{"id":1044,"date":"2010-07-07T20:57:40","date_gmt":"2010-07-07T18:57:40","guid":{"rendered":"http:\/\/rj-webspace.de\/cgi-bin\/weblog_basic\/index.php?p=1044"},"modified":"2010-07-07T20:57:40","modified_gmt":"2010-07-07T18:57:40","slug":"studium-in-japan","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/2010.rj-webspace.de\/?p=1044","title":{"rendered":"Studium in Japan"},"content":{"rendered":"<p>Es ist schon \u00fcberraschend. \u00dcberall auf der Welt sind Studenten im Besitz eines Bachelor- oder Masterabschlusses, doch vergleichbar sind diese \u00fcberhaupt nicht. O.k., wer jetzt an die unterschiedlichen Herangehensweisen der Studieng\u00e4nge innerhalb Europas denkt, hat sicherlich recht, der Unterschied zu Asien und insbesondere Japan f\u00e4llt aber wirklich extrem auf. Die Tatsache, dass alle Absolventen der Germanistik hier in Japan, irgend etwas arbeiten, was nicht ihrem Studienprofil entspricht, hat mich ja schon des \u00f6fteren verwundert. Heute habe ich endlich das System dahinter in groben Z\u00fcgen verstanden.<br \/>\nWenn ein Japaner an die Uni geht, entscheidet er nicht wie in Deutschland, welches Fach er studieren m\u00f6chte, sondern schreibt sich f\u00fcr eine Fakult\u00e4t ein. In meinem Fall also die Philosophische Fakult\u00e4t. Vor allem im ersten Jahr, gibt es dann einen vorgeschriebenen Unterricht, der alles abdeckt. Germanistik-Studenten, die Algebra oder Stochastik-Hausaufgaben im B\u00fcro l\u00f6sen, sind deshalb keine Seltenheit. Im zweiten Jahr des Studiums, entscheidet man sich dann f\u00fcr ein Profil des Studiums. Dieses Profilfach steuert daraufhin das B\u00fcro bei und stellt den Hauptanteil der Pflichtkurse. Allgemeine Kurse wie Mathematik, Englisch oder Geschichte, bleiben trotzdem erhalten. Sich in F\u00e4cher anderer Profile hinein zu setzen, ist ebenfalls m\u00f6glich, erscheint aber nicht auf den Zeugnissen. Durch dieses Vorgehen, bleibt das Studium aber sehr allgemein und breit gef\u00e4chert. Die Fachspezifikation tritt haupts\u00e4chlich beim B\u00fcro auf und hat ansonsten bis auf eine Handvoll Pflichtkurse keine Bedeutung. Nach vier Jahren hat man dann den Bachelor erreicht. Dies ist der Zeitpunkt, wo die meisten Studenten aufh\u00f6ren. Ein Jahr vorher kommt es f\u00fcr die Betreffenden Studenten dann zur wichtigen Phase der Berufswahl. Bewerbungsgespr\u00e4che stehen an, die in extra Kursen an der Uni vorbereitet werden. Schafft ein Student es wider Erwarten nicht auf Anhieb, einen Job zu bekommen, kann er einfach solange seinen Bachelor weiterstudieren, bis es klappt. Dieser Fall ist aber sehr selten. Den Arbeitgebern sind dabei die Bachelorarbeiten komplett egal und auch ansonsten kommt es auf die Fachwahl bei der Berufswahl nicht an. In gewisser Weise kann man das Bachelorsystem hier also mit dem Fachhochschulstudium oder sogar noch eher mit einer normalen Ausbildung in einer Berufsschule gleichsetzten. Wirklich \u00e4ndern tut sich dies auch im Masterkurs nicht. Das Studium bleibt ziemlich allgemein und nur die Naturwissenschaftler haben die M\u00f6glichkeit, sich hier nun endg\u00fcltig zu spezialisieren. Ein Geisteswissenschaftler schafft dies erst wirklich beim Schreiben seiner Doktorarbeit.<\/p>\n<p>Insgesamt gesehen ist das Herangehen auf jeden Fall interessant, aber aus meiner Sicht nicht wirklich praktikabel. Besonders die Tatsache, dass man kaum mal einen Job in seinem eigentlichen Berufsfeld bekommt, w\u00fcrde mich doch arg st\u00f6ren. Auf der anderen Seite, bekommen fast alle Studenten einen Job. Das ist mehr, als man von Geisteswissenschaftlern in Deutschland sagen kann. Als wirklich sinnvollen Punkt, sehe ich dagegen das B\u00fcro an. Ein wirklicher Treffpunkt, der die Studierenden \u00fcber die Semester hinaus zu einer Einheit werden l\u00e4sst. Gerade das gr\u00f6\u00dfere Einheitsgef\u00fchl sorgt zeitgleich daf\u00fcr, dass man sich mehr zwischen den Kursen hilft und sich austauscht. Eine Bibliothek, wie wir sie in G\u00f6ttingen haben, ist damit auf jeden Fall nicht zu vergleichen. Dort ist Ruhe erbeten und man kann im Allgemeinen kaum mal mit Leuten sprechen, ohne sie gleich zu st\u00f6ren. Dass zeitgleich durch die Professoren das Einheitsgef\u00fchl gesteigert wird, sorgt weiterhin f\u00fcr ein noch gr\u00f6\u00dferes Wir-Gef\u00fchl. Ob die Professoren sich zu den Studenten zum Mittagessen dazu setzen oder wie heute mal wieder Tennisspielen oder auch andere gemeinschaftliche Veranstaltungen angesagt sind. Es wird niemand ausgegrenzt und es herrscht eine absolut entspannte Atmosph\u00e4re im B\u00fcro, ohne die kleinste Gr\u00fcppchenbildung. Alles im allem gibt es zwar ein paar interessante Ans\u00e4tze hier im Studium. Bis auf das B\u00fcro, w\u00fcrde ich aber immer das deutsche System bevorzugen, solange es mal wirklich durchdacht ausgef\u00fchrt w\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist schon \u00fcberraschend. \u00dcberall auf der Welt sind Studenten im Besitz eines Bachelor- oder Masterabschlusses, doch vergleichbar sind diese \u00fcberhaupt nicht. O.k., wer jetzt an die unterschiedlichen Herangehensweisen der Studieng\u00e4nge innerhalb Europas denkt, hat sicherlich recht, der Unterschied zu Asien und insbesondere Japan f\u00e4llt aber wirklich extrem auf. 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