{"id":1725,"date":"2010-10-06T20:31:49","date_gmt":"2010-10-06T18:31:49","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=1725"},"modified":"2010-10-06T20:31:49","modified_gmt":"2010-10-06T18:31:49","slug":"andere-beschaftigen-und-sich-dafur-von-wiederum-anderen-beschaftigen-lassen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=1725","title":{"rendered":"Andere besch\u00e4ftigen und sich daf\u00fcr von wiederum anderen besch\u00e4ftigen lassen"},"content":{"rendered":"<p>Alarmstufe Rot, es gibt Probleme mit dem Hotel! Ich muss sagen, diese Worte in einer Nachricht sind verdammt aufbauend, besonders am fr\u00fchen Morgen. Melanie verfehlte ihr Ziel auch nicht und in Sekundenschnelle war ich aus dem Bett raus. Was war geschehen? Unser Hotel in der Zwischenstation am Samstag war auf einmal nicht mehr zu bekommen, trotz vorheriger anders lautender Informationen. Die englischen Internetseiten waren dazu auch noch ohne Informationen, was also machen? Mit dem Rad ging es schnell ins B\u00fcro, die Kollegen werden mir schon helfen k\u00f6nnen&#8230;, wenn sie denn mal da w\u00e4ren. Es kam also, wie es kommen musste: Drei Tage vor unserer Ankunft standen wir ohne Hotel da. Im Internet war keines aufzutreiben und die einzigen, die helfen konnten, waren auch nicht zu erreichen. Man kann sich vorstellen, was alles in meinem Kopf ablief. Reise absagen war aufgrund der gebuchten Busse nicht machbar, woanders auf der Strecke schlafen, mangels Hotels ebenfalls nicht durchf\u00fchrbar. So langsam sah ich uns schon im Zelt \u00fcbernachten, was Melanie zum Gl\u00fcck besitzt. Aber wie hei\u00dft es so sch\u00f6n: Wer k\u00e4mpft kann verlieren, wer nicht k\u00e4mpft, hat schon verloren. Erst einmal ging es ins Reiseb\u00fcro der Universit\u00e4t. Nebenbei bemerkt ist dies eine sehr geniale Einrichtung. Die Damen und Herren dort sind absolut bem\u00fcht, auch f\u00fcr Studenten geeignete L\u00f6sungen zu finden. Nach langem hin und her her hatten wir die ganze Wanderstrecke nach potentiellen \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten abgeklappert, nichts war zu finden. Ein Einzelzimmer in ganz Matsumoto war noch frei, sonst nichts. Meine verzweifelten Blicke bewegten die Damen aber genug, sich noch einmal richtig anzustrengen. Es wurde mit dem Hotel verhandelt, ob wir das Einzelzimmer gegen Zusatzgeb\u00fchr als Zweipersonenzimmer nutzen d\u00fcrfen, die Touristeninformation wurde nach anderen \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten befragt und man zog auch ansonsten alle Register. Im Endeffekt versuchten die Damen \u00fcber 30 Minuten lang, mir f\u00fcr einen Tag eine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit zu besorgen. Als alles vergebens erschien, zauberte eine der Verantwortlichen noch f\u00fcnf ma\u00dflos \u00fcberteuerte Hotels aus dem \u00c4rmel, die ich aber selber durchklingeln m\u00fcsse. Sie h\u00e4tten sich durch ihre Bem\u00fchungen schon den Unmut ihres Chefs zugezogen und an den Hotels w\u00fcrden sie keine Vermittlungsgeb\u00fchren verdienen k\u00f6nnen. Gut, den Unmut des Chefs muss ich ja nicht noch vergr\u00f6\u00dfern, also lieber zur\u00fcck ins B\u00fcro. Wie aber das Anrufproblem l\u00f6sen? Ein paar Fragen waren vor dem Buchen noch zu kl\u00e4ren und dazu m\u00fcsste mein Japanisch noch besser sein. Zum Gl\u00fcck lebe ich immer nach der wirklich weisen Philosophie meines Vaters: Man muss es nicht wissen, sondern nur wissen, wo es steht. Also Handy raus und die Liste nach Leuten durchsucht, dir mir helfen k\u00f6nnen und mir noch einen Gefallen schulden. Vor allem letztere Liste ist ziemlich lang und schnell fand sich Rieko, die gerade in der N\u00e4he der Uni war und sich spontan bereit erkl\u00e4rte, vorbei zu kommen und mir zu helfen. Zusammen gelang es uns schnell, unter den teuren Hotels, immerhin gingen einige erst bei 200 Euro los, ein sehr g\u00fcnstiges zu finden und sie schaffte es, uns dieses zu reservieren. Ich muss sagen, eine erfolgreiche Aktion! F\u00fcr ein Hotelzimmer f\u00fcr eine Nacht habe ich nur knapp drei Stunden und die Zeit von insgesamt vier Japanern vergeudet. Egal, wenigstens muss ich nicht zelten! Die Temperaturen sind zwar noch in Ordnung, m\u00f6glicherweise bei Regen aber noch ein Zelt aufzubauen, kommt jetzt nicht gerade meiner Lieblingsbesch\u00e4ftigung gleich.