{"id":1422,"date":"2010-08-24T21:25:28","date_gmt":"2010-08-24T19:25:28","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=1422"},"modified":"2010-08-24T21:25:28","modified_gmt":"2010-08-24T19:25:28","slug":"von-japanischen-beamten-und-begaffen-wie-im-zoo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=1422","title":{"rendered":"Von japanischen Beamten und begaffen, wie im Zoo"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben es irgendwie geschafft! Nicht ganz munter, aber immerhin fr\u00fch genug erschienen wir heute zum Fr\u00fchst\u00fcck. Also konnte es ja ein ganz ruhiger Tag f\u00fcr uns werden und f\u00fcr das Personal unseres Hotels. Nein, das konnten wir doch wirklich nicht zulassen. Es geh\u00f6rt mittlerweile hier zum guten Ton, dass wir immer irgend etwas zur Besch\u00e4ftigung des Hotelpersonals beitragen. Gestern, bei unserem Auftritt im Rathaus, hatte man uns immerhin eine englische Karte der Stadt \u00fcberreicht. Ein logisch denkender Mensch w\u00fcrde annehmen, dass alle Touristenorte, die  in diesem Prospekt erw\u00e4hnt werden, auch irgendwie erreichbar sind. Ein Stausee fiel uns besonders ins Auge und Dennis bekam den Auftrag nachzufragen, wie man ihn denn erreichen kann. Nach angeregten Diskussionen dr\u00fcckte das Personal Dennis ein Telefon in die Hand und er sprach mit irgend einer Frau. Meiner Vermutung nach mit der Touristeninformation, aber das werden wir wohl nie herausfinden. Es wurde kurz das Problem geschildert und die Gegenstelle redete auf einmal auf Japanisch auf ihn ein. Kein Problem f\u00fcr Dennis! Ein &#8222;Ich hab hier einen, der das besser versteht als ich.&#8220; sp\u00e4ter stand ich, der etwas sp\u00e4ter dazu gekommen war, auf einmal mit dem Telefon da. Man erkl\u00e4rte mir, dass man selber nicht wisse, wie man den Ort erreichen soll. Schlie\u00dflich w\u00fcrde nie ein Tourist da hin wollen und ich solle doch sp\u00e4ter noch einmal anrufen, man versucht es herauszufinden.<\/p>\n<p>Ein sehr nettes Angebot, wenn man nicht ein klitzekleines Detail vergessen h\u00e4tte: Ich hatte nat\u00fcrlich die Telefonnummer nicht und die Nummer, die das Hotel mir gab, schien nicht zu stimmen. Jetzt war guter Rat teuer. Wir entschieden uns f\u00fcr das Rathaus. Gestern hatten wir ja schon Bekanntschaft mit dem Public Relations B\u00fcro gemacht und wer uns einmal helfen kann, kann uns auch zweimal helfen. Dort war man genauso \u00fcberrascht, wie die Dame am Telefon. Ohne Auto zum Stausee, wer macht den so etwas? Das Bild vom Stausee ist doch nur auf der Karte, um alle sch\u00f6nen Orte aufzuz\u00e4hlen, die m\u00fcssen doch nicht erreichbar sein. Nach z\u00e4hen Verhandlungen willigte man ein, uns Buslinien in die N\u00e4he des Stausees zu suchen. Ein Unterfangen, das zwei japanischen Beamten immerhin zehn Minuten ihrer Arbeitszeit kostete. Daf\u00fcr \u00fcberreichte man uns genaue Pl\u00e4ne: Karten, Busfahrpl\u00e4ne, Busstreckenpl\u00e4ne in verschiedensten Ausf\u00fchrungen. Die Reise ist nun generalstabsm\u00e4\u00dfig durchgeplant, nur antreten k\u00f6nnen wir sie eventuell nicht. Die Busse fahren so ung\u00fcnstig, dass wir nicht sicher sein k\u00f6nnen, ob wir zur\u00fcck kommen. Ob wir deshalb morgen das Unterfangen antreten, wird erst noch entschieden. Trotzdem ein gro\u00dfes Dank an die japanischen Beamten, auch wenn ich viermal betonen mussten, dass eine ca. 5 Kilometer lange Wanderschaft zum See wirklich kein Problem darstellen w\u00fcrde. Im Gegenzug freute man sich, mal Ausl\u00e4nder als G\u00e4ste zu haben, kommt wohl nicht all zu h\u00e4ufig vor.