{"id":2209,"date":"2010-11-27T22:49:35","date_gmt":"2010-11-27T20:49:35","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2209"},"modified":"2010-11-27T22:49:56","modified_gmt":"2010-11-27T20:49:56","slug":"sendai-das-grose-dorf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2209","title":{"rendered":"Sendai, das gro\u00dfe Dorf"},"content":{"rendered":"<p>Einer der Vorteile, wenn man eine Weile auf dem Dorf gelebt hat ist, dass man eine Erscheinung des Dorflebens ganz genau kennt &#8211; die Ger\u00fcchtek\u00fcche. G\u00f6ttingen, zwar eine Stadt, aber trotzdem nicht weit vom Dorfstatus entfernt, ist in diesem Zusammenhang nie wirklich besser gewesen. Egal, wo man hinging und was man machte, immer gab es jemanden, der einen beobachtete oder es mitbekam. Nun sollte man nat\u00fcrlich meinen, die Situation w\u00fcrde sich in einer Gro\u00dfstadt, wie es Sendai mit ihren \u00fcber 1 Millionen Einwohnern ist, schlagartig \u00e4ndern, aber ich muss der Wahrheit wohl ins Gesicht sehen, Sendai ist auch nur ein gr\u00f6\u00dferes Dorf.  Eine alte Bekannte hatte sich f\u00fcr heute bei mir angemeldet &#8211; Mayumi, meine Konversationspartnerin. Aufgrund einiger technischer Probleme, wie zwei defekte PCs auf meiner Seite und dem damit verbundenen Verlust ihrer E-Mail Adresse und einer von \u00dcberstunden gepr\u00e4gten Arbeitszeit ihrerseits, haben wir uns schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen und es erst k\u00fcrzlich geschafft, uns wieder regelm\u00e4\u00dfig E-Mails zu schreiben. Heute war es dann aber mal wieder so weit und wir beschlossen, uns zu treffen.<\/p>\n<p>Trotz einiger Abspracheprobleme gelang es uns, uns gegen Mittag am Bahnhof zu treffen und uns eine ruhige Ecke zum Deutsch lernen zu suchen. Leider kann man so etwas in dieser Stadt nie in Ruhe machen. Schon nach einer halben Stunde hatten uns Orsolya und Victoria gefunden und erst einmal angesprochen. Aber auch sp\u00e4ter sah uns eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe von Ausl\u00e4ndern und Japanern und gegen Abend durfte ich einen Spie\u00dfrutenlauf \u00fcber mich ergehen lassen, ob ich eine heimliche Freundin h\u00e4tte. Besonders f\u00fcr die Japanerinnen in meinem Bekanntenkreis war die Tatsache, dass ich einfach nur eine Konversationspartnerin haben k\u00f6nnte, absolut abwegig. Auf jeden Fall hat die Klatschwelt Sendais wieder einmal neues Futter gefunden und selbst Leute, die nicht in der Gruppe unterwegs waren, haben mittlerweile schon das Ger\u00fccht \u00fcber meine Freundin geh\u00f6rt. Ein Gl\u00fcck, dass Mayumi seit zwei Jahren verheiratet ist. Trotzdem war das Treffen mit Mayumi sehr lustig. Wir tauschten uns \u00fcber Gott und die Welt aus und ich bem\u00fchte mich, ihr m\u00f6glichst langsam alles notwendige der deutschen Sprache n\u00e4her zu bringen. Leider ist bei Gespr\u00e4chen mit Japanern immer das Problem zu bemerken, dass sie, wenn sie mal wieder nichts verstehen, einfach nur nicken und erst sp\u00e4ter zugeben, dass sie kein Wort verstanden haben. Das macht das Gespr\u00e4ch mit ihnen um einiges schwieriger, stellt aber einen normalen Umstand des japanischen Wesens dar. So gilt es auch in der Universit\u00e4t als unh\u00f6flich, dem Professor Fragen zu stellen. Japanische Professoren in Europa tendieren deshalb auch ger\u00fcchteweise dazu, ihren Unterricht immer so zu \u00fcberziehen, dass der Student ja keine Frage mehr