{"id":2246,"date":"2010-12-01T21:39:23","date_gmt":"2010-12-01T19:39:23","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2246"},"modified":"2010-12-01T21:39:23","modified_gmt":"2010-12-01T19:39:23","slug":"kleine-gefalligkeiten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2246","title":{"rendered":"Kleine Gef\u00e4lligkeiten"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Dinge im Leben, die k\u00f6nnen einem das Leben absolut erleichtern. So zum Beispiel: die richtigen Freunde f\u00fcr die richtigen Probleme zu haben. Diese Weisheit wurde mir heute gleich mehrmals best\u00e4tigt. Der Tag fing mit einem kleinen Arztbesuch an. Eigentlich nichts besonderes, m\u00fcsste man in Japan nicht bei den Arztbesuchen drei\u00dfig Prozent der Geb\u00fchren selber tragen. Ein sehr effektives Problem, \u00fcberlegt man sich bei kleineren Gebrechen doch einmal mehr, ob man zum Arzt geht oder nicht. F\u00fcr mich selber trifft das Problem aber eh nicht zu, ich muss schon ziemlich genervt sein, um \u00fcberhaupt einen Arzt aufzusuchen. Aus diesem Grund hatte ich eigentlich auch gar nicht vor, eine kleine Stelle an der Zunge, die seit ein paar Tagen brennt, einem Arzt vorzustellen. Aber wozu hat man Freunde. Mohamed h\u00f6rte davon und f\u00fchlte sich berufen, mir zu helfen. Nicht umsonst ist er Mediziner, der hier in Sendai nur seine Postdoc-Zeit \u00fcber die Runden bringt. Bei der Zunge konnte er mir zwar nicht wirklich helfen, aber er hat da noch einige Freunde und schon befand ich mich auf dem Krankenhausgel\u00e4nde und wurde einem Zahnarzt vorgestellt. F\u00fcr Zungenprobleme sind die wohl auch Ansprechpartner. Wobei, von vorstellen kann gar keine Rede sein. Wie es sich geh\u00f6rt, kannte ich den Arzt, der mir gegen\u00fcberstand nat\u00fcrlich schon. Die Ger\u00fcchte, dass ich jeden kenne, scheinen sich langsam wirklich zu bewahrheiten. Nassal, so sein Name, war mein Kumpano beim \u00dcberstehen des letztj\u00e4hrigen Kanjikurses. Zwei Minuten sp\u00e4ter hatte ich ein Mittel auf dem Zettel, was mein Problem in zwei Tagen beseitigen wird und die Absicherung, dass es sich wirklich um nichts Tragisches handelt. Gut, ich wollte es eh nicht \u00fcberpr\u00fcfen lassen, aber wenn man schon eine Absicherung bekommt, warum nicht. Besser als ein japanischer Arzt war Nassal auf jeden Fall.<\/p>\n<p>Aber nicht nur ich nehme die Hilfe anderer in Anspruch. Kaum hatte ich mich von den beiden verabschiedet, rief Kaori an und brauchte Hilfe f\u00fcr eine Freundin von ihr. Diese schreibt gerade ihre Abschlussarbeit und brauchte unbedingt native Englischsprecher. Kein Problem f\u00fcr mich, einen Hilferuf sp\u00e4ter hatte die junge Dame mehr Sprecher an der Hand, als sie brauchen konnte. Keine f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter f\u00fchlte ich mich schon  wie im Callcenter. Thomas rief an und erfragte meine Hilfe. Am Sonntag trifft sich mal wieder der Lions Club. Da wir dort so beliebt waren wollte er anfragen, ob ich nicht wieder f\u00fcnf Ausl\u00e4nder auftreiben kann, die dort erscheinen. Dieses Mal sind wir auch vorgewarnt und m\u00fcssen nicht eine Stunde vorher angerufen werden. Schlecht an der Sache war eigentlich nur, dass Thomas innerhalb von einer Stunde diese f\u00fcnf Leute brauchte, also ging die Herumtelefoniererei los. Jemanden mit Freiessen zu k\u00f6dern ist zum Gl\u00fcck sehr einfach, die Problematik f\u00e4ngt eigentlich erst an, wenn man dann auf die Kleiderordnung verweist. Sich anst\u00e4ndig kleiden verschreckt dann doch einige Leute. Trotzdem kann man sich auf meine Freunde verlassen und in k\u00fcrzester Zeit konnte ich Erfolg vermelden. Kostenloses Essen &#8211; wir kommen!