{"id":2226,"date":"2010-11-28T20:11:05","date_gmt":"2010-11-28T18:11:05","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2226"},"modified":"2010-11-28T20:11:05","modified_gmt":"2010-11-28T18:11:05","slug":"ein-abschied-mit-stil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2226","title":{"rendered":"Ein Abschied mit Stil"},"content":{"rendered":"<p>Wie zelebriert man seinen Abschied aus Sendai richtig? Diese Frage geisterte wohl heute bei vielen ausl\u00e4ndischen Studenten in den K\u00f6pfen herum. Schon einen Tag nach meiner Ankunft in Sendai hatte ich einen Pakistaner kennengelernt, der  seinen Doktor an der Tohoku Universit\u00e4t absolvierte. Kazmi, so sein Name, ist ein sehr extrovertierter und offener Mensch, der alle Menschen, die er kennt, gleich zu seinen Freunden erkl\u00e4rt. Man k\u00f6nnte fast sagen, alle Menschen, die er in Facebook hat, sind seine Freude und das sind eine ganze Menge. Dieses Verhalten ist nebenbei absolut typisch f\u00fcr eine gro\u00dfe Anzahl an Leuten, die hier gerade studieren. Die erste Frage, die man bei einem ersten Treffen an den Kopf geworfen bekommt, ist nicht etwa die nach dem Namen, sondern die, ob man einen Facebook Account besitzt. Kein Wunder also, dass einige frisch angemeldete nach wenigen Tagen schon 300 Menschen in ihrer Liste haben. Aber zur\u00fcck zu Kazmi. Aufgrund seiner Art ist er auch auf jeder Willkommensparty dabei oder wenn irgendeine Reise organisiert wird, er ist meistens anzutreffen. W\u00e4hrend im April die Studenten davon nicht so betroffen waren, da wir dank @home andere Kontakte hatten, stellt Kazmi f\u00fcr die diesj\u00e4hrigen Neuank\u00f6mmlinge einen echten Fixpunkt dar. Das Problem an der Sache ist nur, seine f\u00fcnf Jahre Doktorstudium sind vorbei und morgen hei\u00dft es f\u00fcr ihn, Sendai f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit zu verlassen. Wie begeht man so ein Ereignis nun am besten?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich mit einer Feier! Nat\u00fcrlich ist es undenkbar, dass dieses Ereignis mit einer ganz normalen Feier begangen werden k\u00f6nnte und deshalb legte sich Kazmi komplett ins Zeug. Er organisierte einen Auftritt einer afrikanischen Trommlerkombo, die nicht nur selber in ihrem Programm spielt, sondern auch den Zuschauern Trommeln zur Verf\u00fcgung stellt und sie dadurch in den Auftritt einbindet. Als ob der Auftritt noch nicht genug w\u00e4re &#8211; nein, Kazmi dachte nat\u00fcrlich auch an seine alten Freunde und lie\u00df sich ein ganz besonderen Leckerbissen f\u00fcr diese einfallen. Er organisierte eine Live\u00fcbertragung des Events per Livestream ins Internet, so dass jeder, der wollte, sich das Event anschauen konnte. Bei so einem Aufwand kommt einem nat\u00fcrlich als Student, der in vier Monaten auch das Land verl\u00e4sst, automatisch die Frage, ob man auch auf die Idee gekommen w\u00e4re, so einen Aufwand zu betreiben, selbst wenn man f\u00fcnf Jahre im Land gewesen ist? Die einstimmige Meinung der mit mir angekommenen war nein, aber trotzdem war es eine sehr lustige Veranstaltung. Die Trommler gaben alles und das Publikum hatte sichtlich Spa\u00df. Nur als es auf einmal hie\u00df, einen afrikanischen Tanz aufzuf\u00fchren, regte sich gewisser Ungemach bei einigen der m\u00e4nnlichen Anwesenden. Ansonsten kann man Kazmi nur gratulieren &#8211; es war ein von a bis z perfekt durchgeplantes und au\u00dfergew\u00f6hnliches Event. <\/p>\n<p>Zum Abschied gab es nat\u00fcrlich auch von uns etwas. Olga, die Kazmi in den letzten Wochen besonders in den Alltag in Sendai einf\u00fchrte, hatte schon vor Tagen den Plan gefasst, Kazmi kleine Briefe mit Nachrichten zu geben. Wenn das, wie von ihr geplant, aber jeder gemacht h\u00e4tte, w\u00e4re das wohl bei \u00fcber 100 Anwesenden doch etwas zu viel geworden. Von Katoh und mir gab es deshalb schon letzte Woche den sachten Hinweis, ob eine Fahne nicht doch besser geeignet w\u00e4re als Geschenk. Trotz kurzem Z\u00f6gern entschied sie sich daf\u00fcr und Katoh stellte sogar die Fahne zur Verf\u00fcgung. Kazmi war absolut begeistert von der Idee, so dass er das K\u00e4stchen mit den kleinen Briefen, das Olga trotzdem noch f\u00fcr l\u00e4ngere Nachrichten dazu gegeben hatte, gar nicht so wirklich f\u00fcr voll nahm. Nach Hinweis darauf kannte seine Freude aber kaum noch Grenzen und jeder der Anwesenden wurde von ihm pers\u00f6nlich nochmal umarmt und verabschiedet. So feiert man seinen Abschied auf jeden Fall mit Stil, das muss man ihm lassen!