{"id":1625,"date":"2010-09-20T21:23:45","date_gmt":"2010-09-20T19:23:45","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=1625"},"modified":"2010-09-20T21:44:21","modified_gmt":"2010-09-20T19:44:21","slug":"respektiere-das-alter-tag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=1625","title":{"rendered":"&#8222;Respektiere das Alter&#8220;-Tag"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem die allt\u00e4glichen Pflichten heute erledigt waren, rief Orsolya bei mir an, ob ich denn heute das internationale Fest mal vollst\u00e4ndig sehen m\u00f6chte, sie w\u00fcrde dort warten. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich das sehen, die Aufbauten und Informationen gestern hatten Lust auf mehr gemacht. Zuf\u00e4lligerweise machte sich auch ein Schwede zeitgleich mit mir auf den Weg. Also schlossen wir uns zusammen, um das Fest zu erkunden. Irgendwie ging das aber schneller als erwartet. Leider entt\u00e4uschte uns der erste Eindruck schon stark. Im Gegensatz zu gestern waren einige der St\u00e4nde gar nicht ge\u00f6ffnet und die Vielfalt lie\u00df arg zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Laut meinen Informationen waren urspr\u00fcnglich \u00fcber vierzig St\u00e4nde er\u00f6ffnet, die unterschiedlichste Speisen anboten. Bei unserem Erscheinen fanden wir eventuell die H\u00e4lfte vor. Dieser Umstand war auch nicht zuletzt auf den mangelhaften Zuspruch an Besuchern zur\u00fcckzuf\u00fchren. Thomas erkl\u00e4rte uns daraufhin, dass wir zwar den Ansturm verpasst hatten, der heutige Tag des Festes aber wirklich nicht mit dem gestrigen Tag zu vergleichen w\u00e4re. Kein Problem, schnell Orsolya von ihrem Lieblingsplatz, dem B\u00fccherverkaufsstand, losgeeist und zusammen mit einer japanischen Bekannten ging es gemeinsam \u00fcber das Gel\u00e4nde. Wenn man schon einmal da ist, kann man sich auch alles in Ruhe anschauen. <\/p>\n<p>An sieben St\u00e4nden wurde ausl\u00e4ndisches Essen angepriesen. Leider ignorierten die K\u00f6che aber die M\u00f6glichkeit komplett, dass es auch vegetarische Besucher geben k\u00f6nnte. Gerade in Japan ein seltsames Vers\u00e4umnis, kennt man doch auch Religionen, die das Fleischessen untersagen. Ein gro\u00dfer Stand erm\u00f6glichte es, traditionelle Kleidung anderer L\u00e4nder anzuprobieren und erfreute sich besonders hoher Beliebtheit. Besonders Frauen konnten der M\u00f6glichkeit nicht widerstehen, verschiedenste Kleider auszuprobieren. Die Begeisterung der M\u00e4nner dagegen war traditionell nicht unbedingt die Gr\u00f6\u00dfte. Ansonsten sind eigentlich nur noch einige Informationsst\u00e4nde erw\u00e4hnenswert. Einer stellte eine Maschine vor, die aus altem Papier Toilettenpapier herstellt. Dazu gab es f\u00fcr jeden Besucher eine kostenlose Rolle. Der Schwede und ich vermuten aber, dass das Toilettenpapier unsere Rohre verstopfen wird, richtig vertrauenerweckend sieht es nicht aus. Egal, Versuch macht klug und schlimmer als das normale einlagige japanische Papier kann es auch nicht sein. Weiterhin informierte ein Tsunamiforscher \u00fcber die Ergebnisse seiner Forschungen, ein hochinteressantes Thema. Im Prinzip hat er nur einen Schnitt angefertigt, ein von Arch\u00e4ologen liebend gern verwendetes Mittel. Dementsprechend stellte ich ihm einige Fragen, die er nur halbwegs zufriedenstellend beantworten konnte. Ob ich eventuell doch nicht zu sehr ins Arch\u00e4ologische h\u00e4tte abwandern sollen? Trotzdem erlebte ich ihn als sehr bem\u00fchten Wissenschaftler. Das absolute Vertrauen, was einige Wissenschaftler in derartige Schnitte haben, werde ich aber nie nachvollziehen k\u00f6nnen. Es ist schon besser, dass ich f\u00fcr den Master Arch\u00e4ologie abgew\u00e4hlt habe.