<\/p>\n<p>Da der Stausee heute auf keinen Fall erreichbar war, entschieden wir, zu einem Tempel, vier Zughaltestellen weiter am Meer, zu gehen. Der Zug fuhr nat\u00fcrlich nicht regelm\u00e4\u00dfig, also wurde hin gewandert &#8211; schon mal \u00dcbung f\u00fcr den Stausee. Der Weg f\u00fchrte uns durch normale Wohnviertel, mit ziemlich heruntergekommenen H\u00e4usern, durch den Hafen und einige Teile der Stadt, die noch nie ein Ausl\u00e4nder vor uns gesehen hat, jedenfalls vom Gesichtsausdruck der Japaner zu urteilen. Genug zu erz\u00e4hlen werden sie aber heute Abend alle haben. So zum Beispiel am Ende des Hafens. Es gab auf einmal eine Sackgasse, wo ein Zaun den Weg zu einer Stra\u00dfe, die zum Tempel f\u00fchrte, versperrte. Was macht der faule Ausl\u00e4nder? Doch nicht umkehren und einen neuen Weg suchen! Es gab einen Weg, der auf ein kleines Gel\u00e4nde f\u00fchrte, was den Zugang zur Stra\u00dfe erlaubte. Also schnell diesen genutzt. Wie sich herausstellte, war das Gel\u00e4nde, was wir nutzten aber Privatgel\u00e4nde und Zutritt verboten. Es gab sogar einen Wachmann. F\u00fcr uns war das aber nicht ersichtlich, da niemand erwartete, dass jemand diesen Weg nutzt. Als wir ihn sahen, gingen wir leise pfeifend und in Seelenruhe weiter. Er sagte kein Wort, als er uns als Ausl\u00e4nder erkannte. Eine ziemlich peinliche Aktion, die uns aber viel Zeit einsparte. Ansonsten waren es haupts\u00e4chlich Rentner, die uns misstrauisch anstarrten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Tempel lohnte sich aber schon der Weg, nur war er leider von der Industrie des Hafens eingegrenzt. Ansonsten handelte es sich um einen Seem\u00f6wentempel. Die Seem\u00f6wen auf dem Gel\u00e4nde sind gleichzeitig heilige Tiere des Tempels und der Tempel selber lag malerisch auf einem kleinem Kliff. Daneben befand sich auch noch ein kleiner Strand, den wir zum Wasser testen nutzten. Aufgrund sporadisch einsetzenden Regens, mussten wir dann mit dem Zug zur\u00fcck. Die Ankunft am Tempel war ja schon unangenehm. Eine knapp drei\u00dfig Kinder starke Schulklasse von grob gesch\u00e4tzt F\u00fcnftkl\u00e4sslern hatte uns bei unserer Ankunft der Reihe nach begr\u00fc\u00dft und sich tierisch gefreut, dass wir antworten. In der Zugwartehalle gab es aber nur \u00e4ltere Sch\u00fcler. So beobachtet habe ich mich in Japan noch nie gef\u00fchlt. Wirklich alle Augenpaare waren auf uns gerichtet. Es ist ja nicht so, als ob wir Aliens sind oder so etwas, aber gut, wir sind halt Ausl\u00e4nder. Hier in Hachinohe haben wir aber nun mal eine Ausnahmestellung, die das Ganze etwas komplizierter macht, weil Ausl\u00e4nder zu ungewohnt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben es irgendwie geschafft! Nicht ganz munter, aber immerhin fr\u00fch genug erschienen wir heute zum Fr\u00fchst\u00fcck. Also konnte es ja ein ganz ruhiger Tag f\u00fcr uns werden und f\u00fcr das Personal unseres Hotels. Nein, das konnten wir doch wirklich nicht zulassen. 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