{"id":2140,"date":"2010-11-16T17:09:43","date_gmt":"2010-11-16T15:09:43","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2140"},"modified":"2010-11-16T17:36:32","modified_gmt":"2010-11-16T15:36:32","slug":"neulich-im-sprachkurs-wie-falte-ich-noch-mal-einen-kranich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2140","title":{"rendered":"Neulich im Sprachkurs &#8211;  wie falte ich noch mal einen Kranich?"},"content":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr ein Tag! Ein Kampf gegen die H\u00e4nde, japanische K\u00fcchenspionage und dann mit dem Rad auf der Schnellstra\u00dfe unterwegs, aber der Reihe nach: <\/p>\n<p>Bekannterweise haben die Sprachkurse ja wieder angefangen und ich bin wieder im Kurs von Frau Abe gelandet. Heute konnte ich diesem auch endlich mal beiwohnen und fragte mich gleich, ob ich nicht doch im falschen Raum gelandet bin. Eine der ersten Aufgaben des Tages bestand daraus, ein Origami, eine Papierfalterei, herzustellen. Schon das Wort Origami l\u00e4sst mich erzittern. Mit Schaudern denke ich daran zur\u00fcck, wie mir bei chinesischer Kalligrafie in G\u00f6ttingen versucht wurde, das kunstvolle Falten n\u00e4her zu bringen. Schlecht nur, dass es in einer Geschwindigkeit stattfand, dass keiner der Anwesenden folgen konnte und ich so schon wieder alles verdr\u00e4ngt habe. Was Origami mit einem Japanisch-Kurs zu tun hat, nur um der Frage schon mal entgegen zu treten, ich habe keine Ahnung. Vermutlich versteht man durch das Falten die Sprache besser. Bei mir hat es, wenn auch aus anderen Gr\u00fcnden, ganz gut geklappt. <\/p>\n<p>Unsere Klasse besteht aus f\u00fcnfzehn Leuten, die kurzerhand in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Da Asiaten bekanntlicherweise in der Kunst des Origamis doch etwas geschulter sind als Europ\u00e4er, wurden die Asiaten auf die einzelnen Gruppen aufgeteilt und sollten das Vorgehen erkl\u00e4ren. Ich landete in einer reinen M\u00e4nnergruppe, wo der einzige Asiat, ein Koreaner, nat\u00fcrlich keine Ahnung hatte, was zu tun ist. Also hielten wir Kriegsrat. Zwei Nordafrikaner holten die I-Phones heraus und kurzerhand wurde im Internet eine bebilderte Bauanleitung gesucht. Die anderen hatten derweil schon angefangen. Aber sollen die anderen sich doch mit Kunstwerken wie Schnecken oder Blumen abm\u00fchen, wir sind froh, wenn wir einen Kranich hinbekommen. Gleichzeitiges Bauen kam f\u00fcr uns eh nicht in Frage und ein T\u00fcrke und ich interpretierten die Bauanleitung, w\u00e4hrend ein Libyer unsere Beschreibungen in die Tat umsetzte. O.k., wir bekamen zwar nur drei Kraniche und das unter vielen Fl\u00fcchen (auf japanisch nat\u00fcrlich, so viel Zeit muss sein, wir waren ja schlie\u00dflich im Japanisch-Kurs) fertig, aber die anderen werden uns schon nicht so weit voraus sein. Dachten wir jedenfalls. Nat\u00fcrlich hatten die anderen in der Zeit allesamt irgendwelche Kunstwerke fertig und die einzigen, die nichts vorzuweisen hatten, waren der T\u00fcrke und ich, die einzigen Europ\u00e4er des Kurses. Wo ist bitte der Gleichstellungsbeauftragte, ich f\u00fchle mich benachteiligt. Um der Schande zu entgehen beschlossen wir, unsere halb fertigen Ans\u00e4tze als moderne Kunst zu verkaufen und der T\u00fcrke bastelte kurzerhand Papierschiffe aus ihnen. In Europa ist das schlie\u00dflich das einzige bekannte Origami und wir wollten uns doch vor den Asiaten nicht mit unseren wirklichen F\u00e4higkeiten blamieren???. <\/p>\n<p>Nach dieser Peinlichkeit wurde der Kurs aber auch nicht besser. Der n\u00e4chste Plan von Frau Abe war es, uns Kochrezepte