55:36","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2366"},"modified":"2010-12-15T19:23:39","modified_gmt":"2010-12-15T17:23:39","slug":"diskutieren-an-der-uni-keine-gute-idee","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2366","title":{"rendered":"Diskutieren an der Uni? Keine gute Idee!"},"content":{"rendered":"<p>Herr Shimizu, Herr Reik hat recht, gehen sie nach G\u00f6ttingen f\u00fcr ihren Auslandsaufenthalt, da haben sie am meisten davon! Ich glaubte nicht richtig zu h\u00f6ren, als ich diese Aussage heute im B\u00fcro h\u00f6rte und die anderen waren noch geschockter als ich. Die deutsche Professorin hat sich noch nie von ihrer Meinung abbringen lassen und die Tatsache, dass ich diskutiert habe und M\u00fcnchen als Standort f\u00fcr Shimizu offen attackiert habe, soll ein Umdenken bewirkt haben? Gut, mich \u00fcberraschten auch noch andere Dinge: zum Beispiel dass ich mich gegen G\u00f6ttingen und f\u00fcr Berlin ausgesprochen hatte und dass ich mal wieder mit Herr Reik angesprochen wurde. Wann lernen die Leute endlich, meinen Vornamen von meinem Nachnamen zu unterscheiden? So schwer ist das nun auch wieder nicht. Besonders \u00fcberraschte aber die Aussage, dass sie die letzten Tage noch ein paar Mal \u00fcber den Disput nachgedacht habe und dass Shimizu im Endeffekt eh auf mich h\u00f6ren wird. Letzteres mag zweifellos richtig sein, aber im Allgemeinen war das keine Diskussion, die noch Tage lang besch\u00e4ftigen sollte. In Japan aber auf der anderen Seite vermutlich schon. Wie ich heraus bekommen habe, w\u00fcrde es hier niemand wagen, Personen mit h\u00f6herem Ansehen zu widersprechen, selbst wenn diese damit leben k\u00f6nnen. Selbst mein oberster Prof widerspricht anderen Professoren nur im gr\u00f6\u00dften Notfall. Da war die Verteidigung des Nordens von Deutschland schon ein Gro\u00dfereignis. Als wir wieder alleine waren, kamen die anderen Studenten erst einmal zu mir, um sich best\u00e4tigen zu lassen, dass sie richtig geh\u00f6rt haben. Im Endeffekt muss ich die n\u00e4chsten Tage mit Shimizu mal durchgehen, was er denn nun als Bewerbung schreibt. Immerhin hat er heute schon die h\u00f6chste Ansprechform \u00fcberhaupt verwendet: das Sama (Hochgeehrter), um sich meine Dienste zu sichern.<\/p>\n<p>Eine andere Person, die sich meine Dienste gesichert hat, ist Rieko und ich muss sagen, ich bin froh, wenn sie ihre Arbeit endlich abgegeben hat. Ich sa\u00df heute nur bis 23.00 Uhr in der Uni, um mit ihr noch einmal die formellen Dinge ihrer Arbeit durchzugehen. Andere Studenten waren zwar auch da, aber ihr Wissen \u00fcber die formelle Gestaltung einer Hausarbeit lie\u00df auch sehr zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Aber jetzt mal ehrlich: Was ist so schwer daran zu verstehen, dass eine \u00dcberschrift nicht alleine auf einer Seite steht oder dass Bilder direkt mit den Quellenangaben versehen werden m\u00fcssen. Sie machte teilweise Anf\u00e4ngerfehler, die normalerweise in Deutschland schon im ersten Semester beigebracht werden. So erf\u00e4hrt man zum Beispiel gleich am Anfang des Studiums, dass Wikipedia keine Quelle f\u00fcr eine Magisterarbeit darstellt. Bis nach Japan ist das aber noch nicht durchgedrungen. Trotzdem machen wir gute Fortschritte und die Arbeit ist schon bis auf Seite 71 vorgedrungen und braucht nur noch geringe \u00dcberarbeitungen. Gleichzeitig verlerne ich nicht alle Eigenschaften, wie man eine gute Arbeit schreibt. Schlie\u00dflich muss ich es auch bald genug selbst wieder machen.<\/p>\n<p>Selber machen musste ich heute aber auch einige Kurse. Ich helfe ja nicht nur anderen Menschen oder diskutiere mit ihnen. So gab es heute im Japanisch Kurs einen Crashkurs im Neujahrskarten schreiben. Als ich sah, wie gro\u00df der Haufen war, den meine Japanischlehrerin letztes Jahr erhielt, bin ich froh, nur ein armer kleiner Student hier zu sein. Knappe 50 St\u00fcck hatte sie erhalten, alle mit pers\u00f6nlicher Nachricht und meistens auch noch selbst gestaltet, zum Beispiel mit Bildern ihrer Kinder. Nat\u00fcrlich ist das Verfahren mit dem Karten schreiben zu Neujahr und Weihnachten auch in Deutschland verbreitet, so schlimm ist es bei uns aber nicht. Daf\u00fcr kann man in Japan aber auch gleich etwas gewinnen und die Chance steigt, je mehr Karten man bekommt. Die \u00fcbliche Neujahrskarte hat eine Losnummer aufgedruckt, mit der man eine Hawaii-Reise gewinnen kann. Je mehr Leuten man also Karten schickt, desto mehr bekommt man zur\u00fcck und desto h\u00f6her ist die Chance auf den Gewinn. Wie es aussieht, geht das System ziemlich gut auf und Mayumi berichtete mir gerade, dass sie sich einen ganzen Tag daf\u00fcr nahm, um Karten zu schreiben. Zum Gl\u00fcck kenne ich die Adressen meiner Bekannten immer nicht, darum bin ich zu nichts verpflichtet. Vielleicht sollte ich aber eine Entschuldigungsneujahrskarte an die deutsche Professorin schicken. Die ist dann daf\u00fcr, dass ich die Frechheit besa\u00df, zu diskutieren und dass Shimizu auf jeden Fall n\u00f6rdlich des Wei\u00dfwurst\u00e4quators leben wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Shimizu, Herr Reik hat recht, gehen sie nach G\u00f6ttingen f\u00fcr ihren Auslandsaufenthalt, da haben sie am meisten davon! Ich glaubte nicht richtig zu h\u00f6ren, als ich diese Aussage heute im B\u00fcro h\u00f6rte und die anderen waren noch geschockter als ich. 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