{"id":2159,"date":"2010-11-19T23:02:15","date_gmt":"2010-11-19T21:02:15","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2159"},"modified":"2010-11-19T23:02:15","modified_gmt":"2010-11-19T21:02:15","slug":"die-verschollene-tutorin-lebt-noch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2159","title":{"rendered":"Die verschollene Tutorin lebt noch!"},"content":{"rendered":"<p>Ja, sie lebt noch! Nach \u00fcber dreimonatiger Abwesenheit ist sie wieder aufgetaucht, meine Tutorin Kaori. Shimizu hatte mir zwar versichert, dass er geh\u00f6rt hat, dass sie noch existiert, aber aufgetaucht ist sie in der ganzen Zeit kein einziges Mal. Und ich h\u00e4tte es mitbekommen m\u00fcssen, schlie\u00dflich bin ich die meiste Zeit des Tages im B\u00fcro. Aber gut, zugegebenerma\u00dfen schreibt sie gerade ihre Bachelorarbeit und ist dadurch ziemlich eingebunden und als Tutorin ben\u00f6tige ich ihre Dienste auch ziemlich selten, denn bekannterweise habe ich zwei Leute gefunden, die diesen Job viel effektiver und dazu noch hundertprozentig freiwillig machen &#8211; Shimizu und Rieko. Wegen mir ist sie aber eigentlich auch nicht wirklich wieder aufgetaucht, sondern mehr wegen eines Vortrags \u00fcber ihre Bachelorarbeit, aber wenigstens konnte ich mich ein wenig mit ihr unterhalten. <\/p>\n<p>Bevor wir uns aber unterhalten konnten, kam f\u00fcr mich erst einmal die gro\u00dfe \u00dcberraschung. Ich wollte ins B\u00fcro gehen und zwanzig Augenpaare starrten mich aus dem komplett \u00fcberf\u00fcllten B\u00fcro an. Das war der perfekte Zeitpunkt f\u00fcr einen strategischen R\u00fcckzug. Woher konnte ich auch ahnen, das die allw\u00f6chentliche Vortragsreihe dieses Mal im B\u00fcro vorgenommen wird. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte ich zuh\u00f6ren k\u00f6nnen, aber wieso sollte ich. Das B\u00fcro war komplett \u00fcberf\u00fcllt und deutsche Literatur ist nicht gerade das Nummer eins Thema auf meiner Interessenliste, besonders wenn es f\u00fcnf Referate auf Japanisch \u00fcber das Thema gibt. In solchen Situationen ist dann ein R\u00fcckzug doch angebrachter, ich brauche ja zum Gl\u00fcck das B\u00fcro nicht, um meine Forschungen voran zu treiben. Zum Gl\u00fcck kenne ich eine sehr nette Dame, die nur wenige Meter weiter ein eigenes Magisterb\u00fcro hat und freundlich genug ist, einem armen Deutschen Asyl zu bieten. Kurzerhand ging es zu Rieko. Als Bezahlung durfte ich einige Texte f\u00fcr sie \u00fcbersetzen, aber das ist zum Gl\u00fcck das kleinste Problem f\u00fcr mich. Ein wenig Smalltalk und die Forschungen konnten endlich beginnen. Interessant war auf jedem Fall bei dem Smalltalk, dass in Japan die erh\u00f6hte Terrorgefahrenstufe in Deutschland ein Thema ist. Normalerweise ist Japan an Neuigkeiten aus dem Ausland interessiert wie an der sprichw\u00f6rtlichen Wasserstandsmeldung vom Nil. Europa ist zwar noch interessanter als die eigenen Nachbarl\u00e4nder. Diese L\u00e4nder werden nur mit Schlagzeilen bedacht, wenn bedeutende Dinge gegen Japan geschehen, wie z.B. ein Atombombentest. Dass aber eine einfache Warnung wegen erh\u00f6hter Terrorgefahr das japanische Festland erreicht, ist schon ziemlich selten und absolut atypisch. Immerhin ist das kollektive Desinteresse an au\u00dferjapanischen Problemen seit Ende des zweiten Weltkrieges immer weiter gepflegt worden. Auf jeden Fall durfte ich deshalb heute mehreren Leuten Fragen \u00fcber die aktuelle Situation in Deutschland beantworten.