{"id":1849,"date":"2010-10-18T20:30:30","date_gmt":"2010-10-18T18:30:30","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=1849"},"modified":"2010-10-18T20:30:30","modified_gmt":"2010-10-18T18:30:30","slug":"die-japanischen-backereien-und-der-japanische-geschmack","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=1849","title":{"rendered":"Die japanischen B\u00e4ckereien und der japanische Geschmack"},"content":{"rendered":"<p>Wie kann man so etwas nur essen? Diese Frage bekomme ich regelm\u00e4\u00dfig von Japanern gestellt, besonders wenn die von mir mitgebrachten S\u00fc\u00dfigkeiten mal wieder Lakritze enthalten. Gerade letztere kann ich mit Ausnahme von Shimizu niemandem vorsetzen. Aber auch andere deutsche Dinge sind laut Aussage meiner Freunde und Kommilitonen in Deutschland anders. Besonders behaupteten mittlerweile schon drei japanische Deutschlandreisende, darunter auch Rieko heute wieder, die Schokolade in Deutschland sei s\u00fc\u00dfer als in Japan. Damit haben sie einen wunden Punkt bei mir getroffen. Ich gebe zu, ich habe eine gewisse Neigung zur japanischen K\u00fcche. Die Tatsache, das alle Zutaten ihren Eigengeschmack behalten sollen, spricht mich genau so an, wie das Bevorzugen des urspr\u00fcnglichen, also rohen Geschmackes der Nahrungsmittel. Nat\u00fcrlich ist der geringe Fettanteil japanischer Kost und der hohe Reisverbrauch f\u00fcr mich perfekt geeignet. Aber es gibt auch Dinge, die mich st\u00f6ren und mit der Schokoladenbehauptung wurde ein extrem wunder Punkt bei mir angesprochen &#8211; die S\u00fc\u00dfe. In Deutschland nehme ich meist nur schwarze Schokolade zu mir und auch ansonsten verzichte ich gerne auf zu s\u00fc\u00dfe Lebensmittel. Hier in Japan ist das leider nicht m\u00f6glich. Etwas zu essen ist dann erst gut, wenn es in einen Topf Zucker gefallen ist. Das mag drastisch klingen, entspricht aber meinen Erfahrungen und nat\u00fcrlich auch den Erfahrungen der neuen Studenten. <\/p>\n<p>So geschah es heute, dass ich in eine B\u00e4ckerei ging. Dazu muss man sagen, japanische B\u00e4ckereien sind kaum mit B\u00e4ckereien europ\u00e4ischer Natur zu vergleichen. Das Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf Kuchen und Sonderarten wie mit Fleisch gef\u00fcllte Br\u00f6tchen oder Nudelbaguette. Echte Br\u00f6tchen oder gar Brote findet man gar nicht oder nur in ganz seltenen F\u00e4llen. Trotzdem versuche ich in wechselnden Abst\u00e4nden, wenigstens mal ein bisschen Brot zu mir zu nehmen. Um so \u00fcberraschter war mein Gesichtsausdruck, als ich heute einen meiner Stammb\u00e4cker betrat. Diesen besuche ich schon fast regelm\u00e4\u00dfig und die Mitarbeiter haben mittlerweile sogar kapiert, dass sie, wenn ich komme das Gekaufte nicht vier mal einpacken m\u00fcssen, ich esse es eh meist gleich. Als ich auf jeden Fall den Laden betrat dachte ich, ich phantasiere. Vor mir lag ein wirklicher Brotkanten. <div id=\"attachment_1850\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1850\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/5772531.de.strato-hosting.eu\/cgi-data\/weblog_basic\/uploads\/2010\/10\/imgp2669-200x150.jpg\" title=\"Japanisches Brot\" width=\"200\" height=\"150\" class=\"size-medium wp-image-1850\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/imgp2669-200x150.jpg 200w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/imgp2669-150x112.jpg 150w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/imgp2669-300x225.jpg 300w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/imgp2669.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><p id=\"caption-attachment-1850\" class=\"wp-caption-text\">echtes Brot?