<\/p>\n<p>Endlich konnte ich mich auch auf andere Sachen konzentrieren. Kaum sa\u00df ich einige Zeit im B\u00fcro und arbeitete, bekam ich aber schon wieder eine SMS. &#8222;Wo brennt es jetzt schon wieder?&#8220; schoss es mir durch den Kopf. Zum Gl\u00fcck gab es wenigstens kein Problem mit der Reise, eine der neuen Bremerinnen bat mich vielmehr, ihr und zwei Freunden bei der Radsuche zu helfen. Alles kein Problem. Also ging es zusammen zu Gro\u00dfv\u00e4terchen. Gro\u00dfv\u00e4terchen ist in diesem Fall ein unter Ausl\u00e4ndern sehr bekannter Spitzname f\u00fcr den Besitzer des nahe gelegenen Radshops. Der Besitzer sollte vom Aussehen her schon l\u00e4ngst in Rente sein. Der Laden sieht auch eher wie ein Hobbyzimmer aus und nicht wie ein Gesch\u00e4ft. Und von Zeit zu Zeit schaut seine gleichaltrige Ehefrau heraus und bringt ihm Tee. Angenehmerweise hatte er auch relativ g\u00fcnstig ein Rad, dasser bis morgen aber noch fertig reparieren muss. Da die Neuank\u00f6mmlinge sich nicht so recht \u00e4u\u00dferten und ich als neutraler Beobachter \u00f6fter mal erkl\u00e4rte, schlussfolgerte er, dass ich ihn verstehe und erkl\u00e4rte mir alle Details. Da die anderen w\u00e4hrend dessen wild rumerz\u00e4hlten kann ich nur hoffen, dass ich ihn komplett richtig verstanden habe und es morgen keine Probleme gibt. Wenn ich schon keine Ahnung von der Sprache habe, erz\u00e4hle ich nicht noch wild mit den anderen \u00fcber irgendwelche unwichtigen Sachen, w\u00e4hrend ein alter Mann in viel zu leiser Stimme gerade versucht, etwas zu erkl\u00e4ren. Egal, hoffentlich geht es gut.<\/p>\n<p>Auf dem Heimweg bekam ich auch gleich den n\u00e4chsten Auftrag. Ein Fleischerbesuch stand an. Fleischer &#8211; ich? &#8211; das kann ja was werden! Wurde es nat\u00fcrlich auch. Es wurde gehacktes Schweinefleisch verlangt und zwei Scheiben normales Schweinefleisch und ich durfte f\u00fcr die zweite Bremerin \u00fcbersetzen. Der Herr verstand mich zwar, aber deutete die Erkl\u00e4rung anders und gab nicht das fertige Gehacktes heraus, sonder hackte lieber das echte Schweinefleisch. Schlecht nur, dass es relativ fettig war und deshalb jetzt das Gehacktes auch ziemlich fettig ist. Ich hoffe, die Bremerin kann es trotzdem essen. Danach ging es noch etwas einkaufen, die Geheimtipps der Sendaier Gesch\u00e4ftswelt kann man als Neuank\u00f6mmling schlie\u00dflich noch nicht kennen. Ich half ihr ein wenig dabei, den Kulturschock zu verdauen, den sie seit ihrer Ankunft versp\u00fcrt. Langsam kann ich auch Psychologe werden, ich habe ja schlie\u00dflich noch Erfahrung von Kylies Zusammenbruch damals. Die Japaner machen sich mittlerweile schon lustig, ob ich schon Betreuer geworden bin und die Wohnzeit brauche, aber ich helfe den Neuank\u00f6mmlingen ja gerne. So ein wenig Kulturschock kann man bei unvorbereiteter Ankunft hier ja schnell mal bekommen. Zum Gl\u00fcck war ich damals gut genug vorbereitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmstufe Rot, es gibt Probleme mit dem Hotel! Ich muss sagen, diese Worte in einer Nachricht sind verdammt aufbauend, besonders am fr\u00fchen Morgen. Melanie verfehlte ihr Ziel auch nicht und in Sekundenschnelle war ich aus dem Bett raus. Was war geschehen? Unser Hotel in der Zwischenstation am Samstag war auf einmal nicht mehr zu bekommen, &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=1725\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1725"}],"collection":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1725"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1725\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1728,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1725\/revisions\/1728"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1725"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1725"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1725"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}