stellen kann. Diesmal gelang es mir aber scheinbar gut, ihr die Fakten zu vermitteln und wir hatten so ein sehr lustiges Gespr\u00e4ch. Gleichzeitig hat sie angeboten, mir eine besondere Sushiart beim Spiel von Vegalta n\u00e4chste Woche mitzubringen. Selbst gemachtes Sushi &#8211; perfekt! Anschlie\u00dfend unternahmen wir den 3. Versuch, gemeinsam im MafuMafu einige deutsche Tayaki zu erstehen, aber irgendwie haben wir wirklich kein Gl\u00fcck. Diesmal hatte der Laden zwar einmal offen, aber das Tayaki war schon ausverkauft.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig war aber auch eine andere Sache. Mayumi ist momentan extrem erk\u00e4ltet und wenn in Japan jemand erk\u00e4ltet ist, tr\u00e4gt er aus Prinzip eine Gesichtsmaske. Diese erm\u00f6glicht das schadstoff\u00e4rmere Atmen und verhindert gleichzeitig das Verteilen der eigenen Bazillen. Das Bild in den Stra\u00dfen sieht dementsprechend kurios aus, wenn die H\u00e4lfte der Menschen mit Masken \u00fcber dem Mund rumlaufen und keiner das auch nur in der geringsten Weise kurios findet. Auch im Sommer werden die Masken aufgesetzt, da sie wohl einen sehr guten Pollenschutz darstellen. Aufgrund ihrer Erk\u00e4ltung tr\u00e4gt Mayumi nun auch schon seit einer Woche eine derartige Maske. Aber weil sie Angst hatte, ich k\u00f6nnte ein Gespr\u00e4ch mit ihr mit Maske als unh\u00f6flich erachten, lie\u00df sie heute die Maske weg. Es ist nat\u00fcrlich nett, dass sie an mich denkt, aber wer w\u00e4re ich denn bitte, wenn ich einen Gegenstand verurteile, den sie selber als angenehm bei ihrer Erk\u00e4ltung empfindet. Leider gibt es aber den Fall viel zu h\u00e4ufig, dass Japaner zu viel dar\u00fcber nachdenken, was die Ausl\u00e4nder als Gast so denken. <\/p>\n<p>Ein anderes aktuelles Beispiel f\u00fcr diesen Fall ist mein B\u00fcro. Seit jeher wird mir Kaffee angeboten, wenn mal wieder eine Kanne gekocht wird und da ich kein Kaffeefan bin, lehne ich immer ab. Laut Rieko f\u00fchrte dieses Verhalten, trotz meines Hinweises, dass ich Kaffee nicht mag, zu Spekulationen unter den Studenten und meinem zweiten Betreuer, dass ich aus H\u00f6flichkeit ablehne, da ich nicht in die Kaffeekasse investiert habe. Seit kurzem wird deshalb gar nicht mehr gefragt, ob ich etwas trinken m\u00f6chte, sondern der Becher mit Kaffee landet einfach vor mir auf dem Tisch. Wie gesagt, diese Beispiele sind nur zwei von vielen, denn die Geschichte k\u00f6nnte man noch lange fortsetzen. Auf der einen Seite ist es nat\u00fcrlich sehr nett, wie man sich um uns Ausl\u00e4nder bem\u00fcht. Nur manchmal ist es wirklich seltsam, da einem immer das Gef\u00fchl gegeben wird, man ist jemand besonderes, um den man sich auch besonders Sorgen machen muss. Man wird halt nie so wirklich Teil der Gemeinschaft und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass sich dieser Umstand mit den Jahren bessert. Thomas best\u00e4tigt eigentlich auch des \u00f6fteren, dass dies nicht der Fall ist. Es gilt halt, einmal Gajin (Ausl\u00e4nder), immer Gajin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der Vorteile, wenn man eine Weile auf dem Dorf gelebt hat ist, dass man eine Erscheinung des Dorflebens ganz genau kennt &#8211; die Ger\u00fcchtek\u00fcche. G\u00f6ttingen, zwar eine Stadt, aber trotzdem nicht weit vom Dorfstatus entfernt, ist in diesem Zusammenhang nie wirklich besser gewesen. 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