<\/p>\n<p>So ein B\u00fcro ist aber wirklich eine sch\u00f6ne Sache und fehlt uns in Deutschland wirklich. Wir haben ja schon keinen normalen Treffpunkt f\u00fcr alle Studenten der Studienrichtung, aber so ein Studienzimmer nur f\u00fcr das Schreiben von Arbeiten w\u00e4re schon eine anst\u00e4ndige Sache. Das von mir letzte Woche erbeutete Buch \u00fcber das Japanisch-Deutsche Verh\u00e4ltnis in der Nachkriegszeit erweist sich auf jeden Fall immer mehr als Goldgrube. Ein derartiges Werk \u00fcber die Beziehungen und eigenst\u00e4ndigen Entwicklungen h\u00e4tte ich mir schon viel fr\u00fcher gew\u00fcnscht, aber ich will mich ja nicht beschweren, lieber sp\u00e4t als nie. So vergingen die Stunden und um 18.30 Uhr rief endlich Shimizu an &#8211; die Referatsreihe war beendet. Endlich konnte ich mein wirkliches B\u00fcro wieder betreten. Auf Anhieb versuchte ich erst einmal, etwas Schokolade zu verteilen, aber Bitterschokolade trifft wohl auch nicht den Geschmack der Japaner. Am besten gefiel mir noch die Antwort nach dem probieren: K: ?Was ist das?? &#8211; R: ?Bitterschokolade.? &#8211; K:  ?Ach so, die ist ja bitter.? ? R: ?Kein Wunder, das impliziert ja schon der Name?.? Der einzige, dem es uneingeschr\u00e4nkt geschmeckt hat, konnte nat\u00fcrlich kein anderer als Shimizu sein, der isst einfach alles.<\/p>\n<p>Die Gegenleistung konnte sich aber sehen lassen. Da ich noch etwas schaffen wollte, war ich zu sp\u00e4terer Stunde noch da. Zu dieser Zeit wurde ich von meinem zweiten Betreuer auf Japanisch angesprochen. Ich habe wegen der \u00dcberraschung zwar kaum etwas verstanden, nickte aber erst einmal aus Prinzip. Das aus Prinzip nicken ist nebenbei eine schlechte Angewohnheit, irgendwann verkaufe ich mal etwas wichtiges auf dem Weg oder dergleichen. Wie sich herausstellte, wurde Sushi in der nahen Sushibar in das Department bestellt. Zu allem \u00dcberfluss musste ich noch nicht einmal zahlen, obwohl ich es gerne gemacht h\u00e4tte. Das Sushi brauchte zwar eine Stunde, bis es da war, aber im Kreis der Mitstudenten und des Betreuers macht das Essen doch gleich doppelt so viel Spa\u00df. Gleichzeitig existiert die M\u00f6glichkeit, sich ein wenig auszutauschen und noch weiter in die Gemeinschaft des Departments aufgenommen zu werden. Es ist einfach eine Schande, dass derartige Abende in G\u00f6ttingen unm\u00f6glich sind. Auf jeden Fall muss ich ab jetzt freitags immer l\u00e4nger in der Uni bleiben. Letzte Woche kostenlose Pizza und diesmal Sushi, was will das Herz (eigentlich der Magen) mehr?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, sie lebt noch! Nach \u00fcber dreimonatiger Abwesenheit ist sie wieder aufgetaucht, meine Tutorin Kaori. Shimizu hatte mir zwar versichert, dass er geh\u00f6rt hat, dass sie noch existiert, aber aufgetaucht ist sie in der ganzen Zeit kein einziges Mal. Und ich h\u00e4tte es mitbekommen m\u00fcssen, schlie\u00dflich bin ich die meiste Zeit des Tages im B\u00fcro. &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2159\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2159"}],"collection":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2159"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2159\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2162,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2159\/revisions\/2162"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}