{"id":1669,"date":"2010-09-28T09:00:00","date_gmt":"2010-09-28T07:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=1669"},"modified":"2010-09-28T09:00:00","modified_gmt":"2010-09-28T07:00:00","slug":"soldatenverabschiedung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=1669","title":{"rendered":"Soldatenverabschiedung"},"content":{"rendered":"<p>Endlich, das neue Semester ist fast erreicht und das B\u00fcro f\u00fcllt sich wieder. Mit Shimizu und Kaori sind auch zwei mir sehr wichtige Bekannte endlich wieder im B\u00fcro aufgetaucht. Kaori ist absolut entspannt. Sie ist gerade von einer mehrw\u00f6chigen Reise aus Italien und Deutschland heimgekehrt. Ihr einziges Ziel f\u00fcr dieses Semester ist die Abschlussarbeit. Leider steht sie vor dem selben Problem wie ihre Leidensgenossin vom letzten Freitag: Was schreiben? Also ging das selbe Schauspiel wie letzte Woche erneut los. Eine Beratungsrunde zum Thema Abschlussarbeiten stand an. Sollten ihre Ideen, die am Ende heraus kamen, aber wirklich von den Professoren abgesegnet werden, w\u00fcrde ich schon etwas am japanischen Universit\u00e4tssystem zweifeln. Zwar haben ihre Pl\u00e4ne wirklich etwas mit Literatur zu tun, nur die Leitthemen eines Buches heraus zu finden, w\u00fcrde ich maximal als Hausarbeitsthema bezeichnen, nicht aber als Abschlussarbeitsthema. Ich vertraue aber der deutschen Professorin genug, um derartige Pl\u00e4ne schnell zu beenden. Allgemein stellt diese Unwissenheit \u00fcber die Anfertigung von Abschlussarbeiten einen der Schwachpunkte des japanischen Unisystems stark heraus. Ist es in Deutschland relativ einfach, an eine Universit\u00e4t zu gelangen, so ist es in Japan ein langer Kampf durch Bewerbungsverfahren, Aufnahmetests und Professorengespr\u00e4che. Hat man es einmal an eine Universit\u00e4t geschafft, sieht die Welt dagegen ganz anders aus. Besteht in Deutschland die Gefahr, bei nicht Erreichen bestimmter Noten schnell von der Uni verwiesen zu werden, versucht in Japan die Uni alles, die Studenten m\u00f6glichst schnell durch das Studium zu lotsen. Dieses Vorgehen hat Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite erlebt man hierzulande kaum Langzeitstudenten oder Studienabbrecher, auf der anderen Seite werden aber auch Studenten, die eigentlich in einem Fach falsch sind, schon einmal mit niedrigsten Noten durchgewunken. Gleichzeitig wird in den ersten Semestern kaum Wert auf eigenst\u00e4ndiges Arbeiten gelegt. Die ersten Semester sind bestimmt durch auswendig lernen und Klausuren schreiben. Kein Wunder also, wenn zur ersten Abschlussarbeit dann der Schock um so gr\u00f6\u00dfer ist.<\/p>\n<p>Zu meiner gro\u00dfen Freude ist neben Kaori auch mein alter Freund Shimizu wieder in Sendai eingetroffen. Das musste mit Lakritze gefeiert werden! Als ob er nie weg war, nahmen wir auch gleich unser gegenseitiges Sprachpartnerprogramm wieder auf und unterrichteten uns gegenseitig in unseren Muttersprachen. Damit ist alles Wichtige wieder an seinem Platz. Meine Sprachpartner sind zum \u00dcben wieder da, genug Materialien zum Durcharbeiten f\u00fcr meine Forschungen sind auch noch vorhanden und mit der deutschen Professorin bekomme ich dieses Semester auch noch mehr R\u00fcckendeckung bei meinen Taten. Das Semester kann also losgehen!<\/p>\n<p>Ansonsten haben wir heute einen sehr alten japanischen Brauch gepflegt. Als die Soldaten im zweiten Weltkrieg an die Front versetzt wurden, \u00fcberreichten ihnen die Frauen japanische Flaggen, auf denen die ganze Familie eine Nachricht hinterlassen hatte. Diese Tradition hat sich nach dem Krieg erhalten und wird heute noch bei Verabschiedungen vollzogen. Verl\u00e4sst zum Beispiel ein Sch\u00fcler oder Lehrer eine Schule, erh\u00e4lt er ebenfalls eine derartige Verabschiedung. Da Sch\u00fcler naturgegebenerweise etwas \u00e4rmer sind als normale Menschen, wird die Flagge aber selber gebastelt. Im Mittelpunkt gibt es einen Kreis, wo maximal der Name des Verabschiedeten steht und darum schreiben die Sch\u00fcler ihre Nachrichten. Als Studenten k\u00f6nnen wir uns aber nat\u00fcrlich das Original leisten und da mit Andre morgen der letzte Deutsche Japan endg\u00fcltig verl\u00e4sst, luden die Japaner seiner Wohnung heute zum Flagge beschriften ein. Leider warnte uns keiner, dass die Japaner Romane geschrieben hatten. Kein Problem, ich bin Historiker. Ich wei\u00df, wie man etwas ausf\u00fchrlich schreibt. Mit viel \u00dcberlegen zauberte ich einen l\u00e4ngeren Text f\u00fcr die beide Deutschen auf die Fahne. Das Ganze wurde auf jeden Fall ein gro\u00dfartiges Geschenk, an das beide bestimmt ewig denken werden. Aber wir hatten auch beim Schreiben unseren Spa\u00df. Besonders, da uns Ausl\u00e4ndern der Kopf rauchte, wie man so einen Text am besten verfasst. Ich w\u00fcrde zu gerne morgen Andres Gesicht bei der \u00dcbergabe sehen. Gleichzeitig kommen ab morgen auch die Neuank\u00f6mmling an. Mal schauen, wer so alles aus Deutschland dabei ist.<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/5772531.de.strato-hosting.eu\/cgi-data\/weblog_basic\/uploads\/2010\/09\/imgp1825-300x225.jpg\" alt=\"Abschiedsgeschenke\" title=\"Abschiedsgeschenke\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1676\" srcset=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/imgp1825-300x225.jpg 300w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/imgp1825-150x112.jpg 150w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/imgp1825-200x150.jpg 200w, http:\/\/2010.rj-webspace.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/imgp1825.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich, das neue Semester ist fast erreicht und das B\u00fcro f\u00fcllt sich wieder. Mit Shimizu und Kaori sind auch zwei mir sehr wichtige Bekannte endlich wieder im B\u00fcro aufgetaucht. 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