<\/p>\n<p>Ich selber h\u00e4tte das Event aber um ein Haar noch verpasst. Ich war in der Innenstadt, um einige Besorgungen zu machen, als ich Orsolya traf. Irgendwie kam es dadurch dann dazu, dass ich mit ihr durch die Gesch\u00e4fte zog und ihr beim Einkauf half. Ich bleibe dabei, beim Einkauf mit Frauen ben\u00f6tigt man starke Nerven. Trotzdem wurde es in zwei L\u00e4den noch einmal sehr kurios. In dem ersten Laden handelte es sich bei dem Kuriosum um die Verk\u00e4ufer. Da Orsolya sich aus der Sicht der Verk\u00e4ufer nicht entscheiden konnte, gab es gleich vier Verk\u00e4ufer, die sich nur um uns k\u00fcmmerten. So gab es ein Handtuch mit dem Helm des Gr\u00fcnders der Stadt darauf. Und schon st\u00fcrmte eine von ihnen los, um eine Postkarte mit den Gr\u00fcnder darauf zu besorgen, um uns zu erkl\u00e4ren, wessen Helm darauf abgebildet war. Auch ansonsten musste man kein Wort sprechen. Jede Handlung f\u00fchrte dazu, dass einer der vier los st\u00fcrmte, um eine Erkl\u00e4rung heranzuschaffen oder um uns Alternativen zum angefassten St\u00fcck auf den Tisch zu legen &#8211; ein interessanter Laden. Der zweite Laden dagegen war schon bei der Begr\u00fc\u00dfung sehr freundlich. Wer kennt die Zeichen an den T\u00fcren nicht, wo das Betreten des Ladens mit Essen in der Hand oder das Fotografieren verboten wird. Das Zeichen bei diesem Laden zeigte aber ein H\u00e4nde haltendes Paar. Was der Besitzer den K\u00e4ufern damit sagen wollte, war mir pers\u00f6nlich zu hoch. Im Laden selber bem\u00fchte man sich aber ziemlich um uns. Und vor allem ich, den man als Freund vermutete, wurde von der Verk\u00e4uferin immer wieder mit Details versorgt, in der Hoffnung, ich k\u00f6nnte Orsolya irgendwie \u00fcberzeugen. Wirklich gebracht hat dieses Man\u00f6ver aber nichts.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wurde mir ansonsten noch mein Spitzname verraten, den ich wohl in Sendai habe. Wir trafen eine bekannte Orsolyas, die ich noch nie in meinem Leben getroffen hatte. Sie bestand aber darauf, mich zu kennen. Als Begr\u00fcndung f\u00fcr diese Behauptung gab sie an, ich sei doch ?der Deutsche? und jeder w\u00fcrde den Deutschen kennen. Sehr gut zu wissen, dass ich im Alltagsgebrauch wohl einfach nur der Deutsche genannt werde. Besonders, da es mit Thomas ja noch jemanden gibt, auf den die Bezeichnung besser passen w\u00fcrde. Egal, was will man machen? Bin ich halt der Deutsche!<br \/>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-2226 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3352.jpg'><img width=\"84\" height=\"113\" src=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3352-84x113.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3352-84x113.jpg 84w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3352-112x150.jpg 112w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3352-168x225.jpg 168w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3352.jpg 450w\" sizes=\"(max-width: 84px) 100vw, 84px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3358.jpg'><img width=\"150\" height=\"112\" src=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3358-150x112.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3358-150x112.jpg 150w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3358-200x150.jpg 200w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3358-300x225.jpg 300w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3358.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3359.jpg'><img width=\"150\" height=\"112\" src=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3359-150x112.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3359-150x112.jpg 150w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3359-200x150.jpg 200w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3359-300x225.jpg 300w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/imgp3359.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie zelebriert man seinen Abschied aus Sendai richtig? 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