<\/p>\n<p>Absolutes Highlight des ganzen Festes stellte aber der Erdbebensimulator dar. Dabei wird man an einen Tisch gesetzt und der Boden bebt wie bei einem Erdbeben der Stufe sieben. Leider war das Vergn\u00fcgen viel zu schnell vorbei. Ich muss aber ehrlich sagen, so schlimm fand ich das Beben gar nicht. Viel schlimmer war, dass alle Teile im Simulator fest angeschraubt waren und ich beim Einsteigen und Aussteigen \u00fcberall gegen stie\u00df. Merke: Gegenst\u00e4nde in japanischer Gr\u00f6\u00dfe sind gef\u00e4hrlicher als Erdbeben. Bis auf die Tatsache, dass knapp 30 Japaner uns und unsere Reaktionen auf das Erdbeben von au\u00dferhalb des Simulators beobachteten kann man sagen, dass der Simulator das Highlight des Tages war. Da der Simulator offen war und alle Passanten wegen uns das Schauspiel begafften, konnte aber schon etwas nervig sein. Die Idee des Simulators ist aber nicht verkehrt. Gerade bei der H\u00e4ufigkeit von Erdbeben ist eine Sensibilisierung der Bev\u00f6lkerung ein profanes Mittel.<\/p>\n<p>Wirklich zufriedenstellend war das Fest noch nicht. Wir schafften es zwar, uns eine ganze Weile zu besch\u00e4ftigen, aber den Tag einfach damit zu beenden, das wollten wir dann doch nicht. Also schlug Orsolya vor, ins Kino zu gehen. Bis dato hatten weder der Schwede noch ich ein japanisches Kino von innen gesehen. Warum also nicht? Wegen der Filmauswahl! Leider wurde die uns erst mitgeteilt, als es schon zu sp\u00e4t war und so durften wir uns ein Drama mit Liebesgeschichtsanteilen anschauen. Das hat man nun davon, wenn man sich an das Motto des heutigen Feiertages h\u00e4lt: Der &#8222;Respektiere das Alter&#8220;-Tag. Eigentlich ist damit ein allgemeiner Gedenktag an die Verstorbenen gemeint. Im Gegensatz zu Deutschland wird in Japan weniger am Tag des Todes getrauert, sondern an diesem bestimmten Tag. Dazu muss man noch nicht einmal unbedingt das Haus verlassen. Jede Familie hat Familienschreine in der Wohnung, wo man ebenfalls beten kann. Um diesen Tag auch wirklich auszunutzen, haben die Japaner seine Bedeutung mittlerweile aber verst\u00e4rkt ausgebaut. Nicht nur den Toten wird gedacht, sondern auch den \u00e4lteren Familienmitgliedern. Dass diese Tradition sehr ernst genommen wird, sah man stark daran, dass die Japaner kaum auf der Stra\u00dfe waren oder wenn, dann meist in einer Gruppe mit der Verwandtschaft. Um unsere \u00c4lteste ansprechend zu ehren, entschieden wir, da dass Orsolya heute entscheiden durfte. Wie man an der Filmauswahl sah, keine gute Idee.<\/p>\n<p>Wenigstens ganz so schrecklich wie erwartet, war der Film zum Ende hin nicht. Immerhin waren der Bilder absolut sehenswert. Das Kino ist mit einem deutschen Kino aber nicht zu vergleichen gewesen. Gerade mal vier Reihen besa\u00df es und man sa\u00df dementsprechend nah an der Leinwand. Die Preise f\u00fcr Getr\u00e4nke waren noch im hinnehmbaren Bereich und aufgrund unseres Status als Student, kamen wir noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig billig ins Kino. N\u00e4chstes Mal frage ich aber lieber vorher nach, was f\u00fcr einen Film wir denn schauen. Interessanterweise wurde der Film im Original, mit Untertiteln, gezeigt. Das soll hierzulande bei amerikanischen Filmen wohl h\u00e4ufiger der Fall sein. F\u00fcr uns war das auf jeden Fall eine angenehme \u00dcberraschung. Zweieinhalb Stunden Liebesfilm in Japanisch h\u00e4tte ich ohne einzuschlafen wohl nicht \u00fcberstanden. Anschlie\u00dfend verbrachten wir noch etwas Zeit in einem Donutladen, ehe es 23 Uhr dann doch nach Hause ging.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem die allt\u00e4glichen Pflichten heute erledigt waren, rief Orsolya bei mir an, ob ich denn heute das internationale Fest mal vollst\u00e4ndig sehen m\u00f6chte, sie w\u00fcrde dort warten. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich das sehen, die Aufbauten und Informationen gestern hatten Lust auf mehr gemacht. Zuf\u00e4lligerweise machte sich auch ein Schwede zeitgleich mit mir auf den Weg. Also &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=1625\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1625"}],"collection":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1625"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1625\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1631,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1625\/revisions\/1631"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1625"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1625"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1625"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}