{"id":1047,"date":"2010-07-08T21:25:25","date_gmt":"2010-07-08T19:25:25","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=1047"},"modified":"2010-07-08T21:25:25","modified_gmt":"2010-07-08T19:25:25","slug":"bitte-hier-anstellen-fur-die-bananen-oder-hindernislauf-auf-japanisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=1047","title":{"rendered":"Bitte hier anstellen f\u00fcr die Bananen oder Hindernislauf auf Japanisch"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Hast du das Spiel geschaut? Ja! Gut, mein Beileid und ich frage dich heute nichts mehr.&#8220; So m\u00fcde sah ich eigentlich gar nicht aus und die nicht immer richtigen Antworten, kommen schon mal vor, aber irgendwie hatte meine Lehrerin heute Mitleid mit mir. Der Kurs sah eh ziemlich \u00fcbersichtlich aus, waren von allen fu\u00dfballbegeisterten M\u00e4nnern des Kurses am Ende doch, bis auf mich, niemand zur Stunde erschienen. O.k., schlafen war verlockend, aber wie hei\u00dft es doch so sch\u00f6n: Schlafen kann ich, wenn ich tot bin! Und mal einen Tag ohne Schlaf auszukommen, geht ja gerade noch. Wenigstens die Mitleidsbekundungen und teils auch Schadenfreunde aller Leute, die ich kenne, konnte ich mit zwei Dingen beantworten. Mein Weltmeistertipp ist immer noch aktiv und kann mir 16 Punkte beim Tippspiel bringen und mein Verein hat am selben Tag wenigstens gewonnen, wenn auch nur ein absolut unbedeutendes Testspiel gegen einen Aufbaugegner.<\/p>\n<p>Allgemein war heute ein verdammt sonniger und hei\u00dfer Tag, was die Klimaanlagen \u00fcberall auf Hochtouren laufen lie\u00df. Umso erstaunter war ich, wie eines der Lieblingsph\u00e4nomene der Japaner heute besonders extrem zuschlug: das &#8222;in einer Reihe stehen&#8220;. Japaner scheinen von Geburt an einen Schalter im Kopf zu haben, der beim Anblick eines potentiellen Einganges anspringt und eine Aufreihung vornehmen l\u00e4sst. Man erinnert sich an das Einsteigen in Z\u00fcge oder Busse in Deutschland, wo das Recht des St\u00e4rkeren gepredigt wird. Ein Zustand, der hier in Sendai undenkbar w\u00e4re. Schon zehn Minuten bevor der Bus kommt, stehen zehn bis f\u00fcnfzehn Personen in einer Reihe, um ihn zu besteigen. Ein Kaufhaus hat zwei T\u00fcren, wovon eine offen steht. Es bildet sich eine Reihe, um durch genau diese eine T\u00fcr zu gehen. Die \u00fcberraschten Gesichter, wenn man die andere T\u00fcr mal benutzt und so vor den anderen den Laden betritt, zeigen an, wie abstrus diese Idee der Abk\u00fcrzung sein muss. Auch in der Uni lebt alles von Schlangen. Die Essenschlangen zu den immerhin 8 verschiedenen Mensen oder Cafeterien, stellen jede Schlange vor der Hauptmensa in G\u00f6ttingen in den Schatten. Besonders interessant, finde ich dann immer die Schlangen vor Restaurants. In der N\u00e4he von Kokubuncho haben wir ein Schnellrestaurant, vor dem es immer Schlangen gibt. Die Restaurantleitung geht so weit, einen extra Wachmann nur f\u00fcr diese Schlange zu besch\u00e4ftigen. Jetzt sollte man meinen, das Essen dort sei so besonders. Aber Shimizu versicherte mir heute, dass es sich um ganz normales Essen handelt, was es an jeder Ecke gibt. Wieso sich diese Schlange bildet, wei\u00df keiner. Aber wenn man vorbeigeht, kann man beobachten, wie Japaner vor jedem Restaurant stehen, \u00fcberlegen und sich dann einfach in die Schlange stellen. Da st\u00f6rt dann auch nicht, dass man locker mal 15 bis 30 Minuten auf den Einlass warten muss. Mich w\u00fcrde das allerdings immer abhalten und nach einem Ersatzrestaurant suchen lassen.<\/p>\n<p>Jetzt kommt nat\u00fcrlich die Frage: Wieso f\u00e4llt ihm das heute auf und wieso ist das so schlimm? Schlie\u00dflich verhindern diese Schlangen ja ein gr\u00f6\u00dferes Chaos. Dieser Punkt l\u00e4sst sich leicht beantworten: Weil im Moment eine zweite japanische Eigenschaft zum Tragen kommt, die diese Schlangen unangenehmer werden l\u00e4sst &#8211; besonders, wenn es sie zu h\u00e4ufig gibt, wie es heute der Fall war. Dieses Eigenschaft betrifft zu 90 Prozent Frauen, auch wenn ich schon vereinzelt M\u00e4nner mit dem selben Ph\u00e4nomen gesehen habe. Es handelt sich um des Japaners liebstes Spielzeug, den Regenschirm. Wieso jetzt Regenschirm, es ist doch absoluter Sonnenschein? Genau da kommen wir zum Knackpunkt.<\/p>\n<p>Die Verwendung des Regenschirms im Regen ist normal, auch wenn sie hier meist schon beim aller ersten Tropfen vorkommt. Es existiert aber der Vorteil, dass die Leute schneller versuchen, ihr Ziel zu erreichen und dadurch kein Verkehrshindernis darstellen. Im Sonnenschein sieht das aber anders aus. Viele japanische Damen f\u00fcrchten sich vor dem Sonnenschein und nutzen ihre Regenschirme im Sonnenschein als Sonnenschirm. Dazu wird langsam flaniert und die Wege werden versperrt. Da der Regenschirm bei einer Standardjapanerin dazu noch auf meiner Augenh\u00f6he ist, bin ich jedes Mal wieder froh, eine Brille zu haben. Mehr als einmal verhinderte diese schon schlimmeres. Wenn dann die Leute noch in einer Reihe anstehen, als ob es zu DDR-Zeiten Bananen g\u00e4be, entwickelt sich der Abschnitt der Stra\u00dfe zum Spie\u00dfrutenlauf. Heute, durch den starken Sonnenschein, war es deshalb genau so ein Tag. Interessanterweise gibt es dann auch noch einen besonders harten Kern an Damen, die den Regenschirm auch bei Bew\u00f6lkung in der Hand haben. Diese Gr\u00fcnde erschlie\u00dfen sich mir dann gar nicht. Ob es sich um eine Modeaussage, Schutz vor etwaigem Regen oder Schutz vor spontan erscheinenden Sonnenstrahlen handelt, keine Ahnung. Wenigstens kann ich immer sagen, ich halte mich nur an die Japaner und werde deshalb nicht braun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Hast du das Spiel geschaut? Ja! Gut, mein Beileid und ich frage dich heute nichts mehr.&#8220; So m\u00fcde sah ich eigentlich gar nicht aus und die nicht immer richtigen Antworten, kommen schon mal vor, aber irgendwie hatte meine Lehrerin heute Mitleid mit mir. 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