{"id":1645,"date":"2010-09-24T21:04:30","date_gmt":"2010-09-24T19:04:30","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=1645"},"modified":"2010-09-24T21:04:30","modified_gmt":"2010-09-24T19:04:30","slug":"seminarteilnahme-und-hausarbeiten-auf-japanisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=1645","title":{"rendered":"Seminarteilnahme und Hausarbeiten auf Japanisch"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal \u00fcberrascht mich das japanische Universit\u00e4tssystem doch noch ziemlich stark. In letzter Zeit tritt dieser Fakt sogar relativ h\u00e4ufig auf, seitdem eine der Professorinnen sich doch einmal h\u00e4ufiger mit mir unterh\u00e4lt. So gab es heute das Thema Kurse. Letztes Semester hatte ich kurzzeitig den Versuch unternommen, eine Teilnahme an einem Mittelalterkurs zu erreichen. Da ich mit dem Professor schon Kontakt per E-Mail hatte dachte ich, dies wird ein leichtes Unterfangen. Schnell wurde ich aber abgelehnt. Aufgrund meiner nach seiner Meinung nicht ausreichenden Japanisch-Kenntnisse wurde mir die pure Teilnahme an dem Kurs verwehrt. Nicht einmal einfaches Beisitzen, ohne einmal den Mund zu \u00f6ffnen (wenn ich es hin bekommen h\u00e4tte), wurde mir gestattet. Nat\u00fcrlich gibt man sich bei solch einem Versagen selber die Schuld und schlussfolgert, dass der Professor einfach schon einmal schlechte Erfahrungen hatte. Heute wurde ich aber eines besseren belehrt. In Wirklichkeit ist es eher so, dass mir einfach die Kontakte fehlten. In Japan ist es nicht so, dass ein Student solche Versuche alleine unternehmen darf. Nein, in Wirklichkeit muss man einen F\u00fcrsprecher mit in den Kurs bringen, der den Professor \u00fcberzeugt, einen in den Kurs aufzunehmen. Das Ganze funktioniert wohl nach dem alten Prinzip &#8222;Ich tue dir einen Gefallen &#8230;&#8220;. Also h\u00e4tte ich wohl Professor Morimoto mitnehmen sollen und dieser h\u00e4tte eine Teilnahme f\u00fcr mich erwirken k\u00f6nnen. Im Ausgleich h\u00e4tte er dem Professor etwas geschuldet, bis der den Gefallen einmal eingel\u00f6st h\u00e4tte. Solche Informationen h\u00e4tte ich mal eher gebrauchen k\u00f6nnen. Als deutscher Student, der sich um solche Angelegenheiten immer alleine k\u00fcmmern darf, kann man \u00fcber derartiges Wissen ja nicht unbedingt verf\u00fcgen. Eventuell klappt es dieses Semester ja besser, wobei Professor Morimoto immer noch an seinem gebrochenen Arm laboriert.<\/p>\n<p>Als Ausgleich durfte ich feststellen, dass den Japanern ebenfalls auch grundlegendes Wissen nicht unbedingt gel\u00e4ufig ist. Eine Kommilitonin war gerade \u00fcber einen Monat f\u00fcr ihre Forschungen in Berlin und arbeitet sich sich seit Tagen durch das Internet und die Bibliothek f\u00fcr ihre Magisterarbeit. Thema soll deutsche Mode sein. Was das mit dem Fach Deutsche Literatur zu tun hat? Ehrlich gesagt, keine Ahnung, aber ich kann mir ihre Forschungen ja trotzdem mal erkl\u00e4ren lassen. Dementsprechend schilderte sie mir ihre Ideen, die f\u00fcr einen Forschungsaufenthalt und schon \u00fcber einem Monat abgelaufener Schreibzeit der Arbeit eigentlich nicht existent waren. Also wurde kurzerhand ein Crashkurs &#8222;Wie schreibe ich eine Arbeit?&#8220; angefangen. In mehreren Stunden Arbeit er\u00f6rterten wir alle M\u00f6glichkeiten, die sie hat, um aus dem Thema eine wissenschaftliche Arbeit zu formen. Zugegeben, mein Wissen \u00fcber Mode in Deutschland ist jetzt nicht wirklich umfassend. Wenn ich aber bessere Ideen habe als sie, die schon seid Wochen eigentlich die Arbeit schreiben m\u00fcsste, ist das schon hart. Auch die m\u00f6glichen Forschungsmethoden brachte ich ihr n\u00e4her und langsam haben wir uns einem m\u00f6glichen Thema f\u00fcr die Arbeit gen\u00e4hert. Ich hoffe, sie \u00fcberlegt sich die n\u00e4chsten Tage wirklich ein Thema und hat meine Anmerkungen so weit halbwegs nachvollziehen k\u00f6nnen. Leider setzte sie nur das typische japanische &#8222;Ich verstehe zwar nicht, nicke aber lieber mal brav&#8220;-Gesicht auf, so dass ich das nicht mit vollst\u00e4ndiger Bestimmtheit sagen kann, aber ich hoffe das Beste. Interessanterweise hat meine Professorin aber mir zugestimmt und mich aufgefordert, doch auch den anderen Arbeitsschreibern in der n\u00e4chsten Zeit etwas unter die Arme zu greifen. Laut ihrer Aussage schreiben Japaner in der ganzen Unizeit eventuell maximal drei Arbeiten. Kein Wunder also, wenn sie zur Abschlussarbeit etwas verloren wirken. Mal schauen, was da noch alles so kommt. Wieso kann eigentlich keiner mal \u00fcber etwas interessantes, wie deutsche Geschichte schreiben? Na gut, tr\u00e4umen darf ich ja noch einmal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal \u00fcberrascht mich das japanische Universit\u00e4tssystem doch noch ziemlich stark. 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