{"id":2240,"date":"2010-11-30T19:17:16","date_gmt":"2010-11-30T17:17:16","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2240"},"modified":"2010-11-30T19:17:16","modified_gmt":"2010-11-30T17:17:16","slug":"strasenkampfe-im-buro-wo-bin-ich-jetzt-schon-wieder-gelandet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2240","title":{"rendered":"Stra\u00dfenk\u00e4mpfe im B\u00fcro? Wo bin ich jetzt schon wieder gelandet?"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal meine ich, ich sollte meinen Blog auf unsichtbar stellen, es scheinen zu viele Japaner mitzulesen. Gestern hatte ich noch das Thema \u00fcber das Unterrichten von japanischen Studenten, da machen sie heute ernst. Erst durfte ich ein Referat eines Studenten \u00fcberarbeiten. An sich handelte es sich um gutes Deutsch, aber ich muss sagen, ich finde den Studenten beachtlich. Er schafft es wirklich, in jedes seiner Referate sein Lieblingsthema hineinzubringen: Autos. Ich habe ihn bisher noch nie \u00fcber etwas anderes reden h\u00f6ren. Da er eigentlich auch &#8222;Deutsche Literatur&#8220; studiert, entzieht es sich meiner Kenntnis, wie er das Thema immer wieder durch bekommt. Aber er scheint die richtigen Kniffe zu kennen. Vermutlich erkl\u00e4rt er, dass es sich bei Blaupausen ebenfalls um Literatur handelt. Naja, mir solls egal sein, nur w\u00fcrde ich gerne mal anst\u00e4ndige Dinge durchlesen und nicht die Geschichte des Mercedes S 600. Der Zweite, der mich gleich in Beschlag genommen hat, war Shimizu. Laut meinem zweiten Betreuer hat er offensichtlich das Tutor und Student-System noch nicht verstanden, denn irgendwie half er nicht mir, sondern er diktierte mir seinen Tagebucheintrag f\u00fcr die n\u00e4chste Stunde des Tagebuchseminars. Gut, diktieren ist eventuell etwas zu viel des Guten, eher verwandelte ich seine Gedankensplitter in halbwegs normale deutsche S\u00e4tze. Die anderen Anwesenden schlugen schon vor, ein Copyright unter den Text zu setzen. Copyright Reik nach einer Idee von Shimizu, aber so etwas w\u00fcrden wir ja nie machen und solange sich die Professorin nicht beschwert, sehe ich auch keinen Grund, damit aufzuh\u00f6ren &#8211; schlie\u00dflich erarbeiteten wir den Text gemeinsam.<\/p>\n<p>Viel interessanter f\u00fcr mich war dagegen die Lekt\u00fcre eines chinesischen Buches \u00fcber die Kriegsverbrechen der Japaner im zweiten Weltkrieg. Wir erinnern uns: Die Japaner waren nicht wirklich besser als die Deutschen, sondern hatten zum Beispiel die Angewohnheit, m\u00f6glichst keine Gefangenen zu nehmen, da ein Aufgeben unehrenhaft war und deshalb das Leben der gefangenen Soldaten verwirkt war. Nat\u00fcrlich regt ein derartiges Buch zu Diskussionen an und einige der Japaner nahmen sich doch ein Herz und befragten mich zum Titel. Dadurch erhielt ich einen Einblick in das Wissen der Studenten \u00fcber den zweiten Weltkrieg und was soll ich sagen, es ist nicht viel. Wo in Deutschland jedem das Schuldbewusstsein der Deutschen f\u00fcr die Gr\u00e4ueltaten des  2. Weltkriegs vermittelt wird, gibt es in Japan wirklich keine derartige Aufkl\u00e4rung. Eigentlich ist es verwunderlich. Amerika wollte Japan nicht als B\u00fcndnispartner gegen die sowjetische Gefahr verlieren und lie\u00df der japanischen Regierung aus diesem Grund alle Freiheiten bei dem Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg. Westdeutschland war in diesem Sinne auch ein Puffer zu den Ostzonen, hier wurde aber ein komplett anderes Programm aufgefahren, obwohl sich die Taten der beiden L\u00e4nder kaum unterscheiden. Ergebnis dieser freien Hand ist das ungl\u00e4ubige Kopfsch\u00fctteln, als ich von einigen Verbrechen der Japaner berichtet. Man wusste zwar, dass einige Gro\u00dfv\u00e4ter nach dem zweiten Weltkrieg aus den ehemals besetzten Gebieten fliehen mussten und gerade so mit dem Leben davon kamen, aber die Ursachen sahen die Studenten nur in der Besatzung, nicht in der Handlungsweise der Besatzer. Kein Wunder also, wenn die Nachbarl\u00e4nder sich &#8211; zum Teil offensichtlich mit Recht &#8211; \u00fcber die Vergangenheitsbew\u00e4ltigung der Japaner aufregen. Dass man nicht so viel wie in Deutschland \u00fcber die Thematik wei\u00df, h\u00e4tte ich mir zwar schon gedacht. Dass die Politik es aber so gut versteht, die Erinnerungen an ein ungeliebtes Thema zu verdr\u00e4ngen, \u00fcberrascht mich dann schon. Man kann also schon davon ausgehen, dass ein Vergleich zwischen den geschichtlichen Entwicklungen der beiden L\u00e4ndern zwar viel zu umfassend f\u00fcr Arbeiten w\u00e4re, wie ich sie zu Unizeiten noch schreiben werde, von den Ergebnissen aber absolut interessant sein muss.<\/p>\n<p>Wie besch\u00e4ftigt man sich ansonsten als Student, wenn man nicht gerade von einem komischen Gajin mit Geschichte genervt wird? Man schaut sich Fernsehen an. So standen heute auf einmal mehrere Studenten um einen PC herum und schauten sich Grundlagentraining f\u00fcr Judo an. Das w\u00e4re an sich nicht so schlimm, wenn die Betroffenen nicht auf einmal angefangenen h\u00e4tten, die Schritte nachzustellen. So verwandelte sich das B\u00fcro auf einmal in eine Kampfarena. Es fehlte eigentlich nur noch der Schrei ?Mortal Kombaaaaaaaaaaaaaaaaaaat!? und man h\u00e4tte sich wie in einem der vielen japanischen Kampfspiele gef\u00fchlt. Kurzzeitig kann bei solchen Bildern schon mal die Frage durch den Kopf geistern, welches Alter die umstehenden Menschen gerade haben. Normale, \u00fcber zwanzigj\u00e4hrige Japaner, k\u00f6nnen sich recht schnell wieder zu Kindern zur\u00fcck entwickeln. Das Bild der total steifen Japaner trifft erst ab dem Alter um die drei\u00dfig zu. Es ist so, als ob dann bei den Leuten ein Schalter im Kopf umgekippt wird. Bis dahin kann man aber sehr viel Spa\u00df mit ihnen haben.<br \/>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-2240 gallery-columns-2 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3362-klein.jpg'><img width=\"150\" height=\"112\" src=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3362-klein-150x112.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3362-klein-150x112.jpg 150w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3362-klein-200x150.jpg 200w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3362-klein-300x225.jpg 300w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3362-klein.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3363-klein.jpg'><img width=\"150\" height=\"112\" src=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3363-klein-150x112.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3363-klein-150x112.jpg 150w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3363-klein-200x150.jpg 200w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3363-klein-300x225.jpg 300w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3363-klein.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal meine ich, ich sollte meinen Blog auf unsichtbar stellen, es scheinen zu viele Japaner mitzulesen. 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