{"id":2100,"date":"2010-11-13T00:38:40","date_gmt":"2010-11-12T22:38:40","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=2100"},"modified":"2010-11-13T00:38:40","modified_gmt":"2010-11-12T22:38:40","slug":"umzugshilfe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=2100","title":{"rendered":"Umzugshilfe"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Freitag, in der Uni erwartet mich keiner und die Eltern haben sich auf den Heimweg gemacht. Das ist der perfekte Zeitpunkt, um ein wenig auszuschlafen und sich dann dem Ernst des Lebens zu widmen. Ein sch\u00f6ner Plan, wenn er denn umsetzbar gewesen w\u00e4re. Irgendwie hat die Welt Wind davon bekommen, dass ich wieder in Sendai bin und ab 6 Uhr morgens stand mein Handy nicht still. Egal, bekannterweise ist Schlaf eh \u00fcberbewertet und wenn ich eh einmal wach bin, kann ich auch etwas sinnvolles machen. Also ging es in die Stadt, Besorgungen machen und anschlie\u00dfend mit einem Kumpel mittags in die Mensa. Da die Mensa genau an meiner Fakult\u00e4t liegt, kann man da ja auch mal vorbei schauen. Zwar wurde mir letztens erst ziemlich klar gemacht, dass meine Anwesenheit freitags nicht notwendig sei, da die stattfindenden Vortr\u00e4ge uninteressant seien, aber das ist ja kein Hindernis und man muss sich ja mal selber ein Bild machen.<\/p>\n<p>Damit fing mein Tag eigentlich erst richtig an. Als erstes galt es, die Vortragsreihe zu verfolgen. Zwar verstand ich nicht alles, aber da es um Comics und Musik in Deutschland ging, waren die Referate schon einsch\u00e4tzbar. Die Frage ist nur, was soll man dazu sagen. Die Referate waren ziemlich fragw\u00fcrdig und man merkte, wie selten die Referenten Pr\u00e4sentationen vortragen m\u00fcssen. Die erste Referentin ging sogar so weit, unbewusst den ganzen Vortrag \u00fcber einen Kugelschreiber auf den Fingern zu jonglieren. Kritik am Inhalt der Referate gab es zwar keine, berechtigt w\u00e4re sie aber bei beiden gewesen. Aus meiner Sicht mangelte es sowohl an der Vortragsweise, der Pr\u00e4sentation und teilweise auch am Inhalt. So hatte der zweite Referent als Thema Heavy Metal. Als Kulturwissenschaftler ist das Thema schon in Ordnung, trotzdem kann ich zum Erstellen eines Referats \u00fcber die Neuzeit kein \u00fcber 12 Jahre altes Buch als Hauptquelle verwenden. Im Endeffekt verstehe ich jetzt meinen Professor als er meinte, ich solle bei den Referaten nicht erscheinen. Wenigstens dauerten sie aber nicht (wie normal) 4 Stunden. <\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend an die Referate wurde etwas auf Japanisch gesagt, was ich nicht verstand. Nur die Bemerkung, dass ich der Assistent der deutschen Professorin sei, fand ich leicht seltsam. Bevor so etwas geschieht, h\u00e4tte ich gerne die Bezahlung gekl\u00e4rt und jemanden, der mir davon pers\u00f6nlich berichtet, was zu tun ist. Wie sich herausstellte, war der Hauptteil der Neuigkeit die Aufforderung, beim Ausr\u00e4umen eines Raumes zu helfen. Ich bekam es zwar nicht mit, als es dann aber zum helfen ging, ging ich einfach mit. Wie sich herausstellte, war ein Gro\u00dfteil des Jobs das Kistenschleppen. F\u00fcr Shimizu und mich war das kein Problem, hatten wir vorher doch gerade mit Grasovka angesto\u00dfen. Meine Eltern hatten diesen mitgebracht, damit Shimizu endlich mal anst\u00e4ndigen Wodka und nicht das japanische Panschzeug trinkt. Beim Helfen passierte mir dann aber leider ein Malheur. Auf Japanisch erkl\u00e4re mein oberster Professor, dass wir uns an allen B\u00fcchern bedienen k\u00f6nnten. Da ich mir aber nicht sicher war, befragte ich die anderen und verpasste deshalb ein 1950er Buch \u00fcber den Verfall und Fall des r\u00f6mischen Empires. Diese Werksammlung h\u00e4tte ich auch gerne gehabt. Den alten Besitzer des Ganzen kann das auch nicht st\u00f6ren, da dieser vor 2 Jahren verstarb und bis heute das Zimmer nur als Ablage genutzt wurde. Aus diesem Grund durfte man auch keine Staublunge haben, die Sachen waren nach zwei Jahren auch nicht mehr im besten Zustand. Nach zwei Stunden r\u00fccken, lag auf einmal ein Schatz vor mir. Japan und Deutschland nach dem Weltkrieg. Eine unsch\u00e4tzbare Publikation, die laut Register auch nie im allgemeinem Buchhandel erschienen ist. F\u00fcr meine momentanen Forschungen sollte das Buch aber auf jeden Fall hilfreich sein. Das solche Sch\u00e4tze zwischen Diskettentaschen und verstaubten B\u00fcchern liegen, hatte auch keiner gewusst. Trotzdem verlie\u00dfen wir alle den Raum mit vielen B\u00fcchern in der Hand und bekamen vom obersten Chef sogar noch Pizza spendiert. Seit wann eine Pizza Margarita aber Noribl\u00e4tter drauf hat, ist mir noch nicht ganz klar, aber solange es schmeckt. Insgesamt blieben wir so bis 22.00 Uhr im B\u00fcro. Man stelle sich so ein Verhalten an einem Freitag in der Uni in G\u00f6ttingen vor. Die Meisten machen freitags ja noch nicht einmal Unterricht und hier sitzt man noch ewig zusammen. <\/p>\n<p>Highlight war aber eigentlich der Nachhauseweg mit Shimizu. Da er viel zu viele B\u00fccher hatte, half ich ihm beim Hochtragen und sah so das erste Mal eine japanische Studentenwohnung. Und was soll ich sagen? Ich bin neidisch! Er hat ein gr\u00f6\u00dferes Zimmer mit sehr moderner K\u00fcche. Schlafen tut er im Tatamiraum nebenan, wo er auf der Tatamimatte am Boden schl\u00e4ft. Die Wohnung war auf jeden Fall perfekt f\u00fcr ihn alleine geeignet, auch wenn seine riesige CD-Sammlung eigentlich impliziert, dass er mit mehreren Leuten zusammenlebt. Nein, das Zimmer war auf jeden Fall genial und genau das, was ich mir sp\u00e4ter in G\u00f6ttingen w\u00fcnsche. Gerade solche Informationen, wie die Lebensweise der Japaner, haben den Tag f\u00fcr mich interessant gemacht und nat\u00fcrlich die Tatsache, B\u00fccher kassiert zu haben, auch wenn einige B\u00fccher zu sp\u00e4t kamen, um noch Besitzrechte darauf anzumelden. Da die Publikation aber nie in Deutschland erschienen ist, stellt sie f\u00fcr mich einen sehr interessanten Punkt f\u00fcr weitere Forschungen dar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Freitag, in der Uni erwartet mich keiner und die Eltern haben sich auf den Heimweg gemacht. Das ist der perfekte Zeitpunkt, um ein wenig auszuschlafen und sich dann dem Ernst des Lebens zu widmen. Ein sch\u00f6ner Plan, wenn er denn umsetzbar gewesen w\u00e4re. 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