{"id":2337,"date":"2010-12-10T21:57:23","date_gmt":"2010-12-10T19:57:23","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2337"},"modified":"2010-12-10T21:57:23","modified_gmt":"2010-12-10T19:57:23","slug":"wie-alt-bin-ich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2337","title":{"rendered":"Wie alt bin ich?"},"content":{"rendered":"<p>1982 ist Rieko geboren? Ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich heute Riekos Studentenausweis sah. Zugegeben, das Alter seiner Mitmenschen zu sch\u00e4tzen ist hierzulande aber auch schon ziemlich schwer. Asiaten sehen wirklich allesamt j\u00fcnger aus als Europ\u00e4er. Im Vergleich zu meinen Mitstudenten sehe ich aus wie ein alter Gro\u00dfvater und das soll etwas hei\u00dfen, werde ich in Deutschland doch immer als wesentlich j\u00fcnger eingesch\u00e4tzt. Hier in Japan gilt aber eine andere Philosophie. M\u00f6chte man das Alter von jemandem herausfinden, sch\u00e4tzt man das Alter desjenigen nach europ\u00e4ischem Standard ein und rechnet dann noch einmal 5 Jahre drauf. Nichts einfacher als das, w\u00e4re da nicht die beliebte Frage aller Frauen, ?Wie alt sch\u00e4tzt du mich denn??. Eine grausame Frage in Deutschland, noch grausamer aber in Japan, wo die Leute bewusst jung und kindlich aussehen wollen.<\/p>\n<p>Den Tag dagegen verbrachte ich in meiner \u00fcblichen Manier im B\u00fcro. Schon bei meiner Ankunft winkte mich mein Dozent heran, doch schneller zu gehen, Shimizu nervt die Leute mit dem Adventsquiz und ich soll es doch bitte endlich l\u00f6sen. Nichts leichter als das, aber im Raum erwartete mich ein g\u00f6ttliches Bild. Zwei PCs, mehrere Ausdrucke mit der Frage und mehrere Studenten mussten Shimizu helfen und sahen keinen gr\u00fcnen Zweig. Ich habe ja langsam das Gef\u00fchl, der Gute \u00fcbertreibt es etwas, aber da muss ich mich irren. <\/p>\n<p>Danach konnte es aber zu wichtigen Dingen des Lebens kommen. Ich habe eine neue Gespr\u00e4chspartnerin. Gestern rief David an und fragte, ob ich seiner Brieffreundin einen Fragebogen ausf\u00fcllen k\u00f6nne, bei dem es einige Fragen \u00fcber Deutschland zu beantworten gilt. Nichts leichter als das, bei Frageb\u00f6gen helfe ich doch immer sehr gerne aus. Wer wei\u00df denn auch, wann ich mal wieder welche ben\u00f6tige. Kurz nach Mitternacht kam dann die Mail der Japanerin im besten Japanisch. Nach langer \u00dcbersetzung war der Sinn endlich verstanden und die Behauptung mit dem Fragebogen widerlegt. Die junge Dame will mich ebenfalls als Brieffreund, da sie nach der Uni eventuell in Deutschland arbeiten will. So hatten wir zwar nicht gewettet, aber nichts leichter als das. Jeder Japaner, den ich aufhalten kann nach Bayern zu gehen, ist eine sehr gute Tat. Aus diesem Grund gab ich 6 heute anwesenden Japanern \u00fcbrigens auch einen Vortrag \u00fcber den Freistaat Bayern und seine Zugeh\u00f6rigkeit zu Deutschland. Die Zuh\u00f6rer scheinen es auf jeden Fall verstanden zu haben und die deutsche Professorin war weit entfernt. Auf jeden Fall stand ich jetzt vor dem Problem, wie ich am besten eine Antwort verfasse. Aber wozu habe ich einen Tutor? Shimizu hat gut von mir gelernt und ohne gro\u00df zu fragen, dachte er sich eine eigene witzige und freche Antwort aus, die ihr aber gleichzeitig weiter half. Irgendwie war es aber zu sehr Shimizus Stil und ich h\u00e4tte den Text wohl nie so verfasst, was die anderen schon scherzhaft feststellten. Wir hatten sogar schon \u00fcberlegt, ob wir ihr einfach seine Telefonnummer geben, damit sie mit ihm sprechen kann, schlie\u00dflich sprechen sie die gleiche Sprache. Nach dieser Feststellung fing unser Betreuer an uns zu fragen, ob wir sicher sind, nicht mit einander verwandt zu sein. Ob unser zweiter Vorname etwa der des jeweilig anderen sei. Jetzt schreiben wir schon unter dem jeweils anderen Pseudonym und erg\u00e4nzen uns viel zu sehr. Lustig war es alle Mal. Dann habe ich Shimizu auch noch richtig auf japanisch beleidigt. Er h\u00f6rte partout nicht auf mich, was ich ja verstehen kann und in k\u00fcrzester Zeit schaffte er es, den kompletten Text zu l\u00f6schen. Mein lang gezogenes Baka (Japanisch f\u00fcr Dummkopf) fand sogleich Beifall der restlichen Anwesenden, die mir allesamt erkl\u00e4rten, wie realistisch der Ausspruch klang. Auf jeden Fall haben wir ihr geantwortet und ich habe eine neue Konversationspartnerin. Wieso nicht, ich kann schon ein wenig erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend betrat Rieko noch das B\u00fcro. Kurz bevor ich los wollte fiel ihr ein, dass sie noch unbedingt Hilfe beim Scannen ben\u00f6tigt. Ich wollte zwar gerade los, um mit den anderen Pizza zu verspeisen, aber einer Dame in Not musste ich unbedingt helfen. Dementsprechend verbrachten wir die Zeit bis 22 Uhr noch damit, ihre Magisterarbeit zu \u00fcberarbeiten. Nach dieser Nachtschicht wollten wir nur raus aus dem Geb\u00e4ude. Kurzerhand ging es eine Runde Ramen essen und anschlie\u00dfend in Richtung Heimat. Rieko ist aber immer freundlich, da helfe ich sowieso gerne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1982 ist Rieko geboren? Ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich heute Riekos Studentenausweis sah. Zugegeben, das Alter seiner Mitmenschen zu sch\u00e4tzen ist hierzulande aber auch schon ziemlich schwer. Asiaten sehen wirklich allesamt j\u00fcnger aus als Europ\u00e4er. 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