aufschreiben zu lassen. Normalerweise w\u00e4re das ein klassischer Fall von Nudeln in Topf schmei\u00dfen, passierte Tomaten in anderen Topf und am Ende nach dem Kochen alles mixen. Im Lichte der Tatsache, dass die ganzen Asiaten im Kurs auf einmal aber anfingen, die gro\u00dfen Rezepte herauszuholen und die Herstellung von chinesischen Spezialit\u00e4ten oder Kimuchi erkl\u00e4rten, wollte ich diesen Versuchen aber in nichts nachstehen. Was g\u00e4be es auch besseres, als einen Bulgurauflauf zu beschreiben? Vieles, wo die Zutaten in Japan bekannt sind, aber das wurde mir erst sp\u00e4ter klar. Es wurde eine Heidenarbeit und ich brauchte nat\u00fcrlich am l\u00e4ngsten. Daf\u00fcr nahm meine Lehrerin es pers\u00f6nlich an und lie\u00df sich alles erkl\u00e4ren, machte Anmerkungen \u00fcber die Anzahl von einigen Zutaten und wann es zu pfeffern und salzen ist auf das Blatt und nahm es mit nach Hause unter der Bemerkung, h\u00f6rt sich lecker an. So kann man auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Studenten sind besch\u00e4ftigt, \u00fcben die Sprache und als Lehrer hat man einmal im Semester ca. zwanzig neue Rezepte zu Hause rumfliegen.<\/p>\n<p>Abends galt es f\u00fcr mich dann noch einmal kurz zum Fanshop von Vegalta zu fahren, schlie\u00dflich fehlten mir noch die Karten f\u00fcr die n\u00e4chsten Spiele. Ich kann nur sagen, japanischer Stra\u00dfenverkehr ist wirklich interessant. Ich folge in Seelenruhe einem Fahrradweg, der auf einmal auf die Stra\u00dfe m\u00fcndet. Kein Problem, also geht es halt auf der Stra\u00dfe weiter, die \u00fcberraschenderweise f\u00fcr den Stadtteil in einem wunderbaren Zustand ist. Warum das so ist, wird mir 200 Meter weiter klar. Auf dem Stra\u00dfenschild, das die n\u00e4chste Gabelung erkl\u00e4rte, wurde meine Stra\u00dfe doch wirklich als Schnellstra\u00dfe 35 angegeben. So ein Warnschild am Ende des Fahrradweges w\u00e4re doch mal nett gewesen, aber zum Gl\u00fcck waren die Autofahrer eh vorsichtig, wenn sie mich gesehen haben. Mich w\u00fcrde ja mal interessieren, ob es schon eine Radiomeldung gab: ?Gefahr auf der Schnellstra\u00dfe 35, verr\u00fcckter Gajin auf dem Fahrrad unterwegs!?? So unverhofft die Stra\u00dfe auch angefangen hatte, h\u00f6rte sie dann aber auch wieder auf und ich befand mich auf einmal wieder auf einer normalen Stadtstra\u00dfe. Viel besser wurde es mit dem Stra\u00dfenverkehr dort aber auch nicht. Ich musste an einer Ampel an dieser viel befahrenen Stra\u00dfe die Stra\u00dfe \u00fcberqueren. Normalerweise wartet man, flucht etwas, dass die Ampel zu lange rot ist und \u00fcberquert dann die Stra\u00dfe. Was macht man aber, wenn die Autofahrer anhalten und einen r\u00fcber lassen wollen? Beim ersten Mal konnte ich den Fahrer ja noch weiter winken und auf die Ampel aufmerksam machen, der vierte Fahrer wartete dann aber auf einmal stur und es entwickelte sich schon ein kleiner Stau. Entnervt gab ich auf und \u00fcberquerte die Ampel halt bei rot, was macht man nicht alles f\u00fcr die Japaner. Man merke sich also, japanischer  Verkehr ist immer f\u00fcr eine \u00dcberraschung gut. Man stelle sich mal so ein Anhalten in Deutschland vor. Die Wahrscheinlichkeit daf\u00fcr ist wohl ziemlich gering.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr ein Tag! Ein Kampf gegen die H\u00e4nde, japanische K\u00fcchenspionage und dann mit dem Rad auf der Schnellstra\u00dfe unterwegs, aber der Reihe nach: Bekannterweise haben die Sprachkurse ja wieder angefangen und ich bin wieder im Kurs von Frau Abe gelandet. 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