{"id":1733,"date":"2010-10-08T17:04:36","date_gmt":"2010-10-08T15:04:36","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=1733"},"modified":"2010-10-08T17:07:28","modified_gmt":"2010-10-08T15:07:28","slug":"religion-und-rock-live-in-sendai","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=1733","title":{"rendered":"Religion und Rock &#8211; Live in Sendai"},"content":{"rendered":"<p>Morgens halb zehn in Japan&#8230; W\u00e4hrend im fernen Deutschland angeblich alle gerade eine Pause machen (wenn man der Werbung glauben darf), fangen die Japaner gerade erst richtig an zu arbeiten. Da mir noch einige Kleinigkeiten f\u00fcr morgen fehlten, ging es heute sehr fr\u00fch in die Innenstadt. Pl\u00f6tzlich war aus der Entfernung ein Klopfen zu h\u00f6ren, was konnte das sein? <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/5772531.de.strato-hosting.eu\/cgi-data\/weblog_basic\/uploads\/2010\/10\/imgp1868-klein-168x225.jpg\" alt=\"M\u00f6nch\" title=\"M\u00f6nch\" width=\"168\" height=\"225\" class=\"alignright size-large wp-image-1737\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/imgp1868-klein-168x225.jpg 168w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/imgp1868-klein-84x113.jpg 84w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/imgp1868-klein-112x150.jpg 112w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/imgp1868-klein.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 168px) 100vw, 168px\" \/> Wie sich herausstellte, lief ein buddhistischer M\u00f6nch den gleichen Weg ab, wie ich. Kahl rasierter Kopf, graue Tunika, ein paar alte, abgelaufene Turnschuhe und eine Messengertasche, mehr trug er neben einem komischen Instrument nicht bei sich. Das Instrument selber war eine Art Trommel. Ich bin wahrlich nicht langsam zu Fu\u00df, aber das Tempo, was der Herr vorlegte, war schon sehr beeindruckend. Gleichzeitig schaffte er es in einer beachtlichen gleichen Stimmh\u00f6he, den gleichen Satz mantraartig auf zu sagen. Gleichzeitig hatte er f\u00fcr die ihn offensichtlich bekannten Ladenbesitzer immer ein &#8222;Guten Morgen!&#8220; auf den Lippen. H\u00e4tte der M\u00f6nch mit seinem Mantra nicht nur alle gesegnet, ich w\u00e4re davon ausgegangen, er w\u00e4re irgend ein Sektenmitglied gewesen. Vielleicht war er es auch, aber es war schon beachtlich, mit welcher Ruhe und mit welchem Tempo er das Ganze absolvierte! <\/p>\n<p>Interessant ist dabei zu sehen, wie beliebt und unbeliebt Religion in Japan eigentlich ist. Die Hauptreligionen stellen der Shintoismus (also Naturgeister) und der Buddhismus dar. Der Japaner geht dabei regelm\u00e4\u00dfig in die Tempel, betet und l\u00e4sst auch Spenden da. Trotzdem entscheiden die meisten sich nicht f\u00fcr eine Religion, sondern wechseln jeweils zu der, die ihnen gerade am g\u00fcnstigsten erscheint. So kann es auch vorkommen, dass Japaner auf einmal in einer der wenigen Kirchen der Stadt heiraten, einfach weil christliche Kirchentrauungen im Fernsehen vorgelebt werden. Trotzdem wird der Pfarrer das Braupaar danach vermutlich nie wieder sehen. Auch nach welchen Religionen beerdigt und die Geburt gefeiert wird, h\u00e4ngt von den Versprechen der Religionen ab. Gleichzeitig behaupten auch die Japaner von sich, sie sind nicht gl\u00e4ubig. Trotzdem sind die Gl\u00fccksbringer der Tempel absolute Geschenkfavoriten. Zu diesen Ketten und Gl\u00fccksbringern wird auch gerne mal ein Kreuz getragen oder noch eine andere Religion vertreten. Trotz allem, auch wenn sie selber von sich sagen, wir sind nicht so gl\u00e4ubig, bei wichtigen Festen wie Neujahr kommen die Japaner dann doch wieder zu den Tempeln, um f\u00fcr das Neujahr zu beten. Diese Ambivalenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist interessant. Im Gegensatz zu Deutschland, wo nachweislich genug Atheisten leben, hat sich die g\u00f6ttliche Methaphorik aber nicht im Sprachgebrauch umgesetzt. In einem Gespr\u00e4ch mit Studenten aus meinem B\u00fcro sind ihnen keine Aussagen eingefallen, die auf Religion Bezug nehmen. Das ist etwas, was bei uns sehr leicht zu finden ist.<\/p>\n<p>Ansonsten verbrachte ich den Tag die meiste Zeit im B\u00fcro. Die Erstsemester hatten heute Einf\u00fchrung und ich verpasste es leider, da ich ja lieber in die Berge fahre. Trotzdem oder gerade deshalb, waren heute besonders viele Leute im B\u00fcro. Da Shimizu mir nun versprochen hatte, dass ich mir sein neustes Werk anh\u00f6ren darf, holte er lieber die Kopfh\u00f6rer heraus. Dass alle es h\u00f6ren, war ihm dann doch zu unheimlich. So bin ich der Erste, der den neusten Song seiner Band h\u00f6rte. O.k., Band ist verkehrt. Alle Instrumente wurden von ihm gespielt, aber er mag die Bezeichnung und hat sich dazu auch einen ewig langen und un\u00fcbersetzbaren Bandnamen ausgesucht. Besonders anstrengend war wohl die Musik, da er nicht so laut singen durfte, wie er es gerne gemacht h\u00e4tte. Seine Nachbarn h\u00e4tten sich sonst beschwert. Es h\u00f6rt sich aber nicht schlecht an, besonders wenn man japanischen Pop als Vergleichswert nimmt. Um zu beweisen, dass ich nicht nur erz\u00e4hle, sondern der Song auch wirklich existiert, hier das Lied zum reinh\u00f6ren:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A2feXdF3KZc\"><strong>Shimizus Werk<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgens halb zehn in Japan&#8230; W\u00e4hrend im fernen Deutschland angeblich alle gerade eine Pause machen (wenn man der Werbung glauben darf), fangen die Japaner gerade erst richtig an zu arbeiten. Da mir noch einige Kleinigkeiten f\u00fcr morgen fehlten, ging es heute sehr fr\u00fch in die Innenstadt. 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