<\/p><\/div>Eine Fatamorgana, eindeutig! Nein, ich konnte es ber\u00fchren und es war wirklich da. Das kann nicht stimmen, also zur Sicherheit schnell den Namen der Fatamorgana \u00fcberpr\u00fcft. Ein franz\u00f6sisches Brot, nach echt franz\u00f6sischem Rezept. Gut, kein deutsches Brot, aber unsere Nachbarn haben ja nicht so einen anderen Geschmack, das wird schon passen. Die Farbe des Brotes ist dunkel, die Kruste hart, es k\u00f6nnte wirklich ein echtes Brot sein. Schnell noch den Preis \u00fcberpr\u00fcfen und dann los. Halt, diese exorbitanten Preise k\u00f6nnen doch nicht war sein? \u00dcber 6 Euro f\u00fcr ein ganzes Laib Brot von im Idealfall 1 kg Gewicht, das ist happig. Zum Gl\u00fcck bietet man auch halbe und viertel Leibe an, das kann man ja mal machen. Ob ich die Yen nun vertrinke oder in so etwas investiere f\u00e4llt ja auch nicht auf. Gleichzeitig beweist der hohe Preis, dass es sich um etwas besonderes handeln muss. Also wurde ein viertel Leib gekauft und nach einem sehr langen Tag im B\u00fcro ging es nach Hause. Schnell das Messer heraus und gekostet. Der Geruch und die Konsistenz scheint auch zu passen, also &#8222;Itadakimasu!&#8220; (japanischer Ausruf f\u00fcr &#8222;Danke f\u00fcrs Essen&#8220;, wird als \u00c4quivalent f\u00fcr &#8222;Guten Appetit&#8220; verwendet.). Die Freude hielt nicht lange, denn der erste Biss bewies, das Brot mag zwar nach einem franz\u00f6sischen Rezept sein, an einer besonderen Stelle wurde das Rezept aber dem japanischen Geschmack angepasst. Das ansonsten wirklich nahezu perfekte Brot war total s\u00fc\u00df. Also nicht nur ein wenig s\u00fc\u00df, man k\u00f6nnte meinen, es befindet sich eine Zuckerschicht als Aufstrichersatz auf dem Brot. Das Brot war extremst \u00fcberzuckert und f\u00fcr jemanden, der durch das \u00c4u\u00dfere andere Vermutungen hatte, fast ungenie\u00dfbar. Egal, der Versuch war es mir wert, doch irgendwie verstehe ich die Japaner doch nicht. Dass man alles extremst s\u00fc\u00df essen muss sehe ich ja noch mit etwas Fantasie ein, aber wie kann man bitte noch behaupten, in Deutschland w\u00e4ren Sachen s\u00fc\u00dfer? Mir w\u00fcrde momentan kein einziges Lebensmittel einfallen, was in Deutschland s\u00fc\u00dfer ist als in Japan. Hierzulande sind selbst Naturjogurts extremst gezuckert und bei der normalerweise wirklich gro\u00dfen Auswahl befindet sich meist genau einer, der normal ist. Aber immerhin gibt es einen, deshalb werde ich meine Versuche bei dem Brot auch nicht aufgeben. Irgendwie finde ich schon eins, was dann hoffentlich auch bezahlbar ist. Bis dahin werde ich im B\u00fcro wohl noch ein wenig \u00dcberzeugungsarbeit leisten m\u00fcssen. Mal schauen, was die Leute zu etwas Herrenschokolade sagen. Wenn da auch noch \u00fcber die S\u00fc\u00dfe gemeckert wird, verliere ich den Glauben an meine Kollegen, besonders da dunkle Schokolade hierzulande noch genauso s\u00fc\u00df ist, wie Milchschokolade in Deutschland.<\/p>\n<p>Ansonsten als Randnotiz muss ich feststellen, dass ich meine Kollegen einfach liebe. Nachdem ich letzte Woche zu der Veranstaltung meines B\u00fcros nicht eingeladen war und aus Zeitgr\u00fcnden deshalb auch nicht erschienen bin, hat Shimizu sich daf\u00fcr eingesetzt, dass ich zur n\u00e4chsten Veranstaltung eingeladen werde. Deshalb habe ich heute von meinem zweiten Betreuer eine offizielle Einladung zu diesen Seminaren, die wohl Kolloquien in Deutschland \u00e4hneln, erhalten. Nat\u00fcrlich, wenn man eine Einladung erh\u00e4lt, geht man auch hin dachte ich mir und sagte zu. Die Reaktion lie\u00df mich dann aber doch etwas zweifeln. Ob ich mir das denn gut \u00fcberlegt h\u00e4tte? Das geht immer mehrere Stunden und ist meist extremst langweilig, im Vertrauen w\u00fcrde er mir dringendst davon abraten. Was macht man in solchen F\u00e4llen? Ich habe mir mit Verweis auf meine anderen Verpflichtungen erst einmal eine Bedenkzeit erbeten und werde mir bis zum Ende der Woche eine Antwort \u00fcberlegen. Eventuell kann ich mich immer, wenn ich mich danach f\u00fchle, auch einfach so hinein setzen, ohne dass ich offiziell eingeladen bin. Dann h\u00e4tte die M\u00f6glichkeit, das Seminar einmal auszutesten und wenn es gar nichts ist, k\u00f6nnte ich es dann ohne Probleme abbrechen. Ich werde mal mit meinem Betreuer sprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann man so etwas nur essen? Diese Frage bekomme ich regelm\u00e4\u00dfig von Japanern gestellt, besonders wenn die von mir mitgebrachten S\u00fc\u00dfigkeiten mal wieder Lakritze enthalten. Gerade letztere kann ich mit Ausnahme von Shimizu niemandem vorsetzen. 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