{"id":2188,"date":"2010-11-24T19:08:25","date_gmt":"2010-11-24T17:08:25","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2188"},"modified":"2010-11-24T19:08:25","modified_gmt":"2010-11-24T17:08:25","slug":"machtspiele-im-nachbarland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2188","title":{"rendered":"Machtspiele im Nachbarland"},"content":{"rendered":"<p>Stell dir vor, es ist Krieg und keinen interessiert es. Bekannterweise hat gestern Nordkorea es mal wieder f\u00fcr n\u00f6tig erachtet, sich einmal mehr in der Weltpolitik in Erinnerung zu rufen. Um die s\u00fcdkoreanische Grenzregion zwischen Nord- und S\u00fcdkorea ist seit dem Bestehen des Konfliktes zwischen beiden Staaten ein Konflikt am Laufen, wer der rechtm\u00e4\u00dfige Besitzer sei. Um einmal mehr zu beweisen, dass Nordkorea der rechtm\u00e4\u00dfige Besitzer ist, hat das nordkoreanische Milit\u00e4r gestern ein paar Granaten auf dem laut eigener Ansicht eigentlich nordkoreanischen Besitz getestet, so jedenfalls die offizielle nordkoreanische Lesart. Dabei sind mehrere H\u00e4user in Brand geraten und die s\u00fcdkoreanische Armee wurde in erh\u00f6hte Alarmbereitschaft versetzt. Nat\u00fcrlich ist ein derartiger Zwischenfall ein gefundenes Fressen f\u00fcr die internationale Presse. Allerorts auf der Welt wurde die Nachricht verbreitet, dass ein Krieg zwischen den beiden L\u00e4ndern jetzt unausweichlich sein w\u00fcrde. Nat\u00fcrlich kann solch ein Krieg nicht nur auf ein Land beschr\u00e4nkt bleiben und dementsprechend \u00e4u\u00dferten sich auch die japanischen Vertreter zu diesem Thema und erkl\u00e4rten, dass Japan auf alle m\u00f6glichen Situationen vorbereitet sei. <\/p>\n<p>Was ergibt sich nun aus dieser Kombination von Aussagen? Laut internationaler Presse gibt es Krieg und die Japaner best\u00e4tigen ihre Bereitschaft, sich notfalls zu verteidigen. Nat\u00fcrlich verbreitet das Unsicherheit. Genau so sah es heute bei vielen internationalen Studenten hier in Sendai aus. Sei es durch die Eltern, die in irgendeinem fremden Land von der Problematik geh\u00f6rt hatten oder auch durch die Realisierung der N\u00e4he des Konfliktes. In Europa hat man zum Beispiel kaum ein Gebiet, in dem wirklich so nahe ein Krieg ausbrechen kann. Es war wirklich interessant anzusehen, wie sich einige wegen der Problematik wirklich einen riesen Kopf gemacht haben und wirklich nerv\u00f6s deswegen sind. Ganz anders sehen die Japaner die Problematik. Nat\u00fcrlich ist jedem die Nachricht zu Ohren gekommen. Mehr als ein Schulterzucken entlockt ein derartiges Ereignis den Menschen hierzulande aber schon lange nicht mehr. Wieso eigentlich auch? <\/p>\n<p>Deshalb mal eine allgemeine Standortbestimmung f\u00fcr die daheim gebliebenen, die das Kriegswort mittlerweile in der Presse gesehen haben: Das Ereignis, das gestern die Titelseiten vieler Internetportale schm\u00fcckte, ist eigentlich eine nordkoreanische Provokation, die in \u00e4hnlicher Form seit Jahren so stattfinden. Schon deshalb nimmt kaum ein Japaner diese Geschichten noch so wirklich ernst. Die japanischen Zeitungen fanden es nicht einmal n\u00f6tig, mehr als eine Randnotiz im Politikteil dar\u00fcber zu schreiben. Nordkorea f\u00e4hrt diese Schiene seit Jahren, was auch schon zu vereinzelten Scharm\u00fctzeln mit den Nachbarl\u00e4ndern wie Japan gef\u00fchrt hat. Man spekuliert darauf, dass entweder gar nichts passiert, da man einen Krieg mit Atombomben oder dem nordkoreanischen B\u00fcndnispartner China f\u00fcrchtet oder dass zur Beendigung derartiger Angriffe Zugest\u00e4ndnisse der restlichen L\u00e4nder gemacht werden. Sollte es aller Erwartungen zum Trotz dann doch zu einem Krieg kommen, w\u00e4re Japan mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auch betroffen. Aber die allgemeinen Vorbereitungen auf einen derartigen Ernstfall finden hierzulande schon seit Bestehen Nordkoreas statt und f\u00fchren nicht zuletzt zu einem 10 Milliarden h\u00f6heren Budget der japanischen Selbstverteidigungstruppen im Vergleich zur Bundeswehr. Trotzdem ist die Lage aber bei weitem nicht so schlimm, wie es in Europa und der restlichen Welt momentan aussehen mag, deshalb braucht sich eigentlich keiner wirklich Sorgen machen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite habe ich mich heute nicht nur mit Weltpolitik besch\u00e4ftigt, auch wenn das S\u00e4belrasseln ein gute Motivation war, sich einmal genauer mit der japanischen Au\u00dfenpolitik seit dem zweiten Weltkrieg zu besch\u00e4ftigen. Trotzdem blieb der Tag ziemlich ruhig. Mit Shimizu und Yokoyama verbrachte ich heute einige Zeit und wir verbesserten ein wenig ihre Deutschkenntnisse. Unter anderem besuchten wir so die Mensa. Japanische K\u00fcche kann auf jeden Fall interessant sein. Neunzig Prozent der angebotenen Sachen w\u00fcrde in Deutschland sowieso keinen Abnehmer finden, aber einige Sachen w\u00e4ren auch einfach verboten. Ein halb gekochtes Ei aufgeschlagen und auf einem Teller serviert, ist schon leicht gegen deutsche Gesundheitsbestimmungen. Dass es dann aber noch erlaubt ist, das Ei in der Auslage zu postieren, bis nach ewigen Zeiten endlich ein Kunde sich des Eies annimmt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Diese Frage ergibt sich insbesondere, weil in diesem Land der Verzehr frischen Metts nicht erlaubt ist, da das zust\u00e4ndige Gesundheitsamt die Gefahr der Verunreinigung des Fleisches als zu hoch einsch\u00e4tzt. Diese Beobachtungen lassen sich noch auf andere Lebensmittel fortsetzen. Aber egal, ich bin in Japan, dann wird so etwas nat\u00fcrlich auch gegessen und es schmeckt erschreckenderweise auch noch gut. Wirklich billig ist die Mensa zwar nicht, aber schmackhafter als die meisten deutschen Mensen, die ich kenne, ist sie alle Male.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stell dir vor, es ist Krieg und keinen interessiert es. Bekannterweise hat gestern Nordkorea es mal wieder f\u00fcr n\u00f6tig erachtet, sich einmal mehr in der Weltpolitik in Erinnerung zu rufen. 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