<\/p>\n<p>Nach all der Telefoniererei konnte ich mich endlich dem B\u00fcro widmen. Dort blieb es auch ziemlich ruhig und Shimizu kam wirklich mit dem von mir geschriebenen Text durch sein Seminar. Ein wenig dreist ist er aber schon, las er doch seinen Tagebucheintrag einfach nur von meinem Vorgeschriebenen ab. H\u00e4tte sich die Professorin mal seine Handschrift angeschaut, h\u00e4tte sie sich ganz sch\u00f6n gewundert. Zum Gl\u00fcck ist es nicht mein Problem, wenn er so etwas anstellt. Nachdem ich ein wenig der Arbeit nachgegangen war, hie\u00df es in die Innenstadt fahren und das von Nassal vorgeschlagene Mittel besorgen, das es angeblich \u00fcberall geben soll. Leider gab es dabei nur ein Problem: keiner der Japaner wusste etwas davon. Es wurden L\u00e4den verr\u00fcckt gemacht, Spezialisten befragt, aber kein Ergebnis. Anf\u00e4nglich scheiterten die L\u00e4den schon am einfachsten Problem &#8211; der \u00c4rztehandschrift. Ich glaube, ich sollte den Beruf wechseln, von der Handschrift w\u00fcrde Arzt sehr zu mir passen. Nach einigen Entzifferungsversuchen wusste ich endlich, wonach ich frage, aber auch das half nichts. Das beste Ergebnis hatte ich aber in einem Supermarkt. Ich hatte nur schnell einen \u00e4lteren Verk\u00e4ufer gefragt, der es auch nicht so genau wusste. Kurzerhand ging er Richtung Kasse und beorderte einen jungen Verk\u00e4ufer zu sich, der wohl im normalen Leben Medizin studiert. Dieser war aber gerade an einer \u00fcberf\u00fcllten Kasse und wollte noch schnell die Kundin fertig bedienen. Nicht mit meinem \u00e4lteren Verk\u00e4ufer. Kurz entschlossen br\u00fcllte er noch mal durch den Laden, nur um zwei Minuten sp\u00e4ter entnervt hin zu stapfen und den Verk\u00e4ufer am Arm zu mir zu ziehen. Der arme ausl\u00e4ndische Student darf doch nicht warten! Helfen konnte er mir zwar auch nicht, aber immerhin hatte er die meiste Fachahnung von allen. Eine Tatsache, die sonst leider fehlt, da wir hierzulande kaum Apotheken haben sondern diese in den Drogerien mit enthalten sind. Leider befindet sich das Drogeriepersonal aber nicht auf einem Level mit normalen Apothekern. Morgen bekomme ich das Mittel dann zwar auch, aber bis dahin ist es dann eh nicht mehr wichtig laut meinen Arztfreunden. Trotzdem sch\u00f6n, dass sie sich Sorgen gemacht haben und es mal schnell gecheckt haben, auch wenn ich es eigentlich nicht wollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Dinge im Leben, die k\u00f6nnen einem das Leben absolut erleichtern. So zum Beispiel: die richtigen Freunde f\u00fcr die richtigen Probleme zu haben. Diese Weisheit wurde mir heute gleich mehrmals best\u00e4tigt. Der Tag fing mit einem kleinen Arztbesuch an. 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